Coronavirus: 28 Tage - und fast alle Raesfelder wären rechnerisch infiziert

Coronavirus

Mit eindringlichen Worten wendet sich Raesfelds Bürgermeister Andreas Grotendorst an seine Bürger. Grotendorsts Modellrechnungen zeigen den Ernst der Lage.

Raesfeld

, 19.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bürgermeister Andreas Grotendorst und die Rathaus-Mitarbeiter Michael Mels und Markus Büsken vom Raesfelder Krisenstab halten Abstand. Und haben das Gefühl, dass die Gefahr bei einigen Raesfeldern noch nicht in den Köpfen angekommen ist.

Bürgermeister Andreas Grotendorst und die Rathaus-Mitarbeiter Michael Mels und Markus Büsken vom Raesfelder Krisenstab halten Abstand. Und haben das Gefühl, dass die Gefahr bei einigen Raesfeldern noch nicht in den Köpfen angekommen ist. © Berthold Fehmer (Archiv)

Mit einem offenen Brief will der Bürgermeister den Bürgerinnen und Bürgern vor allem eines mitteilen: „Verantwortung übernimmt, wer Abstand hält!“ Seit einer Woche gebe es im Rathaus den Krisenstab. „Leider haben wir hier im Krisenstab den Eindruck, dass noch längst nicht bei allen angekommen ist, dass es sich nicht um eine Grippewelle handelt“, so Grotendorst.

Die ernst zu nehmende Krankheit könne „schon in wenigen Tagen unser ganzes Gesundheits-/ Wirtschaftssystem und gesellschaftliches Leben gefährden oder noch schlimmer: lahmlegen. Und das ist keine Übertreibung oder Panikmache. Gestern sah man noch Kinder im Dorf auf Spielplätzen, Jugendliche auf dem Kunstrasenplatz oder Menschen, die ihre wöchentliche Pättkestour veranstalteten“, so Grotendorst. Er mahnt: „Verzichtet auf soziale Kontakte und, wenn nötig, haltet einen Mindestabstand zu anderen Menschen von zwei Metern ein!“

Reiserückkehrer verhielten sich vorbildlich

Grotendorst hat errechnet, was passieren würde, „wenn wir unsere täglichen Gewohnheiten nicht drastisch einschränken“. Derzeit gibt es 22 Infizierte in Raesfeld - diese Zahl ist seit einigen Tagen vor allem auch deshalb relativ konstant, weil ein Gruppe von Reiserückkehrern mit zehn Infizierten „sich vorbildlich verhalten“ habe, so Grotendorst. „Sonst wären wir jetzt mit Sicherheit schon bei 80.“

Wie gesagt, noch sind es 20. Grotendorst geht in seiner Rechnung von einer Verdoppelungsrate von drei Tagen aus. Dies würde für Raesfeld bedeuten:

  • Tag 1: 20 Fälle
  • Tag 3: 40 Fälle
  • Tag 6: 80 Fälle
  • Tag 9: 160 Fälle
  • Tag 12: 320 Fälle
  • Tag 15: 640 Fälle
  • Tag 18: 1280 Fälle
  • Tag 21: 2560 Fälle
  • Tag 24: 5120 Fälle
  • Tag 27: 10.240 Fälle

Grotendorsts Rechenexempel zeigt angesichts einer Einwohnerzahl von rund 11.300 Raesfeldern: „Nach 28 Tagen wären wir durch.“ Doch nach bisherigen Erkenntnissen würden sich etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung anstecken. „Davon werden 20 Prozent der Infizierten eine stationäre Behandlung benötigen, rund fünf Prozent eine Behandlung auf einer Intensivstation.“

70 Raesfelder müssten auf die Intensivstation

Das würde bedeuten: 7000 Raesfelder würden sich infizieren, von diesen müssten 1400 ins Krankenhaus, 70 auf eine Intensivstation. Grotendorst: „Wir wissen alle, dass die vorhandenen Krankenhauskapazitäten dafür in keiner Weise ausreichen! Ohne Schutzmaßnahmen würde unser Wirtschafts- und Gesundheitssystem also nach in kürzester Zeit kollabieren. Das Virus könnte sich dann völlig unkontrolliert ausbreiten.“

Grotendorst: „Darum ist es jetzt wichtig, die sprunghafte Ausbreitung zu verlangsamen - für eine weiterhin gute medizinische Versorgung. Deshalb bitte ich Euch und fordere Euch alle eindringlich auf: Haltet unbedingt den Mindestabstand von zwei Metern ein.“ Bürger sollten sich auf der Gemeinde-Homepage informieren und sich an die Anweisungen halten - „auch bei schönem Wetter“.

„Macht es für Euch und Euer soziales Gewissen“

„Es kommt dabei auf jeden Einzelnen von Euch an“, so Grotendorsts Appell. Jeder solle überlegen, was er tun könne, damit sich das Virus nicht so schnell ausbreite. „Macht es für Euch und Euer soziales Gewissen und aus Solidarität zu Euren Mitmenschen: Übernehmt Verantwortung!“

Grotendorst dankte den Menschen, „die uns in dieser Krise unterstützen“. „Besonders den Menschen im medizinischen Bereich und in der Pflege, in der Lebensmittelversorgung, in Lebensmitteleinzelhandel und -verarbeitung, in der Landwirtschaft, in den zahlreichen Krisenstäben sowie Dr. med Sarah Gößling, die ihn fachlich berate.

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