Kriminalität

Brutale Rache: Schwiegersohn hilft erpressten Schwiegermutter – jetzt steht er vor Gericht

Eine verheiratete Frau aus Essen wurde nach einer Affäre erpresst. Weil sie aus Scham nicht zur Polizei wollte, übernahm ihr Schwiegersohn in spe. Jetzt steht er mit drei anderen vor Gericht.
Das Foto zeigt einen der vier Angeklagten.
Das Foto zeigt einen der vier Angeklagten. © Jörn Hartwich

Die Männer waren maskiert und kamen mit Baseballschlägern, einer Schreckschusspistole und Eisenstangen: Vor knapp einem Jahr wurde in Essen ein Mann in seinem Auto fürchterlich zugerichtet. Seit Dienstag stehen die mutmaßlichen Täter vor Gericht. Hintergrund der Tat ist offenbar ein hässlicher Erpressungsfall.

Heimlicher Internet-Chat

Alles begann mit einem heimlichen Internet-Chat. Eine verheiratete und in ihrer Ehe unglückliche Frau aus Essen nimmt Kontakt zu einer Person auf, die sich erst als Frau ausgibt, später aber dann doch ihre wahre Identität offenbart. Die beiden kommen sich näher, es kommt zu ersten Treffen, die dann offenbar auch intim werden.

Was als „Abenteuer“ begann, soll sich für die Frau jedoch schnell in einem Albtraum verwandelt haben. Laut Anklage wurde sie von ihrem heimlichen Bekannten plötzlich mit Fotos erpresst.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie auch tatsächlich 1000 Euro gezahlt, den USB-Stick mit den vermeintlich intimen Fotos aber trotzdem nicht erhalten hat. Denn der mutmaßliche Erpresser wollte mehr, forderte weitere 500 Euro und ein weiteres sexuelles Treffen.

Verlobter der Tochter nahm die Sache selbst in die Hand

In ihrer Not – und um ihre Ehe nicht zu gefährden – weihte sie schließlich ihre Tochter ein. Die informierte ihren Verlobten. Der nahm die Sache in die Hand und steht nun vor Gericht – zusammen mit drei mutmaßlichen Mittätern.

Bei der geplanten weiteren Geldübergabe im April 2021 sollen einige von ihnen immer wieder auf das spätere Opfer eingeschlagen und auch dessen Auto demoliert haben. Außerdem soll mit einer Schreckschusspistole in den Innenraum des Wagens geschossen worden sein, in dem der mutmaßliche Erpresser noch hinter dem Steuer saß.

Angeklagter: „Wollte eine Frau schützen“

Zum Prozessauftakt am Essener Landgericht legte der Schwiegersohn in spe ein Geständnis ab, bedauerte aber immer wieder, dass es überhaupt so weit gekommen sei.

„Ich wollte eine Frau vor Erpressung und Vergewaltigung schützten“, hieß es in einer von seiner Verteidigerin verlesenen Erklärung. „Ich bedauere meine Reaktion.“

Er habe seiner Verlobten sogar mehrfach geraten, die Polizei einzuschalten. Das habe seine Schwiegermutter in spe aus Angst und Scham aber nicht gewollt. Sie habe sogar Suizidgedanken geäußert.

Opfer schwebte in potenzieller Lebensgefahr

Geplant sei eigentlich nur eine Art Bedrohung gewesen. Er habe dem „skrupellosen Verbrecher“ zeigen wollen, dass er es nicht allein mit einer „völlig verängstigten Frau“ zu tun habe. Am Ende sei die Situation jedoch leider eskaliert.

Das Opfer hatte damals schwere Kopfverletzungen erlitten. In der Anklage ist von potenzieller Lebensgefahr die Rede. Wie am Rande des Prozesses zu erfahren war, läuft gegen den Mann auch ein Strafverfahren – wegen Erpressung und sexueller Nötigung.

Für den Prozess haben die Richter der 25. Strafkammer am Essener Landgericht zunächst noch zwei Verhandlungstage bis zum 6. April vorgesehen.

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.