Coronavirus: 219 Anträge auf Soforthilfe allein in Raesfeld

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219 Anträge auf Soforthilfe wurden in der Corona-Krise allein in Raesfeld gestellt. Bürgermeister Andreas Grotendorst bekommt die Nöte der Wirtschaft mit und sagt, was ihn am meisten sorgt.

Raesfeld

, 08.04.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Solo-Selbständige, Freiberufler, Gründer sowie kleine und mittlere Unternehmen, die Verdienstausfälle durch die Corona-Krise haben, können seit dem 27. März Anträge auf finanzielle Unterstützung von Land und Bund stellen. Allein in Raesfeld haben das bereits 219 getan, wie Bezirksregierung und Kreis Borken mitteilen.

Insgesamt 5806 Anträge wurden im Kreis Borken gestellt. Landrat Kai Zwicker. „Ich hoffe sehr, dass dadurch die kleinteiligen Strukturen, die unsere Wirtschaft ja stark prägen, aufrecht erhalten werden können, damit es nach Neustart der Wirtschaft rasch wieder aufwärts gehen kann.“ Bis zum 31. Mai können Selbstständige noch Anträge stellen.

„Viele warten auf die Woche nach Ostern“

„Man wundert sich, dass es so viele sind“, sagte Bürgermeister Andreas Grotendorst am Mittwoch zur aktuellen Raesfelder Zahl. Er habe einen Tag zuvor noch mit einem Raesfelder Firmeninhaber gesprochen, der ihm von seinen Umsatzeinbußen erzählt habe. „Viele warten auf die Woche nach Ostern. Darauf, ob und wie langsam das öffentliche Leben wieder hochgefahren wird“, sagt Grotendorst. Gastronomie-Betriebe hätten es besonders schwer. „Fast alle haben mittlerweile eine Abhol-Karte“, so Grotendorst.

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Das Thema Mundschutz werde gerade im Dorf häufig diskutiert - er selbst sei beim Einkaufen angesprochen worden, ob es mittlerweile eine Pflicht dazu gebe. Die gebe es in Raesfeld nicht, sagt Grotendorst. Allerdings auch, dass die Verwaltung am Thema Schutzmasken dran sei und Bestellungen aufgegeben habe. „Wir wissen aber nicht, wann die kommen.“

Keine Bußgelder verhängt

In vielen Kommunen wurden wegen der Übertretung der Kontaktverbots-Regeln bereits Bußgelder verhängt. In Raesfeld bislang laut Grotendorst noch gar nicht. „Man merkt aber in einigen Bereichen, auch weil es wieder warm geworden ist, dass die Leute raus wollen und soziale Kontakte suchen.“

Raesfelds Bürgermeister Andreas Grotendorst muss derzeit viele Fragen zu Schutzmasken, Schützenfesten und Kontaktverbots-Regeln beantworten.

Raesfelds Bürgermeister Andreas Grotendorst muss derzeit viele Fragen zu Schutzmasken, Schützenfesten und Kontaktverbots-Regeln beantworten. © Berthold Fehmer (Archiv)

Den „verstärkten Redebedarf“ nehme er deutlich war, wenn er mit dem Rad unterwegs sei. „Manchmal werde ich gefragt, wie bestimmte Dinge zu handeln sind, oder auch welche Prognose ich habe, wie es weitergeht. Ich sage dann: Wenn ich das wüsste.“ Er glaubt aber auch: „Die Leute gewöhnen sich an die Situation. Je besser das Abstandsgebot eingehalten wird, desto besser ist das für weitere Entscheidungen.“

Fragezeichen beim Haushaltsplan

Im Rathaus versuche das Team, „so normal es geht weiter zu arbeiten“, sagt Grotendorst. So wurden beispielsweise Bäume am Karpfenteich gepflanzt, oder auch der Auftrag für die Dachsanierung der Gesamtschule vergeben. „Wir können hier nicht drei Monate die Schotten dicht machen“, sagt Grotendorst. Große Fragezeichen stünden allerdings derzeit beim Haushaltsplan - es gebe bereits viele Anträge auf Stundung oder Herabsetzung der Gewerbesteuer.

Bislang seien nur fünf Auftragsvergaben per Dringlichkeitsentscheid umgesetzt worden, sagt Grotendorst - dabei gebe es aufgrund von Richtlinien aber sowieso kaum Spielraum. „Ich informiere den Rat einmal die Woche. Nach Ostern, wenn wir wissen, wie Land und Bund entscheiden, planen wir dann mal die nächsten Sitzungstermine.“

Anfragen zu Schützenfesten

Von Schützenvereinen gebe es Anfragen, ob man die Schützenfeste absagen könne oder solle. Auch dazu kann Grotendorst noch keine verbindliche Aussage treffen. „Ich zitiere unseren Gesundheitsminister: Tanzveranstaltungen sind das letzte, das freigegeben wird.“

Ziemlich konstant ist derzeit die Zahl der Infizierten in Raesfeld. Grotendorsts größte Sorge ist derzeit, dass das Coronavirus in eine der Altenpflegeeinrichtungen gelangt. „Dann haben wir ein sehr großes Problem.“

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