Corona: Kämmerer erwartet ein Minus - „Panik ist nicht angebracht“

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Was das Coronavirus für den Gemeindehaushalt genau bedeutet, vermag Kämmerer Martin Tesing noch nicht zu sagen. „Wir werden sicherlich ein Minus haben. Panik ist nicht angebracht.“

Raesfeld

, 29.04.2020, 20:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gebe derzeit keine Prognose-Daten von Instituten, keine Erfahrungswerte anderer Kommunen, die belastbar seien, sagt Tesing. Seriöse Zahlen, was das Coronavirus mit dem Raesfelder Haushalt machen wird, könne er deshalb nicht nennen.

„Corona hat nicht zu Mehreinnahmen geführt“, sagt der Kämmerer aber mit einem Anflug Galgenhumor. Denn das Ordnungsamt habe bislang keine Bußgelder gegen Bürger oder Gewerbetreibende wegen eines Fehlverhaltens verhängt, bestätigt auch Leiter Markus Büsken. Bei Situationen die „grenzwertig“ gewesen seien, habe man die Bürger verwarnt. „Die Einsichtsfähigkeit ist sehr hoch.“

Minus 30 Prozent Gewerbesteuer

Statt mit sprudelnden Bußgeldern rechnet Tesing mit einem Minus von 30 Prozent bei der Gewerbesteuer, 1,6 Millionen Euro weniger als eingeplant. „Die werden in diesem Jahr aber nicht kassenwirksam.“ Bislang 32 Anträge auf Reduzierung der Vorauszahlungen bedeuten aber ein Minus von 435.000 Euro, „die wir sicher nicht mehr in der Kasse haben“. Im Moment komme „jeden Tag ein Antrag“.

Beim Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer rechnet Tesing im Moment mit einem Minus von 10 Prozent. Bedeutet: 600.000 Euro weniger in der Kasse. Auch bei anderen Einnahmequellen sieht Tesing Rückgänge voraus, auf der Ausgabenseite hingehen könne man die steigenden Kosten noch schwieriger beziffern. Eine höhere Jugendamtsumlage, eine höhere Kreisumlage, höhere Sozialabgaben, Mehrkosten bei VHS und Musikschule sieht Tesing auf die Gemeinde zukommen.

Sorge vor zweiter Infektionswelle

Um die Situation komplett zu beurteilen, sei es aber noch viel zu früh, warnt Tesing. „Wenn eine zweite Infektionswelle kommt, können wir über alle Zahlen ein Ei drüber schlagen.“ Als Kämmerer würde er derzeit empfehlen, nicht voreilig zu handeln. „Die Daten, die im Raum stehen, sind alles andere als belastbar.“ Zugute komme der Gemeinde, dass man in den letzten Jahren „solide gewirtschaftet“ habe.

Bürgermeister Andreas Grotendorst ist derzeit froh, dass die Zahl der Infizierten in Raesfeld deutlich zurückgegangen ist. Fünf Raesfelder seien Stand Mittwoch mit dem Virus infiziert, zwei Raesfelder davon im Krankenhaus und ein Raesfelder sei „schwerer erkrankt“, so Grotendorst.

Dass der Schulstart an der Verbundschule reibungslos mit den Zehntklässlern geklappt habe, freut Grotendorst ebenfalls. „Nur zwei Schüler kamen ohne Maske.“ Etwas problematischer seien die derzeitigen Unsicherheiten: „Ob die neunte Klasse nächste Woche öffnet, wissen wir nicht.“ In Kitas steige der Wunsch nach Notbetreuung, in der sich derzeit 70 Kinder befänden.

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