Ein gewaltiges Mantelfragment der Erler Femeiche gehört zu der neuen Ausstellung, die Karl-Josef Behler im Erler Heimathaus zusammengetragen hat. © Berthold Fehmer
Femeiche

Ausstellung erzählt die Geschichte der „1000-jährigen Eiche“

Als Nationalerbe wurde die Erler Femeiche kürzlich ausgezeichnet. Nun erhält sie eine eigene Ausstellung im Heimathaus, die die erstaunliche Geschichte des Baums erzählt.

Bei älteren Damen nach dem Alter zu fragen, gilt gemeinhin als etwas unhöflich. Rund 140 Jahresringe kann man auf zwei Baumscheiben erkennen, die auf Blattgold ausgelegt allerdings nur einen Ast-Querschnitt zeigen. Da das Innere des Stammes etwa 1750 durch Pilze zersetzt wurde, scheidet ein Zählen der Jahresringe am Stamm aus.

Baumscheiben auf Blattgold: Auch diese Schmuckstücke, die Wenzel Schierenberg (l.) und Karl-Josef Behler zeigen, gehören zur Ausstellung.
Baumscheiben auf Blattgold: Auch diese Schmuckstücke, die Wenzel Schierenberg (l.) und Karl-Josef Behler zeigen, gehören zur Ausstellung. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

„Dass die Femeiche schon zu Zeiten Karls des Großen ein mächtiger Baum gewesen ist, halten die Biologen für unwahrscheinlich“, sagt Karl-Josef Behler vom Heimatverein, der die Ausstellung mit Mediengestalter Wenzel Schierenberg erarbeitet hat. In der ersten von 21 digital erstellten Schautafeln stellt Behler Berechnungsmethoden vor, die auf ein Alter zwischen 800 bis 1.100 Jahren schließen lassen.

Nach der Ausstellung zum Ersten Weltkrieg, die 2019 abgebaut wurde, sei die Frage aufgekommen, welche Dauerausstellung nun das Erler Heimathaus schmücken sollte, erzählt Behler. „Dann kam Corona.“ Der Heimatverein nutzte die Zeit, das Gebäude zu renovieren. Der studierte Historiker Behler arbeitete an der Ausstellung zur Femeiche. „Meterweise“ Bücher gebe es dazu und Aufsätze im Heimatkalender der Herrlichkeit Lembeck, so Behler, der sich auch auf die Vorarbeit von Klaus Werner stützte.

Von der Auszeichnung zum Nationalerbe-Baum habe man erst spät erfahren, so Behler. Die Ausstellung am selben Tag zu eröffnen, sei nicht mehr möglich gewesen. Nun soll dies am Sonntag (14. November) geschehen, von 14 bis 18 Uhr. Im Ausstellungscafé gibt es Kaffee und Kuchen (von der Biobäckerei Leiers) gegen Spenden. Es gilt die 3G-Regel. „Leider müssen wir immer noch Masken tragen“, so Behler. Zu jeder vollen Stunde gibt es eine kurze Einführung in die Ausstellung.

Mord an zwei Schöffen

Neben Ausführungen zum Alter des Baums berichten die Schautafeln über die Gerichtsbarkeit im Mittelalter, den Freistuhl zum Aßenkampe, Erhaltungsmaßnahmen zum Schutz des Baums, die Eiche in der NS-Zeit, berühmte Besucher aus Funk und Fernsehen an der Eiche, Gedichte über die Eiche und vieles mehr. Natürlich auch über die erstmals dokumentierte Femeiche beim Prozess von 1441, als Freigraf Bernt de Duiker beim Femegericht Gert von Diepenbrock und zwei seiner Knechte wegen des Mordes an zwei Schöffen „verfemte“, also zum Tode verurteilte.

21 informative Schautafeln berichten über die Geschichte der Erler Femeiche.
21 informative Schautafeln berichten über die Geschichte der Erler Femeiche. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Für Behler spannend waren die Nachwirkungen der Femegerichtsbarkeit in Literatur und Kunst. Künstler, Literaten und Regimekritiker wurden häufig in Diktaturen „verfemt“: Ihre Werke wurden zensiert, die Personen selbst inhaftiert, ausgewiesen, manche sogar getötet. An Beispiele von Fememorden erinnert ebenfalls eine Schautafel.

36 Soldaten im Stamm?

Wenzel Schierenberg setzte die Informationen und Bilder anschaulich zusammen. Er selbst erinnert sich noch an seine Kindheit, als er noch mit anderen in die Femeiche klettern konnte. Dass der spätere König Wilhelm IV. 1819 bei einem Manöver angeblich 36 Soldaten „aus einer Laune heraus“ mit Gewehr und Tornister in der Eiche aufstellen ließ, kommentiert Behler schmunzelnd mit dem Satz: „Wie die das angestellt haben, weiß man nicht.“

Ein Teil der Eiche selbst ist ebenfalls Teil der Ausstellung: Ein etwa 1,50 Meter langes „Mantelfragment“ stammt vermutlich aus einer Sanierungsaktion im Jahr 1965, als Teile des Baums entfernt wurden. „Ursprünglich sollten die verbrannt werden“, so Behler. Doch Johannes Kempken habe das Stück gesichert.

Die Ausstellung soll ab Dezember an jedem ersten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet werden. Zudem kann sie jederzeit besucht werden nach Kontaktaufnahme unter Tel. (02865) 6646.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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