Viele Missverständnisse rund um Corona-Tests und Quarantäne

Coronavirus

Nicht nur Infizierte, sondern auch Kontaktpersonen sind vom Coronavirus betroffen. Bei Tests, Quarantäne und Kontaktpersonen gibt es Missverständnisse, die der Kreis Borken aufklären will.

Raesfeld

, 10.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nicht immer wird bei Erkältungssymptomen gleich auf Corona getestet.

Nicht immer wird bei Erkältungssymptomen gleich auf Corona getestet. © picture alliance/dpa

Jede infizierte Person sowie unmittelbare Kontaktpersonen („Kontaktpersonen 1. Grades“) müssen auf Anordnung für 14 Tage in Quarantäne. „Deuten Hinweise auf ein Fortbestehen des Infektionsrisikos, wird die Quarantänezeit dann sogar noch verlängert“, so der Kreis Borken in einer Mitteilung. Das Kreisgesundheitsamt nehme bei Quarantäneentscheidungen immer eine auf den Einzelfall bezogene Risikoeinschätzung vor.

Wer sind „Kontaktpersonen 1. Grades“? Das hängt von der Enge des Kontakts zur infizierten Person ab. Maßstab sind Vorgaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) vor allem zum körperlichen Abstand (unter 1,50 Meter) und zur Dauer (länger als 15 Minuten). Entscheidend ist, ob bei dem Kontakt Masken getragen wurden. Und: War der Kontakt im Freien oder drinnen, und wie lange liegt er zurück?

Hinzu kommt für die Risikoeinschätzung des Gesundheitsamtes auch die Frage, ob Kontaktpersonen berufliche oder private Verbindungen zu sogenannten „vulnerablen Bereichen“, also beispielsweise zu Krankenhäusern oder Alten- bzw. Pflegeeinrichtungen, haben.

Familie ist nicht automatisch in Quarantäne

Was ist mit Kontaktpersonen von „Kontaktpersonen 1. Grades“? Für sie sei die Situation solange unproblematisch, wie die „Kontaktpersonen 1. Grades“ selbst nicht selbst infektiös werden, so der Kreis. Deshalb werde für die auch keine Quarantäne angeordnet. „Das wäre rechtlich auch schwierig, da es für solch einen Eingriff in persönliche Freiheitsrechte keine Rechtfertigung aus dem Infektionsschutz gibt“, so der Kreis.

Wenn der eine Teil der Familie als „Kontaktpersonen 1. Grades“ in Quarantäne geht, bedeutet dies für deren Familienmitglieder also nicht, dass sie auch in Quarantäne sind. In diesen Fällen empfiehlt das Gesundheitsamt dringend, dass sich die unter Quarantäne stehenden Familienmitglieder absondern, um andernfalls nicht auszuschließende Ansteckungen zu vermeiden.

Nicht immer wird auf Corona getestet

Viele Missverständnisse gibt es auch beim Thema Tests. Viele Menschen zeigen im Herbst typische Erkältungssymptome. „Werden sie schlimmer, sollten die Betroffenen ihre Hausarztpraxis kontaktieren“, so der Kreis. Ein Corona-Test werde in solchen Fällen nicht immer veranlasst, „auch wenn die Symptome dafür sich vielfach ähneln“.

Ausschlaggebend für die Entscheidung der Ärzte, ob ein Corona-Test notwendig ist, seien die Kriterien des Robert-Koch-Instituts. „Getestet werden danach Personen, die schwere, die Atemwege betreffende Symptome aufweisen, akute Bronchitis, Atemnot und Fieber beispielsweise, deren Geruchs- und Geschmackssinn gestört ist oder deren Zustand sich nach anhaltenden akuten Symptomen verschlechtert.“

Auch wer Symptome zeige und enge Kontaktperson eines bestätigten Infektionsfalles ist, solle einen Abstrich machen, so der Kreis. Zudem „sollten Menschen getestet werden, die zur Risikogruppe gehören, im medizinischen oder pflegerischen Bereich arbeiten oder etwa während der Symptomatik Kontakt zu vielen Personen oder insbesondere Risikopatienten haben.“

Wenn diese Kriterien nicht zuträfen, aber Erkältungssymptome registriert werden, „sollten sich die Betroffenen am besten für mehrere Tage in häusliche Isolierung begeben und in jedem Fall Kontakte vermeiden“, so der Kreis.

In diesen Fällen veranlasst das Gesundheitsamt Tests

Das Kreisgesundheitsamt veranlasst Tests „von Amtswegen“ zur Klärung besonders sensibler Situationen, etwa wenn ein enger Familienangehöriger in der Pflege tätig ist. Außerdem zur Verfolgung potenzieller Infektionsketten in Schulen, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen sowie beim Übergang in Pflegesituationen.

Sowohl Kreis als auch Hausarztpraxen werden tätig bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten (frühestens ab fünften Tag nach Einreise) sowie in den Fällen, wenn die Corona-Warn-App anschlägt.

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