Gaspreis-Bremse hilft nicht überall in NRW Interaktive Karte zeigt Daten für 74 Städte

Redakteur
Mit einem Streichholz wird die Flamme eines Gasherdes entzündet.
Ab Januar soll der Gaspreis für Verbraucher bei 12 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt werden, zumindest für 80 Prozent des Verbrauchs. Allerdings liegt der Preis in einigen Städten aktuell noch unter 12 Cent, so dass die Gaspreis-Bremse nicht hilft. Zudem muss man genau hinschauen, welches Angebot jetzt wirklich besser ist. Der erste Blick kann täuschen. © picture alliance / dpa
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Die Gaspreis-Bremse sollte ursprünglich erst im März kommen. Seit Dienstag (22. November) ist klar: Sie wird bereits ab Januar greifen, auch wenn der Erstattungs-Betrag erst im März überwiesen wird.

Mit dieser Regelung wird die heftig kritisierte „Winter-Lücke“ geschlossen, die sich für Januar und Februar aufgetan hätte, denn: Im Dezember übernimmt der Staat einmalig die Abschlagszahlung für Gas und Fernwärme, ab März sollte dann die Gaspreis-Bremse die Kosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher dämpfen.

Jetzt also wird bereits im Januar gedämpft. Vorgesehen ist folgende Regelung: Für 80 Prozent des Verbrauchs sollen Privathaushalte nicht mehr als 12 Cent pro Kilowattstunde Gas bezahlen müssen, den Rest trägt der Staat.

Das heißt: Verbraucher, bei denen der aktuelle Gaspreis – etwa wegen eines älteren Vertrages, bei dem noch eine längere Laufzeit vereinbart worden ist – noch unter 12 Cent pro Kilowattstunde liegt, werden von dieser Gaspreis-Bremse nicht profitieren.

Rechenbeispiel für eine Musterwohnung mit 100 Quadratmetern

Daraus ergibt sich die Frage: In welcher Stadt würden nach derzeitigem Stand Menschen von der Gaspreis-Bremse profitieren? Wir haben uns dazu die Daten von 74 stichprobenartig ausgewählten Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen angesehen. Zugrunde gelegt haben wir dabei eine 100-Quadratmeter-Wohnung, für die wir einen durchschnittlichen Jahresverbrauch von 12.000 Kilowattstunden angesetzt haben.

Dann haben wir uns zwei Modelle angeschaut: Zum einen den Grundversorgungs-Tarif des örtlichen Grundversorgers. Das ist der Standard-Tarif, in den man automatisch fällt, sofern man keine andere Vertragsoption beim Grundversorger oder einem anderen Anbieter wählt.

Zum anderen haben wir mit Hilfe des Vergleichsportals Verivox nach dem günstigsten Tarif eines Alternativversorgers geschaut, der in dem jeweiligen Ort angeboten wird. Dabei haben wir ausschließlich solche Verträge berücksichtigt, die eine Laufzeitbindung von mindestens einem Jahr haben.

Grenze von 12 Cent wird nur in 14 Städten unterschritten

In dem von uns aufgeführten monatlichen Gesamtpreis haben wir die von vielen Anbietern gewährten Neukunden- und Sofortboni mit eingerechnet und beim Preis pro Monat berücksichtigt. Die logische Folge: Der aufgeführte Gesamtpreis gilt nur für das erste Jahr, denn im zweiten Jahr werden keine Boni gewährt.

In den von uns untersuchten 74 Städten und Gemeinden wird die Preisgrenze von 12 Cent pro Kilowattstunde von den jeweiligen Grundversorgern nur in 14 Fällen unterschritten. In 60 Fällen liegt der Preis pro Kilowattstunde dagegen oberhalb dieser Grenze. Das heißt: In diesen 60 Fällen gäbe es einen staatlichen Zuschuss zu den Gaskosten.

Bei den alternativen Gas-Anbietern ist das Bild noch eindeutiger. In allen 74 Städten und Gemeinden lagen die Preise teils deutlich über der Grenze von 12 Cent pro Kilowattstunde. Wer mit einem Wechsel zu einem solchen Alternativanbieter liebäugelt, kann daher davon ausgehen, dass der derzeit ausgewiesene Gesamtpreis pro Monat ebenso noch sinken wird wie bei den 60 Grundversorgern, sobald die Gaspreis-Bremse greift. Das müsste jeder für sich selbst ausrechnen.

Doch: Der erste Blick auf die Gaspreise kann täuschen

Auf den ersten Blick scheint dabei die Sache in den meisten Fällen klar zu sein: Hier ist trotz der Extra-Boni der Alternativanbieter derzeit in 56 der von uns untersuchten Städte und Gemeinden der Grundversorger beim monatlichen Gesamtbetrag günstiger als der preiswerteste Alternativanbieter. Nur in 18 Orten ist der Grundversorger teurer.

Allerdings empfiehlt es sich, trotzdem genau nachzurechnen, denn durch die Gaspreis-Bremse können sich die Dinge verschieben. Dazu als Beispiel eine vereinfachte Rechnung. In Dortmund stellte der günstigste Alternativversorger einen Preis von 17,76 Cent pro Kilowattstunde in Rechnung. 12 Cent müsste man selbst zahlen, 5,76 Cent würde für 80 Prozent des Verbrauchs der Staat übernehmen.

80 Prozent von 12.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind 9.600 Kilowattstunden. Das mal 5,76 Cent macht 552,96 Euro Zuschuss vom Staat pro Jahr, oder 46,08 Euro pro Monat. Der günstigste monatliche Gesamtpreis würde also für den Alternativversorger von 188,51 auf 142,43 Euro sinken und läge damit unter dem Preis des Grundversorgers.

Der Grundversorger berechnet nämlich lediglich 16,99 Cent pro Kilowattstunde, würde also nur 4,99 Cent Zuschuss vom Staat erhalten. Das mal 80 Prozent des Jahresverbrauchs, also mal 9.600 Kilowattstunden, bedeutet einen staatlichen Zuschuss von 479,04 Euro im Jahr oder 39,92 Euro im Monat. Die monatliche Gas-Rechnung des Grundversorgers würde ergo von 185,15 auf 145,23 Euro sinken.

Damit läge der Grundversorger zwar nur knapp drei Euro über dem Preis des Alternativanbieters, aber: Beim Alternativanbieter erhält man die Garantie, dass der Preis innerhalb des nächsten Jahres nicht weiter steigt. Solche längeren Vertragslaufzeiten bieten nicht nur Alternativversorger, sondern auch einige Grundversorger an.

Im Grundversorgungs-Tarif gibt es eine solche Garantie allerdings nicht. Dieser Tarif kann jederzeit mit einer Frist von nur zwei Wochen verändert werden. Dann kann der Versorger die Preise erhöhen oder senken, je nach Marktlage.

Gedanklicher Kurzschluss könnte fatal sein

Nun könnte man natürlich sagen: Ist mir doch egal, wenn der Kilowattpreis weiter steigt, ab 12 Cent ist ja ohnehin Schluss. Das aber wäre sehr kurz gedacht. Zum einen greift die Gaspreis-Bremse lediglich für 80 Prozent des durchschnittlichen Vorjahres-Verbrauchs. 20 Prozent muss ich also entweder weniger Gas verbrauchen oder aber den hohen Preis bezahlen. Zum anderen können Anbieter ja jederzeit auch den monatlichen Grundpreis erhöhen.

Auch beim Grundpreis gibt es in den von uns betrachteten Orten eine gewaltige Preisspanne. Bei den Grundversorgern reicht sie von 4,38 Euro monatlicher Grundpreis in Xanten bis zu 24,99 Euro unter anderem in Olfen, Selm und Ascheberg. Das ist mehr als das Fünffache.

Bei den Alternativversorgern reicht der monatlich zu zahlende Grundpreis von 6,10 Euro in Herne bis zu 21,56 Euro in Bochum. Das ist mehr als das Dreifache.

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