Erler Femeiche kann jetzt auch englisch und niederländisch

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Für die 1000-jährige Erler Femeiche reisen ihre Fans sogar aus dem Ausland an. Das zeigen die Gästebücher der Eiche. Jetzt „kommuniziert“ sie mit ihnen auch auf englisch und niederländisch.

Raesfeld, Erle

, 01.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit rund einem Jahr liegt in einem kleinen Holzkästchen am Wahrzeichen Erles ein Gästebuch. Das wurde so rege genutzt, dass der Heimatverein es bereits gegen zwei neue Exemplare austauschen musste. „Hallo Femeiche, Wi oft konte ich noch in dein Buch schreiben. Du bisst ein Fach so toll. Immer weenn ich deine bletta ansehe denk ich es ist Sommer“, schreibt die offenbar noch sehr junge Malin, die sogar ein Bild von der Eiche gezeichnet hat: „das Bist du.“

Erler Femeiche kann jetzt auch englisch und niederländisch

Auch ganz junge Fans hat die 1000-jährige Eiche. © Berthold Fehmer

Karl-Josef Behler und Hannes Kempken vom Heimatverein kümmern sich um Eiche und Bücher. „Dass hier auch Ausländer hinkommen, wussten wir. Niederländer sieht man häufig“, sagt Behler. Doch die Einträge zeigen auch, dass Besucher aus England, Florida, Guatemala, Brasilien, Polen oder Estland der Eiche ihre Aufwartung machen. Letzteres habe man erst herausgefunden, nachdem man die kyrillische Schrift übersetzen ließ, sagt Behler.

Damit auch Gäste aus dem Ausland von den drei Infotafeln neben der Eiche profitieren können, hat Cees Stendijk sie auf Niederländisch übersetzt. Und Norbert Thiele sowie Franz Schäpers übersetzten auf Englisch. Per QR-Code, der auf die Tafeln geklebt wurde, gelangt man im Internet an die Übersetzungen.

Erler Femeiche kann jetzt auch englisch und niederländisch

Karl-Josef Behler zeigt auf die neuen QR-Codes auf der Tafel der Femeiche, die per Internet die Übersetzung der Tafeln ins Niederländische und Englische aufs Smartphone bringen. © Berthold Fehmer

Oft wird in den Eintragungen der Heimatverein dafür gelobt, dass er das Umfeld der Eiche pflegt. Das tue allerdings auch die Gemeinde, gibt Behler das Kompliment weiter. Ansonsten schauen auch die Nachbarn nach dem Rechten, etwa bei der Trockenheit im vergangenen Jahr, als ein Nachbar die Eiche wässerte.

Ab und zu muss Behler schmunzeln, wenn er die Eintragungen liest. Eine Juristin aus Hamburg nannte die Eiche eine „interessante und bestaunenswerte Gedenkstätte“, habe aber „einige Revisionsgründe bei der Femegerichtsbarkeit entdeckt“: „Verstoß gegen den Öffentlichkeitsgrundsatz, Verhandlung in Abwesenheit des Angeklagten, keine freie richterliche Beweiswürdigung ...).

Obszöne Nachrichten

Manche Eintragungen regen zum Nachdenken an: „Pflanz einen Baum, und kannst du auch nicht ahnen, wer einst in seinem Schatten tanzt. Bedenke stets, es haben deine Ahnen auch einen für dich gepflanzt.“ Behler verschweigt aber nicht, dass ab und zu Jugendliche auch obszöne Textnachrichten hinterlassen. „Oder wer mit wem geht. Diese Seiten reißen wir dann raus.“

Ein bisschen dazu passt der Eintrag eines älteren Besuchers. Er erinnert sich an seine erste Begegnung mit der Eiche: Im Frühsommer 1958 habe er mit seiner Klasse eine Wanderung von Rhade nach Erle gemacht. „Wir waren wohl noch recht jung, um angemessene Ergriffenheit zu empfinden.“ Nun stehe er mit seiner Gattin vor der Eiche, „und wir können die Bedeutung und Größe dieses historischen Relikts nachempfinden. Manche Dinge brauchen eben Zeit!“