Mobile Luftreiniger hält die Verwaltung auch in der Corona-Pandemie in den Klassenräumen nicht für erforderlich, weil alle Räume gut gelüftet werden könnten. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Coronavirus

Corona: Verwaltung gegen Luftreiniger für Klassenräume

Luftreiniger für alle Klassenräume, das fordert die FDP zur Bekämpfung von Corona-Aerosolen. Die Verwaltung spricht sich nach Prüfung dagegen aus und macht einen anderen Vorschlag.

Eine Nachrüstung der Klassenräume mit raumlufttechnischen Geräten oder, wenn das nicht möglich sein sollte, mobile Luftreiniger für alle Klassen hatte die Raesfelder FDP beantragt. So solle ein regulärer Schulbetrieb in Zeiten der Corona-Pandemie schnellstmöglich sichergestellt werden.

„Wegen des vergleichsweise geringen Luftvolumens im Klassenzimmer mit vielen anwesenden Schülerinnen und Schülern ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich infektiöse Partikel im Raum anreichern, vergleichsweise hoch“, sieht auch Markus Büsken, Erster Beigeordneter, ein Risiko.

Durch das Lüften (alle 20 Minuten) würden neben Aerosolen auch Feuchtigkeit, CO2, Feinstaub, Gerüche und Ausdünstungen nach außen abgeführt, so Büsken. Mobile Luftreiniger könnten Feuchtigkeit und CO2 nicht aus der Raumluft entfernen – deshalb seien sie „allenfalls als Ergänzung zum aktiven Lüften geeignet, da mit ihnen keine Raumluft gegen Außenluft getauscht wird“.

Keine „Belüftungsproblematik“ in Raesfelder Schulen

Auch die Kommission Innenraumlufthygiene am Bundesumweltamt priorisiere das Lüften vor dem Einbau von Zu- und Abluftanlagen oder mobilen Luftreinigungsgeräten. „In den drei Raesfelder Schulen können alle Unterrichtsräume über die Fenster gut und effektiv gelüftet werden, sodass sich eine Belüftungsproblematik für unsere Schulen nicht ergibt“, so Büsken.

Das sei vom Schul- und vom Bauministerium des Landes im Herbst 2020 schriftlich bestätigt worden. Deshalb seien Luftreinigungsgeräte in Raesfelder Schulen nicht erforderlich, so Büsken in der Vorlage für den Bau- und Umweltausschuss (8. März). Auch die Schulleitungen der Grundschulen und der Julia-Koppers-Gesamtschule teilten diese Ansicht.

CO2-Ampeln als Alternative

Büsken schlägt, ebenso wie die Schulleitungen, den Erwerb von CO2-Ampeln vor. „Kohlendioxid ist ein guter Indikator für ‚verbrauchte‘ Luft“, so Büsken. Zu hohe CO2-Werte führten zu Ermüdungserscheinungen. „Eine erhöhte CO2-Konzentration lässt zwar keine Aussage über virushaltige Aerosole zu, aber sie deutet darauf hin, dass zu lange nicht gelüftet wurde und daher auch das Infektionsrisiko erhöht sein kann“, so Büsken.

Die Verwaltung empfiehlt, zehn solcher Ampeln (Kosten: etwa 2.000 Euro) anzuschaffen. Warum nicht für jeden Klassenraum? Laut Umweltbundesamt, so Büsken, sei es nicht unbedingt erforderlich, in jedem Raum eine CO2-Ampel dauerhaft zu installieren. Wenn mithilfe der Ampel ein Lüftungsverhalten einstudiert sei, könne sie im nächsten Klassenraum eingesetzt werden.

Die zehn Geräte sollen zunächst „für Testzwecke“ angeschafft werden. Büsken: „Je nach Ergebnis dieser Testphase wäre dann zu überlegen, alle Klassenräume mit diesen Geräten auszustatten.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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