Raesfelder promotet boxenden Bruder

Mergiem Sherifi

Seit gut einem Jahr verfolgt der Raesfelder Mergiem Sherifi das Treiben seines großen Bruders Arijan Sherifi in der Berliner Boxerszene. Der 26-Jährige will in diesem Jahr die Europameisterschaft gewinnen.

RAESFELD

, 29.04.2015, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Am liebsten möchte mein Bruder gleich gegen einen Weltmeister boxen, denn Angst vor irgendeinem Gegner hat er überhaupt nicht“, sagt Mergiem. Er hat die Promotion für seinen in der Hauptstadt lebenden Bruder übernommen. Die Familie Sherifi stammt ursprünglich aus einem kleinen Dorf im Kosovo. Vor mehr als 20 Jahren wanderte die Familie nach Deutschland aus. Zuerst war es das Übergangsheim in Raesfeld, wo die fünfköpfige Familie lebte. In Raesfeld fühlte sich die Familie „gut aufgenommen“, die Jungs fassten schnell Fuß. Früh stellte der Vater das Talent für Kampfsportarten bei seinem ältesten Sohn fest, der bereits mit sieben Jahren mit Karate anfing. Mit 14 wechselte Mergiem zum Kickboxen, mit 16 entschied er sich dann für den Boxsport in Dorsten und wechselte später zum VFB Hüls in Marl. Gleichzeitig machte der Sportler eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker.

"Keine Drogen, keine Schlägerei"

Der Vater unterstützte und ermutigte seinen Sohn, in allem, was er tat. „Wenn ihr was erreichen wollt, müsst ihr am Ball bleiben. Das bezog sich besonders auf meinen Bruder Arijan. Deshalb hat er ihn auch viermal die Woche zum Training nach Marl gefahren“, erinnert sich Mergiem. „Wichtig war ihm auch, dass wir Brüder immer zusammenhalten und ein Team sind. Er war nicht streng, hatte aber seine Prinzipien: keine Drogen, keine Schlägerei. Wir sollten uns immer von den Problemleuten zurückhalten“, so Mergiem. „Ich bin sehr stolz auf meinem Bruder und würde alles für ihn tun. Das Gleiche ist aber auch umgekehrt der Fall. Mein Bruder vergisst seine Familie nie, obwohl er nun in Berlin lebt“.

Auszeit mit Folgen 

Arijan Sherifis Weg ging nicht immer nur nach oben. Nachdem sich das junge Talent 2008 mit 19 Jahren den westdeutschen Titel im Schwergewicht beim Länderkampf für Deutschland sicherte, kam dann das plötzliche Aus. „Meine Mutter hatte einen Schlaganfall, sodass mein Bruder sich in der Zeit voll auf ihre Genesung konzentrierte“, so Mergiem. Die Auszeit blieb nicht ohne Folgen für den Boxer, denn als er gut ein Jahr später zurück in den Ring stieg, hatte er 28 Pfund zugenommen. Dennoch arbeitete Arijan hart für das Comeback. Er wollte seiner Familie beweisen, dass der Vater nicht umsonst all die Mühe auf sich genommen hatte. Und er schaffte es. „2011 und 2012 fightete er sich zur Deutschen Meisterschaft hoch. Profiställe sind danach auf ihn aufmerksam geworden“, erinnert sich Mergiem. Mittlerweile wird der Raesfelder von Otto Ramin trainiert, sein Manager ist Thomas Kappen, auch Berater von Henry Maske, der momentan die UEFA-Verträge und die anstehenden Olympischen Winterspiele für seinen Zögling regelt.

Filmauftritt

Mergiem lebt in Berlin in einer WG zusammen mit Schwergewichtboxer Erkan Teper und dem Dorstener Tobias Voss. Beide hatten sogar schon einen Filmauftritt in „Das verhängnisvolle Angebot“. Mittlerweile hat sich der Raesfelder auf den siebten Platz der deutschen Rangliste hochgeboxt. „Bis Ende des Jahres will mein Bruder unter den ersten Drei sein in Deutschland und ich denke, das kann er gut schaffen“, sagt Mergiem. Trotz allem Wirbel um seine Person hat Mergiem Sherifi die Familie nicht vergessen, und unterstützt unter anderem finanziell seinen Vater, der seine kranke Ehefrau zu Hause pflegt. 

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