Mutter soll verdeckter Ermittlerin Kindstötungen gestanden haben „Katja“ sagt als Zeugin aus

Die Angeklagte kurz vor Prozessbeginn am 10. Oktober.
Die Angeklagte kurz vor Prozessbeginn am 10. Oktober. © Werner von Braunschweig
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Mit der Vernehmung der verdeckten Ermittlerin „Katja“ ist am Mittwoch (30.11.) am Bochumer Schwurgericht der Kindermord-Prozess gegen eine dreifache Mutter (33) aus Herne fortgesetzt worden. Zuvor war bereits eine weitere LKA-Ermittlerin („Suse“) als Zeugin vernommen worden. Im Vertrauen darauf, die beiden Frauen seien Freundinnen, soll die Angeklagte ihnen gegenüber im März dieses Jahres nachträglich die Tötungen ihrer Kinder Justin und Tayler zugegeben haben.

Im Prozessverlauf war zuvor bereits bekannt geworden, dass sich die Herner Mutter seit Februar 2021 mit einer Frau namens „Katja“ eng angefreundet hatte. Die Kontaktaufnahme war offenbar über ein Anklingeln nach einem angeblichen Fahrradunfall mit dem geparkten Pkw der Mutter inszeniert worden. Im Anschluss daran sollen in regelmäßigen Abständen Treffen stattgefunden haben, bei denen die Mutter offenbar von Mal zu Mal mehr Vertrauen aufgebaut hat und bei denen sie im weiteren Verlauf auch mit weiteren verdeckten Ermittlern in Kontakt kam.

Ein LKA-Ermittler mit dem Decknamen „Vito“ soll ihr beispielsweise als Katjas Partner vorgestellt worden sein, eine Ermittlerin „Suse“ als Katjas enge Freundin. Auch der letzte Lebensgefährte der Mutter war nach eigenen Angaben bei mehreren Paar-Treffen mit „Vito“ und Katja“ dabei, unter anderem Ende 2021 auch auf dem „Cranger Weihnachtszauber“.

Die verstorbenen Kinder Tayler (2011) und Justin (2012) waren bei den Gesprächen mit den verdeckten Ermittlern offenbar immer mal wieder Thema. Ebenso die 2021 erfolgte Inobhutnahmen des dritten Kindes Jason durch das Herner Jugendamt. Angeblich sollen die Ermittlerinnen am Ende im Wege einer gezielt gestreuten „Legende“ vermeintlich eigene Geheimnisse zu ungeklärten Todesfällen erwähnt und so das Mitteilungsbedürfnis der Hernerin geweckt haben.

Kinder waren ihrer Lust auf Partys und Männer im Weg

Im Frühjahr dieses Jahres soll die Mutter schließlich bei vertraulichen Gesprächen den LKA-Ermittlerinnen „Katja“ und „Suse“ den Ablauf der Erstickungen ihrer Kinder Tayler und Justin doch als eigene Tathandlungen geschildert haben. Diese Selbstbelastungen führten schlussendlich am 12. April zur Festnahme der Mutter unter dem dringenden Tatverdacht des zweifachen Mordes.

Unter anderem mit dem Verweis auf ein erhebliches Gefahrenpotenzial für die verdeckten LKA-Ermittler im Falle einer öffentlichen Identifizierung, schloss das Schwurgericht für die Zeit der Zeugenaussagen die Öffentlichkeit aus. Sowohl „Suse“ als auch „Katja“ wurden per Videoübertragung aus dem Landeskriminalamt und wohl auch mit optischer Abschirmung (Schattenwand) vernommen. Widersprüche der Verteidigung gegen die Vernehmung der Ermittler an sich, die Vernehmungsform und auch deren Beweisverwertung wurden von den Richtern zuvor zurückgewiesen.

Weil ihre Kinder laut Anklage ihrer Lust auf Partys und andere Männer im Wege standen, soll die Herner Mutter 2011 und 2012 ihre zwei Kinder Tayler (zweieinhalb Monate) und Justin (19 Monate) erstickt, 2018 einen Erstickungsversuch bei ihrem dritten Kind Jason (27 Monate) verübt haben. Unter kritische Beobachtung waren die zwei Todesfälle erst nach dem dritten Zwischenfall geraten, eine Kinderärztin hatte die intensiven Ermittlungen mehr oder weniger angestoßen.

Zu den Vorwürfen schweigt die Angeklagte im Prozess. Aktuell sind noch Verhandlungstage bis zum 8. Februar 2023 anberaumt.