Die einen - Bündnis 90/Die Grünen - können angesichts ihres Wahlergebnisses triumphieren. Andere wie die SPD sind da eher sprachlos. In einem sind sich aber alle einig.

Olfen, Vinnum

, 27.05.2019, 18:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Wahlergebnis in Olfen spiegelt den Bundestrend beziehungsweise toppt ihn. Erfreulich ist die Wahlbeteiligung: 63,32 Prozent der Wahlberechtigten gingen in Olfen in die Wahllokale und gaben ihre Stimme ab. 2014 bei der Europawahl lag die Wahlbeteiligung noch bei 54,66 Prozent. Steigerung: plus 8,66 Prozent.

Bei den Ergebnissen der Parteien folgt Olfen dem Bundesergebnis. Da gibt es Verlierer, die teilweise in zweistelliger Höhe prozentual Stimmen verloren haben. Da gibt es die Gewinner, die teils kräftig zugelegt haben. Wir haben die Olfener Parteispitzen zu den einzelnen Ergebnissen befragt. Die SPD meldete sich trotz mehrfacher Anfrage bis Redaktionsschluss nicht, so dass wir nur Zahlen für die SPD veröffentlichen können.

? Wie bewerten die Parteien in Olfen ihre eigenen Ergebnisse?

Dass die CDU mit 13,18 Prozent weniger als 2014 immense Verluste eingefahren hat, liege im Deutschland-Trend, sagt Olfens CDU-Chef Klaus Düllmann. „Das löst natürlich keine Begeisterungsstürme bei mir aus. Wenn man die letzten fünf Jahre sieht, hat die CDU die positiven Impulse, die es aus Europa gibt, offensichtlich nicht transportiert.“
Ralf Wozniak, Sprecher des Grünen-Ortsverbands Olfen, sagt: „Das ist ein erfreuliches Ergebnis und im Vergleich zu vergangenen Wahlen eine hervorragende Steigerung.“ Das zeige, dass die Grünen in Olfen „eine große Basis haben, die grüne Politik gut findet und wählt“.
Für die FDP erklärt der stellvertretende Parteivorsitzende Rainer Möllney: „Es ist ein schönes Ergebnis. Wir haben zugelegt. Aber ich hätte mir mehr gewünscht.“

? Was sind die Gründe für das jeweilige Abschneiden?

CDU-Mann Klaus Düllmann sieht die Gründe für das Abschneiden der CDU in Olfen nicht innerhalb der Grenzen Olfens. „Die Wähler wissen schon zu unterscheiden, dass es bei der Europawahl nicht um Kommunalpolitik ging.“
Grünen-Politiker Ralf Wozniak erklärt: „Wir haben öffentlich für die Europawahl geworben, unter anderem mit einem Marktstand. Da haben wir positive Rückmeldungen bekommen. Dass wir jetzt in der Öffentlichkeit vorkommen, können wir uns zugute schreiben.“
FDP-Mann Möllney vergleicht die Situation mit der Europawahl 2014 und sagt: „Wir sind insgesamt als Partei stabiler geworden. Die Diskussion um das Klima und die ,Friday for future‘-Proteste haben den Grünen viele Stimmen zugeschwemmt. Das halte ich für einen Einmal-Effekt. Das wird sich auch wieder ändern.“

? Wo haben die Parteien ihr stärkstes Ergebnis eingefahren?

Die CDU war im Stimmbezirk 1 (Pfarrheim St. Marien, Vinnum) mit 45,86 Prozent am stärksten.
26,83 Prozent der Stimmen eroberten die Grünen imStimmbezirk 5 (DRK-Begegnungsstätte Haus Rena). Für Ralf Wozniak hängt das mit dem Wohngebiet Appelstiege zusammen. „Da wohnen viele Neuzugezogene. Unsere Erfahrungen in anderemn Städten ist, dass wir von Neubürgern viele Stimmen bekommen.“
Die SPD hat im Stimmbezirk 7 (Wolfhelmschule, Raum 122) mit 19,27 Prozent ihr stärkstes Ergebnis erzielt.
Die FDP hat im Stimmbezirk 6 (Wolfhelmschule, Raum 121) mit 8,19 Prozent der Stimmanteile ihr bestes Ergebnis in Olfen geholt.

? Wo haben die Parteien ihr schwächstes Ergebnis eingefahren?

Mit 32,20 Prozent schnitt die CDU im Stimmbezirk 6 (Wolfhelmschule, Raum 121) am schlechtesten ab. „Warum die Ergebnisse in einzelnen Stimmbezirken sind, wie sie sind, ist schwer zu bewerten“, sagt Klaus Düllmann. Das könne eventuell auch etwas mit demographischen Strukturen zu tun haben.
Die Grünen holten im Stimmbezirk 1 (Pfarrheim St. Marien) mit 14,29 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis in Olfen. „Da gibt es nicht so viele Neuzugezogene“, sagt Ralf Wozniak. „In Vinnum müssen wir dran bleiben und präsenter sein.“
Die SPD hat im Stimmbezirk 1 (Pfarrheim St. Marien) mit 12,59 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis erzielt.
Die FDP hat im Stimmbezirk 7 (Wolfhelmschule, Raum 122) mit 4,86 Prozent die wenigsten Stimmanteile aller Wahlbezirke geholt. Kommentar Rainer Möllney: „Wir waren in allen Wahlbezirken aktiv. In einigen sind wir stark, in anderen schwach. Das überrascht mich nicht. Wir hatten in Olfen nie ein einheitliches Ergebnis.“

? Was sagen die Parteien zum Abschneiden der AfD, die aktuell um 3,84 Prozent im Vergleich zur Europawahl 2014 auf 8,98 Prozent zugelegt hat?

„Dieses bundesweite Phänomen gefällt mir nicht“, erklärt Klaus Düllmann. „Innerhalb dieser Partei gibt es klare rechte Tendenzen. Sie ist nicht wählbar.“
„Ich habe für das Ergebnis und die Steigerung keine Erklärung“, sagt Ralf Wozniak. „In Olfen haben wir doch gute Lebensverhältnisse, so dass ich mir die Unzufriedenheit nicht erklären kann.“
FDP-Vize Rainer Möllney sagt dazu: „Ich hoffe, dass es bei denen nicht noch weiter nach oben geht. Die brauchen wir hier nicht.“

? Hat das Abschneiden der eigenen Partei Auswirkungen auf andere Wahlen?

„Das Ergebnis der Europawahl wird Auswirkungen auf Landtags- und Kommunalwahlen haben“, meint Klaus Düllmann für die CDU. „Die Grünen, die ja bisher nicht bei Kommunalwahlen in Olfen angetreten sind, werden bestimmt antreten. Und das wird Änderungen bei den Ergebnissen geben. Ob diese Änderungen aber im Europawahlergebnis 2019 begründet sind, wage ich zu bezweifeln.“
„Definitiv“, ist sich Ralf Wozniak für die Grünen sicher. „Wir können für die Kommunalwahl gut davon zehren. Ich bin zuversichtlich, dass wir in Fraktionsstärke in den Rat einziehen werden.“
Für die FDP sagt Rainer Möllney: „Das Europawahlergebnis kann man nicht mit anderen Wahlen verbinden. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.“

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