Ökologischer Ausgleich wird auf mehrere Schultern verteilt

hzAusgleichsmaßnahmen

Wenn für eine Straße oder ein Gewerbegebiet ökologischer Ausgleich geschaffen wird, geht das oft zulasten landwirtschaftlicher Flächen. Wolfgang König stellte im Rat ein neues System vor.

Raesfeld

, 01.09.2020, 15:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Streit um Ausgleichsmaßnahmen hat in der Raesfelder Politik Tradition. Immer wieder werfen die Grünen vor, dass Ausgleichsmaßnahmen nicht oder unvollständig umgesetzt wurden - die Gemeinde verweist stets darauf, dass man für die Kontrolle nicht zuständig sei sondern der Kreis.

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Eine Möglichkeit, das Problem oder Teile davon an einen Partner zu übertragen, zeigte Wolfgang König, Geschäftsführer der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, am Montag im Rat auf. Er listete die Ziele der gemeinnützigen Stiftung auf und fasst zusammen: „Wir sind kurz und knapp eine Naturschutzstiftung.“

„Wolf im Schafspelz“

Das Besondere: Die Stiftung wurde vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband gegründet. Deshalb sei man zu Beginn „sehr argwöhnisch“ beobachtet worden. „Da kommt der Wolf im Schafspelz daher“, hätten Naturschutzverbände zu Beginn vermutet, sagte König. Mittlerweile sei das anders.

König stellte Beispiele für Ausgleichsmaßnahmen und Forschungsprojekte der Stiftung vor. Bei denen etwa Maisanbau mit Blühstreifen kombiniert wird oder der Bürokratie-Wust bei Naturschutzmaßnahmen abgebaut werden soll. Auch im Kreis Borken ist die Stiftung tätig sowie in Raesfeld bei einer Ausgleichsmaßnahme für die Zeelink-Leitung.

Der Gemeinde gab König die Empfehlung, bei einer geplanten Kompensation frühzeitig auf die Stiftung zuzugehen. Diese würde schnell das Gespräch mit Landwirten vor Ort suchen, um geeignete Flächen zu suchen.

Rotierendes System

Auch ein rotierendes System sei möglich: Landwirtschaftliche Flächen könnten über Zeiträume von etwa zwei Jahren und mehr extensiver bewirtschaftet werden - danach sei gegebenenfalls eine Wiederaufnahme der gewohnten Bewirtschaftung möglich. Die Kompensation würde dann an anderer Stelle erfolgen. Blühstreifen, die für die Biogas-Anlage abgeerntet werden könnten, oder Ackerbrachen nannte König als Beispiele. Die Kontrolle übernehme die Stiftung.

Für das rotierende System müsse allerdings eine „Pfandfläche“ existieren. Also eine Fläche, bei der die Stiftung mit im Grundbuch steht, und die für Kompensationsmaßnahmen genutzt wird, falls es nicht gelinge, andere Flächen zu finden. König: „Das ist bisher aber noch nie vorgekommen.“

Die Frage nach den Kosten konnte König nicht präzise beantworten. Es komme auf viele Faktoren an, etwa, ob die Pflandfläche bereits im Besitz der Gemeinde sei. „Wir sind nicht der Billigheimer. Wir sind nicht teurer als die anderen, aber wir sind besser.“ Zur Länge der Verträge befragt, sagte König, dass 25 bis 30 Jahre ein Bereich sei, den man überschauen könne. Ein Beispiel: „Wissen Sie, ob der Kibitz in 30 Jahren noch ein Problem hat? Oder ob es in 30 Jahren noch einen Kibitz in Raesfeld gibt?“

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