„Alexa, Tresor auf!“ - Cannabis-Plantage auf Dachboden war per Sprachsteuerung gesichert

Langericht Münster

Zum Prozessauftakt hatte der mutmaßliche Betreiber einer Cannabis-Plantage in Raesfeld seine Anlage noch als "nicht professionell" bezeichnet. Zeugen berichten in Münster aber das Gegenteil.

Raesfeld

, 23.11.2018 / Lesedauer: 3 min

Mitte Mai 2018 war die Polizei auf die Cannabis-Aufzucht auf dem Dachboden eines ehemaligen Gehöfts aufmerksam geworden. Nachdem ein Richter einen Durchsuchungsbeschluss erlassen hatte, hatten sich zwei Beamte eines Morgens auf den Weg gemacht, um den Bewohnern des Gehöfts einen Besuch abzustatten.

Am Freitag wurde einer der Beamten im Prozess vor dem Landgericht Münster als Zeuge vernommen. Er erinnerte sich: „Die Frau öffnete uns die Tür, der Mann lag noch im Bett.“ Nachdem die Beamten den jetzt Hauptangeklagten geweckt hatten, brach offenbar sofort ein bisschen Hektik aus. „Der Mann war halt sehr aufgeregt angesichts des Vorwurfs“, so der Zeuge.

Angeklagter griff zu Schreckschusswaffe

Tatsächlich kam es sogar zu einer Situation, die durchaus als brenzlig bezeichnet werden darf. Auf die Frage, ob er gefährliche Gegenstände oder Waffen in der Wohnung aufbewahre, rannte der Hauptangeklagte gleich los, riss eine Schranktür auf und nahm die darin liegende Schreckschusswaffe in die Hand. „Das haben wir natürlich nicht so gerne“, sagte der Zeuge am Freitag. Schließlich hätte das ja durchaus gefährlich werden können. Doch die Polizisten mussten den Mann weder überwältigen noch selbst ihre Dienstwaffen ziehen. „Es hat gereicht, ihm zu sagen, dass er das Ding lieber hinlegen soll“, so der Zeuge.

Die Plantage auf dem Dachboden sahen sich die Polizisten anschließend an. Und von wegen „nicht professionell“: Schon der Zugang zum Spitzboden war mit Spitzentechnik gesichert. „Er musste erst so eine Sprachsteuerung von Amazon bemühen, ehe die Tür geöffnet werden konnte“, sagte der Polizeibeamte den Richtern. Auf das Kennwort „Alexa: Tresor auf!“ sei jedoch der Zugang ungehindert möglich gewesen.

Neben den Cannabispflanzen stellten die Polizisten damals auch Tüten mit bereits abgepackten Drogen sicher. Der Hauptangeklagte beteuert jedoch, das Rauschgift sei zu keiner Zeit zum Verkauf bestimmt gewesen. Vielmehr habe er das Cannabis in Butter auflösen und anschließend einfrieren wollen. Nach mehreren Operationen an den inneren Organen sei er auf Schmerzmittel in Form von Cannabis-Gebäck angewiesen.