Grundsteuerbescheid: So prüfen Sie nach der Grundsteuererklärung die Briefe des Finanzamtes

Redakteurin
Geldscheine, ein Grundsteuerbescheid und Spielhäuser.
Die Grundsteuer-Reform erfordert eine Neuberechnung aller Daten. Diese sollten Eigentümer gründlich prüfen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Lesezeit

Die Finanzminister der Länder haben die Abgabefrist für die Grundsteuererklärung bundesweit von Ende Oktober bis Ende Januar 2023 verlängert. Viele Immobilienbesitzer in NRW haben ihre Erklärungen trotzdem bereits abgegeben. Diese Erklärungen sind Grundlage für das zuständige Finanzamt, das den Grundsteuerwert und anschließend den Grundsteuermessbetrag festlegt. Jeder Eigentümer erhält daher in nächster Zeit in einem Umschlag zwei Briefe: den Grundsteuerwertbescheid und den Grundsteuermessbescheid.

Muss ich nach den Grundsteuerbescheiden des Finanzamtes schon zahlen?

Nach den ersten beiden Bescheiden muss noch niemand eine Zahlung leisten. Diese Berechnungen dienen den Städten und Gemeinden zunächst nur als Grundlage für die endgültige Festsetzung der Grundsteuer. Dennoch sind die Bescheide ungemein wichtig, da sie sozusagen die Basis für den neuen zu zahlenden Betrag dienen. Also sollten sie überprüft werden.

Wie prüfe ich die Grundsteuerbescheide des Finanzamtes?

1. Überprüfen Sie im Grundsteuerwertbescheid zunächst die allgemeinen Angaben zum Grundstück. Stimmen die Flurbezeichnung und die Art der Immobilie?


2. Wenn Sie Miteigentümer eines Grundstücks sind: Stimmen die Anteile mit denen überein, die Sie bei der Grundsteuer-Erklärung abgegeben haben? Beide Angaben finden Sie oben im Bescheid (siehe Foto)

3. Überprüfen Sie die Daten zum Bodenrichtwert des Grundstücks und das Baujahr ihrer Immobilie.

4. Stimmt die Quadratmeterzahl der Wohnung? Haben Sie eine oder mehrere Garagen angegeben? Diese Angaben sehen Sie hier:

Lassen Sie sich an dieser Stelle übrigens nicht von Angaben wie „Nettokaltmiete“ irritieren. Berechnet werden an diesen Stellen lediglich angenommene Mietwerte.

5. Im vorletzten Schritt prüfen Sie, ob die Grundstücksgröße richtig übernommen wurde, ganz unten im ersten Bescheid und notieren den ermittelten Grundsteuerwert.

6. Zu guter Letzt überprüfen Sie, ob der Grundsteuerwert des ersten Bescheides – in diesem Beispiel 386.900 Euro – mit dem Wert im Grundsteuermessbescheid übereinstimmt. Auch hier gilt es, noch einmal die allgemeinen Angaben zum Grundstück zu überprüfen.

Unser Video erklärt die neuen Grundsteuer-Bescheide und ihre Überprüfung:

Fehler im Grundsteuer-Bescheid? Dann schnell Einspruch erheben

Wenn Sie einen Fehler bemerken sollten Sie möglichst schnell Einspruch sowohl gegen den Grundsteuerwertbescheid als auch gegen den Grundsteuermessbescheid einlegen. Denn: Die Frist dafür beträgt einen Monat. Danach sind die Bescheide gültig. Ein Einspruch muss beim zuständigen Finanzamt schriftlich eingereicht werden, er kann auch elektronisch über das Elster-Portal erfolgen.

Neue Grundsteuer wird erst ab 2025 fällig – das gilt auch für NRW

Die neue Grundsteuer wird erst im Jahr 2025 fällig. Die Kommunen berechnen auf der Grundlage des Grundsteuermessbescheides des Finanzamtes die Grundsteuer und setzen diese mit dem Grundsteuerbescheid fest. Erst wenn Sie Ihren Grundsteuerbescheid von der Gemeinde erhalten haben, müssen Sie eine Zahlung leisten. Das ist erst im Jahr 2025 der Fall. Diese Karte zeigt die Grundsteuerhebesätze in allen Städten von NRW.

Kommunen in NRW bitten Bürger kräftig zu Kasse

Die Kommunen in Nordrhein-Westfalen bitten ihre Bürger bei der Grundsteuer übrigens bislang besonders kräftig zur Kasse. Sie erheben die durchschnittlich höchsten Sätze aller Flächenländer in Deutschland, so eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY aus dem Jahr 2021. Danach zahlten NRW-Bürger im Jahr 2020 durchschnittlich 212 Euro Grundsteuer; bundesweit waren es 172 Euro. Von den 50 deutschen Kommunen mit den höchsten Grundsteuer-Hebesätzen liegen 32 in Nordrhein-Westfalen.

Durch die Reform sollen die Kommunen nicht mehr Geld einnehmen, die Steuer soll aber jetzt gerechter verteilt werden. Sollten sich durch die neuen Daten mehr Einnahmen ergeben, hat der Bund die Städte und Gemeinden angehalten, die Hebesetze zu senken.