Der Anteil der jüngeren Menschen, die auf einer Intensivstation behandelt werden müssen, ist deutlich gestiegen. Auch insgesamt hat es eine starke Veränderung bei den besonders vom Coronavirus bedrohten Altersgruppen gegeben. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Genaue Zahlen zeigen: Altersverteilung der Corona-Infizierten hat sich drastisch verändert

Zu Beginn der Pandemie waren alte Menschen besonders gefährdet, sich mit Corona zu infizieren. Das hat sich gravierend verändert. Das belegen aktuelle Zahlen, die wir ausgewertet haben.

Als im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie ihren ersten Höhepunkt erreichte, erwischte das Virus besonders ältere Menschen. Vor allem dank der um die Jahreswende angelaufenen Impfungen hat es hier allerdings drastische Veränderungen gegeben. Das geht aus aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts hervor, die wir ausgewertet haben.

Beginnen wir bei den Ältesten unserer Gesellschaft, den über 90-Jährigen. Anfang April 2020 zählten noch 3,25 Prozent aller Neuinfizierten zu dieser Altersklasse. Kurz bevor die Impfungen begannen, in der Woche vor Weihnachten, bildeten sie noch einen Anteil von 3,42 Prozent.

Jetzt, in der Woche zwischen dem 29. März und dem 4. April, beträgt ihr Anteil gerade noch 0,58 Prozent, das ist fast nur noch ein Sechstel des Wertes von vor Weihnachten. In dieser Altersgruppe der über 90-Jährigen infizieren sich demnach inzwischen viel, viel weniger Menschen mit dem Virus. Das erste Ziel der Impfkampagne, zunächst besonders die Älteren zu schützen, denen bei einer Infektion besonders schwere Verläufe drohen, wurde also erreicht.

Man kann die Sache auch noch genereller angehen, indem man die Zahlen der einzelnen Altersgruppen ein wenig zusammenfasst. So haben die über 80-Jährigen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland einen Anteil an der Bevölkerung von rund 6,8 Prozent.

Im April 2020 lag allerdings ihr Anteil an den neu mit dem Coronavirus Infizierten bei 12,71 Prozent, also fast doppelt so hoch wie ihr Bevölkerungsanteil. Kurz vor Weihnachten betrug der Anteil 12,12 Prozent. Jetzt ist dieser Wert auf 3,4 Prozent gesunken. Mit anderen Worten: Diese Altersgruppe war bis zum Jahreswechsel überproportional stark von Neuinfektionen betroffen. Jetzt ist sie bei den Neuinfektionen deutlich unterrepräsentiert.

Bei den 60- bis 80-Jährigen zeigt sich inzwischen eine ähnliche Entwicklung: Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt etwa 21,7 Prozent. Im April 2020 entsprach das etwa dem Anteil dieser Bevölkerungsgruppe an der Zahl der Neuinfektionen (21,29 Prozent). In der Woche vor Weihnachten betrug ihr Anteil noch 16,3 Prozent, mittlerweile sind es nur noch 13,94 Prozent. Ihr Anteil geht zurück, wenn auch nicht so stark wie bei den noch Älteren, denn in dieser Altersgruppe ist bisher noch nicht so viel geimpft worden.

Ganz anders sieht es am anderen Ende der Alterspyramide aus und das macht die Entwicklung derzeit so gefährlich, denn: Der Anteil der ganz jungen Menschen, die sich mit dem Virus infizieren, hat sehr stark zugenommen. Der Anteil der Jüngsten – vom Neugeborenen bis zu den vierjährigen Kindern – an den Neuinfektionen stieg zwischen April 2020 und April 2021 von 0,75 auf 4,08 Prozent. Das ist mehr als das Fünffache. Bei den 5- bis 10-Jährigen gab es einen ebenso starken Anstieg: von 0,81 auf 4,72 Prozent. Ähnlich verhält es sich für die Menschen zwischen 10 und 20 Jahren, wenn der Anstieg hier auch nicht ganz so stark ausfällt.

Insgesamt haben Menschen von 0 bis 20 Jahren in Deutschland einen Anteil von 18,4 Prozent an der Bevölkerung. Mittlerweile entfallen 19,17 Prozent aller Neuinfektionen auf diese Altersgruppe. Vor einem Jahr machten sie allerdings erst 5,73 Prozent aller Corona-Fälle aus.

Auch der Anteil der Menschen zwischen 20 und 50 Jahren an den Coronainfektionen hat sich erhöht, erst ist in den Altersklassen ab dem 50. Lebensjahr sinkt der Anteil an den Infizierten. Das lässt nur einen Schluss zu: Durch die Konzentration der Impfungen auf die älteren Jahrgänge hat es eine deutliche Verschiebung hin zu den jüngeren Menschen bis 50 Jahren gegeben.

Inzwischen, so berichten Intensivmediziner, füllen sich die Intensivstationen vor allem mit jüngeren Corona-Patienten. Die haben dort im Schnitt eine deutlich höhere Verweildauer als die meist älteren Patienten in der ersten und zweiten Pandemie-Welle. Das trägt mit zu einer schwindenden Kapazität auf den Intensivstationen bei.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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