Die 51-Jährige befindet sich weiter auf freien Fuß. © Jörn Hartwich
Landgericht Bochum

Eigenes Kind betäubt und missbraucht: „Sie hat ihre Tochter selbst ins Spiel gebracht“

Eine 51-jährige Frau soll ihre 18-jährige Tochter mit Schlafmitteln betäubt haben – für einen Missbrauch mit einem Briefzusteller aus Datteln.

Eine 51-jährige Mutter soll vor etwas über sieben Jahren ihre eigene Tochter mit schweren Schlafmitteln betäubt haben – für einen sexuellen Missbrauch mit einem Chatpartner aus Datteln. Seit Freitag beschäftigt der Fall das Bochumer Landgericht.

Die Tochter war 18, als ihre Mutter mit ihr im Auto nach Datteln fuhr. Zu einem Briefzusteller, der vom Bochumer Landgericht im April vergangenen Jahres bereits zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist. Er hatte in seiner Wohnung mindestens sieben Mädchen und zwei Frauen betäubt, missbraucht und dabei auch noch gefilmt.

Knock-Out im Schlafzimmer

Eine dieser Frauen soll die Tochter der nun Angeklagten aus Anröchte gewesen sein. Laut Anklage war es auch die Mutter, die der 18-Jährigen drei Schlaftabletten in den Kaffee getan hat, um sie außer Gefecht zu setzen. Die Nebenwirkungen sollen jedoch so stark gewesen sein, dass sich die junge Frau übergeben musste. Trotzdem sollen die Angeklagte und der Briefzusteller nicht von ihrem Vorhaben abgelassen haben. Im Schlafzimmer wurden der 18-Jährigen weitere Tabletten verabreicht. Laut Anklage mit dem Hinweis, dass es sich um ein Magenmedikament handele. Das führte angeblich endgültig zum Knock-Out.

Tochter wohnt noch bei ihr

Anschließend soll die Mutter ihre Tochter ausgezogen und sich gemeinsam mit dem Dattelner an ihr vergangen haben. Diesen Teil der Anklage, der sich im Schlafzimmer abgespielt hat, hat die 51-Jährige auch schon gestanden. Einen weiteren Missbrauch nach ähnlichem Muster an einem anderen Tag bestreitet sie.

Was seltsam ist: Nach ihren Angaben am ersten Verhandlungstag wohnt ihre Tochter auch heute noch bei ihr. „Sie unterstützt mich auch finanziell“, so die Angeklagte.

51-Jährige weiterhin auf freiem Fuß

Den heute 56-Jährigen aus Datteln hatte sie über ein Internet-Portal kennen gelernt. „Wir haben erst gechattet, dann telefoniert, dann haben wir uns getroffen“, so der Dattelner, der für seine Zeugenaussage vom Bochumer Gefängnis ins Landgericht gebracht worden war. Als das Gespräch irgendwann auf jüngere Frauen gekommen sei, um ihn besser zu stimulieren, wäre die Angeklagte nicht abgeneigt gewesen. „Sie hat ihre Tochter selbst ins Spiel gebracht“, so der bereits Verurteilte. Auch was danach passiert sie, sei alles abgesprochen gewesen. „Sie hat ihr auch die Tabletten in den Kaffee getan.“

Die Angeklagte selbst will sich erst am nächsten Verhandlungstag detailliert zu den Vorwürfen äußern. Ihre Tochter soll ebenfalls erst später als Zeugin vernommen werden. Die 51-Jährige befindet sich weiter auf freien Fuß.

Jörn Hartwich

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Gerichtsreporter

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