Frauenrechte

Fälle von Zwangsheirat in NRW sprunghaft angestiegen

Die Zahl der Zwangsheiraten ist 2020 in NRW sprunghaft angestiegen. Die Polizei registrierte 86 Prozent mehr Fälle als 2019. In der Realität dürften es aber noch viel mehr sein.
Ein Plakat mit der Aufschrift «Sommer, Sonne, Zwangsheirat» hängt an einem Gebäude. Die Zahlen der Zwangsheiraten sind in NRW sprunghaft gestiegen. © Rolf Vennenbernd/dpa

Die Zahl der von der Polizei erfassten Fälle von Zwangsheirat ist in Nordrhein-Westfalen sprunghaft gestiegen. Nach 14 Fällen im Vorjahr registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 26 Fälle – das entspricht einem Anstieg von fast 86 Prozent. Experten gehen zudem von einem großen Dunkelfeld aus. Die landesweiten Fachberatungsstellen beraten im Jahr rund 250 Menschen, die zwangsverheiratet werden sollen.

Mit der Ferienzeit und der Rückkehr der Reisefreiheit könnte eine Welle von Zwangsverheiratungen im Ausland bevorstehen. „Wir sind in Sorge“, sagte NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) am Dienstag. „Bei einigen endet der Urlaub in einer Zwangsehe. Das ist zutiefst menschenverachtend.“

Land startet Kampagne gegen Zwangsheirat

Deswegen startete die Landesregierung am Dienstag eine Kampagne gegen die Zwangsheirat in 23 Städten mit 1700 Plakaten, einem TV-Spot im Fahrgast-Fernsehen des Öffentlichen Nahverkehrs und Auftritten in den sozialen Medien.

Von Zwangsheirat betroffen seien in 90 Prozent der Fälle Mädchen und junge Frauen. Ihnen werde die eigene Lebensplanung zunichte gemacht, oft sogar die Rückkehr nach Deutschland in Schule, Beruf oder Studium verwehrt.

dpa

urn:newsml:dpa.com:20090101:210615-99-999399/2

Haltern am Abend

Täglich um 19:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt