Erdwärme im Münsterland: Für Geologen sind Bedingungen „Luxus“ – Ganze Fernwärmenetze möglich

In ganz Deutschland werden derzeit Erdwärme-Projekte vorangetrieben. © picture alliance/dpa/Archiv
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Für die Nutzung klimafreundlicher Erdwärme kommen im Münsterland nach Angaben des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen mehrere Gesteinsschichten in Frage. „Das ist ein Luxus, dass eine Region auf drei Kalksteinhorizonte zugreifen kann“, sagte Projektleiter Ingo Schäfer am Montag (26.9.) zu den Ergebnissen der seismischen Messungen im Münsterland. Sie wurden im Herbst vergangenen Jahres mit speziellen Messfahrzeugen vorgenommen.

Nach seinen Angaben ist in einer Tiefe von etwa 1200 bis 1500 Meter in einer Kalksteinschicht Wasser mit etwa 40 bis 50 Grad zu erwarten. „Sicher ist, dass die Temperatur da ist. Nicht sicher ist, wie viel Wasser rauskommt“, erläuterte Schäfer. Ein solche Temperatur könnte ausreichen, um etwa ein neues Wohnquartier mit Wärme zu versorgen.

Wirtschaftsministerin Neubaur: „Unabhängiger von fossilen Energielieferungen“

„Der Untergrund von Nordrhein-Westfalen birgt ein nahezu unerschöpfliches Wärmepotenzial“, erklärt der Geologische Dienst NRW. Daher habe der nordrhein-westfälische Landtag 2019 beschlossen, den Einsatz der Geothermie zu fördern, um die Wärmepotenziale des Landes optimal zu nutzen. Bohrungen und Untersuchungen haben etwa auch im Rheinland stattgefunden.

„Tiefengeothermie kann in Zukunft ein wichtiger Pfeiler einer klimaneutralen Wärmeversorgung in Nordrhein-Westfalen werden. Das macht uns unabhängiger von fossilen Energielieferungen“, erklärte Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur. „Die heute vom Geologischen Dienst vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass sich die Erkundung gelohnt hat.“

Versorgung eines ganzen Fernwärmenetzes aus 5000 Metern Tiefe

Für die Versorgung eines ganzes Fernwärmenetzes wäre etwa die Schicht in 4500 bis 5000 Meter geeignet. „Da kommen ganz andere Temperaturen raus“, erklärte Ingo Schäfer. Dort seien etwa 130 bis 160 Grad zu erwarten. Bei der tiefsten der drei Kalksteinschichten in etwa 6000 bis 6500 Meter Tiefe dürften Temperaturen von etwa 180 bis 200 Grad vorhanden sein. Das Wasser sei trotz einer solch hohen Temperatur in dieser Tiefe durch den immensen Druck immer noch flüssig.

Weitere Bohrungen im Münsterland können Standorte erkunden

„Wir wissen jetzt, wo sich die Rosinen im Kuchen befinden“, erklärte der Projektleiter. Mit weiteren schachbrettartigen Messungen oder Bohrungen könnten konkrete Standorte im Münsterland näher erkundet werden.

Bei der hydrothermalen Tiefengeothermie wird heißes Wasser mit einer Bohrung aus einer wasserführenden Schicht an die Erdoberfläche gefördert. Das heiße Wasser gibt die Wärme über einen Wärmetauscher an ein Wärmenetz ab. Über eine zweite Bohrung fließe das abgekühlte Wasser zurück in die wasserführende Schicht.

kar/dpa

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