Der 36-jährige Angeklagte soll zwei Kinder ausgeraubt haben. Im Prozess am Dortmunder Landgericht schiebt er alles auf die Drogen. © Jörn Hartwich
Prozess am Landgericht

36-Jähriger raubt zwei Kinder aus: Plötzlich blitzte eine Messerklinge auf

Ein 36 Jahre alter Mann hat in Hamm zwei Kinder ausgeraubt. Dabei war auch ein Messer im Einsatz. Jetzt steht er in Dortmund vor Gericht – und schiebt alles auf die Drogen.

Das muss ein echter Albtraum gewesen sein: Vor knapp sechs Monaten wurden in Hamm zwei Kinder mit einem Messer bedroht und ausgeraubt. Der Täter ist 36, ein bulliger Typ, mit dem man sich lieber nicht anlegen möchte. Und als Kind schon mal gar nicht. Seit Montag steht er in Dortmund vor Gericht.

Es war der Nachmittag des 4. Februar 2021, als der Angeklagte im Kurpark in Hamm auf zwei Brüder zulief. Die damals zehn und zwölf Jahre alten Jungen waren joggen, wollten sich auf einer Parkbank ein bisschen ausruhen. Der 36-Jährige fragte nach der Uhrzeit, riss dem Zehnjährigen dann blitzschnell dessen Handy aus der Hand. Gleichzeitig blitzte die Klinge eines Messers auf.

Die Jungen hatten Todesangst

Nun musste auch der ältere der beiden Brüder sein Mobiltelefon rausrücken. An Widerstand war nicht zu denken. „Die Jungs hatten Todesangst“, sagte der Vater am Rande des Prozesses. Der Überfall habe seine Söhne richtig mitgenommen. Trotz des Schocks haben die Brüder jedoch alles richtig gemacht. Sie liefen zu einem Spaziergänger, der rief sofort die Polizei.

Der Angeklagte war zwar längst verschwunden, doch eines der beiden Handys konnte mithilfe der Mutter geortet werden. Die Festnahme erfolgte kurze Zeit später.

Zum Prozessauftakt hat der 36-Jährige die Tat weitgehend gestanden. Er habe die Handys verkaufen wollen, um Drogen zu besorgen, sagte er den Richtern. Auch den Einsatz des Messers wollte er nicht bestreiten. Nach seiner Schilderung habe es sich jedoch um ein Klappmesser gehandelt – mit eingeklappter Klinge. Genau das haben die beiden Schüler jedoch komplett anders gesehen.

Zum Zeitpunkt der Tat war der Angeklagte gerade zwei Monate wieder auf freiem Fuß. Davor hatte er eine dreieinhalbjährige Haftstrafe abgesessen. Auch früher war er schon mal im Gefängnis.

Richter prüfen Sicherungsverwahrung

Die Richter am Dortmunder Landgericht müssen deshalb prüfen, ob neben der Verhängung einer neuen Strafe auch die anschließende und zeitlich unbefristete Sicherungserwahrung angeordnet werden muss – zum Schutz der Allgemeinheit.

Der Angeklagte selbst schiebt vor Gericht alles auf die Drogen. „Eigentlich mache ich sowas nicht“, sagte er den Richtern. „Ich liebe Kinder.“

Vor rund sieben Jahren ist er von Marokko über Spanien nach Deutschland gekommen. Dass er seinen Drogenkonsum mit Diebstählen finanziert, hat er vor Gericht unumwunden zugegeben. Sein Kommentar: „Was soll ich machen – ohne Arbeit und Geld?“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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Gerichtsreporter

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