Arbeit

Das Zuhause wird zum Arbeitsplatz: Fluch und Segen der Arbeit im Homeoffice

Die Pandemie hat zahlreiche Beschäftigte aus den Büros ins Homeoffice getrieben. Laut einer Umfrage fühlen sich viele Beschäftigte pudelwohl damit. Doch es gibt auch gravierende Nachteile.
Die Corona-Pandemie hat zahlreiche Beschäftigte aus den Büros ins Homeoffice getrieben.
Die Corona-Pandemie hat zahlreiche Beschäftigte aus den Büros ins Homeoffice getrieben. © picture alliance/dpa

Die Corona-Pandemie hat dem bei Chefs lange wenig beliebten Home-Office einen gewaltigen Schub verliehen. Nach einer aktuellen Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit hat sich der Anteil der Menschen, die ihre Büroarbeit von zu Hause erledigen, während der Pandemie verdreifacht.

Laut der Umfrage unter 1.000 Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen können sich inzwischen mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Befragten vorstellen, auch in Zukunft mindestens die Hälfte der Zeit von zu Hause aus zu arbeiten. Zum 1. Juli endet mit den sinkenden Infektionszahlen die in der Corona-Arbeitsschutzverordnung festgelegte Homeoffice-Pflicht.

Viele Unternehmen sind mit Vorbereitungen zum Homeoffice bereits sehr weit

Fortsetzung oder nicht? Viele Unternehmen haben diese Frage längst beantwortet und mit Betriebsvereinbarungen oder anderen Regelungen den Weg für dauerhaft mehr Homeoffice freigemacht. Das freut viele Mitarbeiter. Nicht völlig unerheblich dürfte daneben die Hoffnung mancher Geschäftsführungen sein, mittelfristig teuren Büroraum abzubauen.

In einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) für das Ruhrgebiet wurden fast 600 Personalleitungen aller Branchen befragt. Ergebnis: Der Anteil der Homeoffice-Mitarbeiter an der Gesamtbelegschaft werde sich voraussichtlich auf etwa 20 Prozent verdoppeln. Zudem würden diese künftig im Schnitt statt 1,4 rund 2 Tage pro Woche zu Hause arbeiten. Besonders beliebte Tage für die Arbeit von zu Hause aus seien Montag, Donnerstag und Freitag.

Die meisten der befragten Unternehmen seien mit den innerbetrieblichen Vorbereitungen zum Homeoffice bereits sehr weit, sagte der Studienleiter Jörn Richert vom Berliner Beratungsunternehmen Mobility Institute Berlin. Rund 80 Prozent hätten angegeben, dass sie die nötigen Vereinbarungen bis Ende 2021 abschließen wollten.

Ein Kernargument fürs Homeoffice steckt in seinem Namen: Das Zuhause wird zum Arbeitsplatz – und der Weg dahin entfällt. Keine nervigen A3-Staus mehr oder endloses Stehen in der Überfüllten S-Bahn. 74 Prozent der Befragten in der DAK-Studie loben den Zeitgewinn, weil der Weg zur Arbeit wegfällt. Noch mehr freuen sich über die damit verbundene bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie (85 Prozent).

Homeoffice hat auch Nachteile

Allerdings zeigen sich bei näherer Betrachtung die Nachteile: Bei einer Befragung im Februar 2021 – also mit fast einem Jahr Pandemie-Erfahrung – sagten 78 Prozent, dass ihnen der direkte Kontakt zu den Kollegen fehle und dass im Homeoffice die klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben vielfach unmöglich werde. Der Arbeitsalltag werde schwerer, wenn parallel zur Arbeit auch Kinder zu betreuen seien.

Bürogerechte Kleidung ist seit Beginn des Massen-Homeoffice kaum mehr ein Thema – oder wenn, dann nur so weit der Ausschnitt der Computer-Kamera reicht. Verbeulte Jogginghosen unter dem Tisch und nur im Blickfeld Hemd und Krawatte – das gefällt aber nicht allen: Immerhin 20 Prozent gaben in der DAK-Studie an, dass sie, auch wenn es nicht nötig wäre, bewusst Kleidung anziehen, die sie auch im Büro tragen würden.

Fachlich sehen 85 Prozent der für die Studie befragten Männer und Frauen im Homeoffice keine Nachteile: Sie meinten, dass sich grundsätzlich dafür geeignete Aufgaben hier genauso gut erledigen ließen wie am normalen Arbeitsplatz in der Firma. Sechs von zehn Teilnehmern empfänden sich sogar als produktiver und nähmen die Arbeit angenehmer wahr als im Büro, berichtete die DAK.

„Homeoffice macht viele Menschen zu Bewegungsmuffeln“

Allerdings: Aufstehen, rumlaufen, einmal zum Kaffeeautomaten – all das entfällt offensichtlich zu Hause oft. Bewegungsmangel und Gewichtszunahme seien mögliche Begleiterscheinungen des Homeoffice, sagt der Chef der Landesvertretung der DAK-Gesundheit in NRW, Klaus Overdiek. „Das Homeoffice macht viele Menschen zu Bewegungsmuffeln.“

Einen weiteren Nachteil spüren die Verkehrsunternehmen: Mehr Homeoffice bedeutet dauerhaft weniger Berufspendler. Beim VRR hätten 15 Prozent der Monatskarten- und Abonnementkunden in der Corona-Zeit gekündigt, sagte VRR-Vorstand José Luis Castrillo am Dienstag.

dpa

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