Jugendkriminalität

Initiative aus NRW: Fast jedes zweite kriminelle Kind wird nicht mehr rückfällig

Vor elf Jahren wurde in NRW die Initiative „Kurve kriegen“ entwickelt. Sie soll kriminell gewordene Kinder und Jugendliche wieder auf die richtige Bahn bringen. Wie ist die Bilanz heute?
Kind hält die Faust in die Kamera.
„Kurve kriegen“ soll verhindern, dass straffällige Minderjährige komplett in die Kriminalität abrutschen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Mehr als 2050 kriminelle Kinder und Jugendliche haben in Nordrhein-Westfalen die Chance bekommen, die Kurve zu kriegen. „Kurve kriegen“, so heißt das vor elf Jahren gestartet Programm, das verhindern soll, dass straffällige Minderjährige komplett in die Kriminalität abrutschen. Inzwischen ist „Kurve kriegen“ immer weiter ausgeweitet worden und wird nach Angaben des NRW-Innenministeriums aktuell in 38 der 47 Kreispolizeibehörden des Landes angewendet.


Hohe Erfolgsquote mit niedriger Rückfallquote

In diesem Jahr sollen drei weitere Standorte dazukommen. Die Erfolgsquote des Programms liegt Untersuchungen zufolge bei 46 Prozent – das heißt, fast jeder zweite Programmteilnehmer wird nicht mehr rückfällig. Aber auch die übrigen Teilnehmer würden im Mittel deutlich seltener rückfällig. Derzeit kümmern sich die Macher um 572 junge Delinquenten.

Das Durchschnittsalter bei der Aufnahme ins Programm liegt bei 12,8 Jahren. Die Initiative wurde mehrfach einer Erfolgskontrolle und einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen, berichtete das NRW-Innenministerium auf dpa-Anfrage. Alle Untersuchungen hätten Erfolg und Wirkung bestätigt.

Auch wirtschaftlich erfolgreich

„Im Ergebnis zeigt sich, dass unser Programm „Kurve kriegen“ wirkt. Es verhindert Straftaten und damit Opfer. Durch eine wissenschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse wissen wir, dass sich „Kurve kriegen“ auch wirtschaftlich rechnet – demnach bekommt die Gesellschaft für jeden Euro, der eingesetzt wird, bis zu zehn Euro zurück“, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

2017 wurde „Kurve kriegen“ in die bundesweite „Grüne Liste Prävention“ als wirksames Best-Practice-Beispiel aufgenommen. Eingeführt worden war es noch in der Amtszeit von Reuls Vorgänger Ralf Jäger (SPD).

Ursachenforschung und Beratung

Das Programm richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 15 Jahren, die mit mindestens einer Gewalttat oder drei Eigentumsdelikten auffällig geworden sind und bei denen eine „Karriere“ zum Intensivtäter droht. Pädagogische Fachkräfte und Kriminalbeamte gehen gemeinsam auf die Jugendlichen und ihre Eltern zu.

Zuerst wird ermittelt, was die Ursachen für das kriminelle Verhalten des Kindes sind und in welcher Situation es sich aktuell befindet. Dann wird besprochen, welche Maßnahmen im konkreten Fall die sinnvollsten sind – das kann vom Anti-Aggressions-Training über Sportangebote bis zur Suchtberatung reichen.

dpa

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