Martin Tesing: „Rahmenplan Ortsmitte kommt auf Zielgrade“ – Das sind die Ideen

Redakteur
Links ist ein Plan zu sehen, was in Raesfeld passieren könnte. Rechts: Bürgermeister Martin Tesing.
Der Rahmenplan für die Ortsmitte Raesfeld soll bald beschlossen werden. © Montage Berkel
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„Wir kommen mit der Sache Rahmenplan Ortsmitte auf die Zielgrade“, sagte Raesfelds Bürgermeister Martin Tesing. Am Montag (29. August) stellten Ortsplanerin Sonja Pack-Hast (Büro WoltersPartner) und Verkehrsplaner Harald Blanke (ambrosius blanke verkehr.infrastruktur) die (fast) abschließenden Pläne für Raesfelds Ortsmitte im Planungsausschuss vor.

Mit dem Prozess begann die Verwaltung vor gut einem Jahr. Pack-Hast stellte die Idee wie folgt vor: „Die Versorgungsfunktion vor Ort soll gestärkt, Wohnen nachhaltig, das Ortsbild gewahrt und der Klimawandel mitgestaltet werden.“ Zwei Bürgerversammlungen und einige interne Versammlungen später soll der Rahmenplan am 12. September im Gemeinderat beschlossen werden.

Das Zeitlimit ist wichtig, sagte Tesing. „Am 30. September muss der Rahmenplan der Bezirksregierung vorgelegt werden, sonst müssen wir ein Jahr warten“, so der Bürgermeister. Hintergrund ist die Frist für die Beantragung von Mitteln aus der Städtebauförderung des Landes NRW. Die läuft am 30. September aus.

„Haus Epping“

Das ehemalige „Haus Epping“ war früher ein zentraler Ort für gesellschaftliches Leben in Raesfeld. Dort soll zukünftig ein Haus entstehen, das Einzelhandel und Wohnen integrieren kann. Auch ein kleines Café im Erdgeschoss sei eine Möglichkeit, sagte Planerin Pack-Hast. Die 30 Parkplätze rund um das Gelände sollen abgebaut werden. Dafür sollen 24 neue Parkplätze am Kirchplatz entstehen.

Dort, wo heute das ehemalige
Dort, wo heute das ehemalige „Haus Epping“ steht, soll laut Rahmenplan ein Gebäude für Einzelhandel und Wohnen entstehen. © Berthold Fehmer

Pfarrheim/Bürgerhaus

Der Neubau des Pfarrheims schreitet in den Planungen voran. Wunsch vieler Bürger sei es gewesen, auf dem Gelände des ehemaligen „Haus Epping“ einen Ort für Veranstaltungen zu errichten. Wie früher. Planerin Pack-Hast sieht das skeptisch. „Für einen Ort wie Raesfeld ist es nicht nachhaltig, wenn man an zwei Standorten ein Haus mit gleicher Nutzungskulisse entwickelt.“

Deswegen solle das Pfarrheim die Aufgaben eines Bürgerhauses übernehmen und allen offenstehen. Das Wort Bürgerhaus werde allerdings nicht im Rahmenplan vorkommen, auf Wunsch vieler Bürger. Martin Tesing versprach: „Wir werden einen anderen Namen für den Ort finden.“

Rund um den Kirchplatz soll ein Ort des Zusammenseins entstehen. Die Parkplätze sollen nur noch über die Borkener Straße zu erreichen sein. Laut Pack-Hast soll so die Gastronomie gestärkt und Aufenthaltsqualität geschaffen werden.

Die Pläne für den Kirchring sehen einen etwas kleineren Parkplatz und eine Mobilstation, vielleicht auch ein Carsharing, vor.
Die Pläne für den Kirchring sehen einen etwas kleineren Parkplatz und eine Mobilstation, vielleicht auch ein Carsharing, vor. © WoltersPartner

Froschbrunnenplatz

Der Froschbrunnenplatz sei immer wieder ein strittiges Thema gewesen, sagte Pack-Hast. „Entweder waren Sie dafür, die Stellplätze zu erhalten, oder Sie waren dafür, sie wegzunehmen.“ Deshalb habe sich das Planungsbüro für einen Kompromiss entschieden: Im südlichen Teil sollen die Stellplätze erhalten bleiben. Im nördlichen Teil sollen sie wegfallen. Langfristig könne die Gemeinde dann schauen, ob die Stellplätze benötigt werden.

Die vielen parkenden Autos auf dem Froschbrunnenplatz, der „guten Stube
Auf dem Froschbrunnenplatz, der „guten Stube“ Raesfelds, sollen einige Parkplätze aufgegeben werden. © Berthold Fehmer

Viele Parkplätze werden nicht genutzt

In zwei Erhebungen hat das Verkehrsplanungsbüro Blanke herausgefunden, dass gut 30 Prozent der Stellplätze zu Spitzenzeiten nicht genutzt werden. Es gebe Flächen, die ausgelastet sind und andere, die gar nicht oder nur wenig genutzt werden.

„Warum nicht jetzt Parkplätze zurücknehmen?“

Henry Tünte, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Gemeinderat Raesfeld

Weil der Wunsch vieler Menschen in den Bürgerversammlungen aber gewesen sei, die Anzahl der Parkplätze zu erhalten, sollen zwar gewisse Parkräume wie am Froschbrunnenplatz oder am „Haus Epping“ gestrichen, an anderen Stellen aber neue hinzugefügt werden. „Am Ende hätten wir eine ausgeglichene Bilanz. Der Rahmenplan sagt einen Stellplatz weniger als der Status quo“, so Pack-Hast.

Kritik äußerten die Grünen. Fraktionsvorsitzender Henry Tünte: „Aus meiner Sicht ist es unlogisch“, Parkplätze nicht abzubauen, wenn sie nur zu 70 Prozent ausgelastet seien. Er fragte: „Warum nicht jetzt Parkplätze zurücknehmen? Eine maßvolle Rücknahme an Parkplätzen wäre möglich.“ Die freie Fläche könnte man für Grünflächen und Klimaschutz nutzen.

Planerin Pack-Hast: „Die Raesfelder wollen die Stellplätze.“ Das sei aus den Bürgerversammlungen hervorgegangen. „Ein Rahmenplan funktioniert dann besonders gut, wenn die Bürger ihn unterstützen.“ Deshalb habe man sich für dieses Modell entschieden. Der Rahmenplan biete die Möglichkeit, es in ein paar Jahren zu ändern und Stellplätze abzubauen.

Dietmar von Berswordt (CDU) dagegen war eher verwundert über die Auslastung von „nur 70 Prozent“. „Parkraum ist ein zentraler Punkt für uns Bürger. Ich finde wichtig, erstmal verhalten an die Sache heranzugehen.“

Klimaschutz, Verkehr und Wohnen

Da es im Ortskern viel versiegelte Fläche gibt, empfiehlt das Planungsbüro auf dem Rathaus-Parkplatz 1,50 Meter breite Grünstreifen mit Bäumen, die gegen die Aufheizung im Sommer wirken sollen. Bei größeren Parkplätzen mit mindestens 30 Stellplätzen könne auch über Parkplatzdächer mit Photovoltaik-Anlagen nachgedacht werden.

Rot markiert sind in der Karte vom Raesfelder Ortskern die Punkte, zu denen die Planer von WoltersPartner eine Nutzungsidee entwickelt haben.
Rot markiert sind in der Karte vom Raesfelder Ortskern die Punkte, zu denen die Planer von WoltersPartner nun gern mit den Bürgern ins Gespräch kommen würden. © WoltersPartner

Ebenfalls positiv auf den Klimaschutz würde sich eine Temporeduzierung von 50 auf 30 für den Kfz-Verkehr auswirken. Die hätte den zusätzlichen Vorteil, dass die Sicherheit für Fußgänger gestärkt werden würde. Harald Blanke: „Bei einer Reduzierung der Kfz-Geschwindigkeit von 50 auf 30 km/h kann auf Maßnahmen für gesicherte Fußgängerquerungen verzichtet werden.“

Ein Ziel könnte es zudem sein, Wohnraum zu verdichten. „Das hilft dem Klimaschutz“, sagte Pack-Hast. „Überall, wo Menschen nah im Ortskern wohnen, müssen sie nicht mit dem Pkw fahren.“

Zeitplan

Am 12. September soll der Plan im Rat verabschiedet werden. Änderungen sind im Detail noch möglich, aber unwahrscheinlich. Bis die Förderung bewilligt wird, vergeht wohl ungefähr ein halbes Jahr. Mit der Umsetzung könnte frühestens 2023 gestartet werden. Nach spätestens zehn Jahren soll der Rahmenplan evaluiert werden.

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