Vor dem Essener Landgericht muss sich ein 21-Jähriger wegen dreifacher Vergewaltigung verantworten. © Werner von Braunschweig
Landgericht Essen

„Film das!“: 21-Jähriger soll Ex-Freundin zum Sex gezwungen haben

Schwere Vorwürfe gegen einen jungen Mann aus Marl: Die Staatsanwalt wirft dem 21-Jährigen vor, seine Ex-Freundin mehrfach vergewaltigt zu haben. Die Anklage schildert demütigende Szenen.

Die Anklage spricht von erpressten sexuellen Handlungen vor der Handykamera, der Angeklagte hüllt sich in Schweigen: Weil er seine frühere Freundin (20) dreimal vergewaltigt haben soll, muss sich ein 21-jähriger Mann aus Marl seit Freitag vor dem Essener Landgericht verantworten.

Das mutmaßliche Opfer schilderte beim Prozessauftakt erniedrigende Szenen – der zappelig und aufgekratzt wirkende Angeklagte gestikulierte währenddessen immer wieder wild mit seinen Armen.

Bei Schlägen platzte das Trommelfell

Vergewaltigung, Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand: Vor der 24. Strafkammer geht es insgesamt um sieben Anklagepunkte. Am schwersten wiegen drei mutmaßliche Vergewaltigungen von 2018 bis 2020.

Darüber hinaus soll der Marler seiner Ex-Freundin während der Beziehung auch zweimal so heftig mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben, dass laut Anklage in einem Fall sogar das Trommelfell gerissen ist. Außerdem soll der 21-Jährige seine Ex-Freundin via E-Mail verunglimpft sowie mehrere Polizisten angepöbelt haben, als diese ihn nach Lack-Kritzeleien an einer Bushaltestelle kontrollieren wollten.

„Er hat aber gesagt, er macht sonst Schluss“

„Am Anfang war noch alles gut“, erinnerte sich die Ex-Freundin des Angeklagten. „Er war liebevoll, freundlich und nett.“ Doch im Laufe der Zeit habe der 21-Jährige dann auch seine „aggressivere Seite“ gezeigt. An die drei in der Anklageschrift geschilderten Vergewaltigungs-Situationen hat die Auszubildende nach eigenen Angaben nur noch teilweise Erinnerungen. „Vieles habe ich im Laufe der Monate wohl auch versucht, zu verdrängen“, sagte sie den Essener Richtern.

Beim ersten Mal habe sie sich „massiv unter Druck gesetzt gefühlt“, zu machen, was der Angeklagte von ihr im Befehlston verlangt habe. Und zwar obwohl sie vorher mehrmals „Nein“ gesagt habe. „Er hat aber gesagt, er macht sonst Schluss. Und das wollte ich aber nicht, weil ich ihn damals geliebt habe.“

Beim zweiten Mal, so die Zeugin, habe der 21-Jährige ihr während der sexuellen Handlungen sogar ihr Handy in die Hand gedrückt und sie aufgefordert: „Film das!“ Auch hier habe sie zuvor bereits „Nein“ gesagt gehabt. Die 20-Jährige: „Ich weiß noch, dass ich dann beim Aufnehmen des Videos geweint habe.“ Der dritte Vergewaltigungs-Vorfall soll sich in der Silvesternacht 2018/2019 ereignet haben. Laut Anklage soll der Marler seine Ex-Freundin aus dem Schlaf gerissen und sexuell über sie hergefallen sein.

Der 21-Jährige will sich nach Angaben seines Verteidigers Christan Reiff vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern. „Bei der Bekanntgabe seiner Personalien hatte der Marler spontan davon gesprochen, dass er „leider immer wieder in die Drogenspule“ zurückfalle. Urteil: voraussichtlich frühestens am 3. November.

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