Coronavirus

Inzidenz-Werte von 32 bis 204 – enorme regionale Unterschiede in NRW

Nicht alle Städte und Kreise in NRW sind von der Pandemie gleich betroffen. Während landesweit die Werte sinken, bleibt die Inzidenz in einer Stadt sehr hoch. Wie kommt es zu solch einem Unterschied?
Die regionalen Inzidenzwerte in NRW könnten unterschiedlicher kaum sein. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Vor wenigen Wochen noch war jede NRW-Karte zum Coronavirus in den unterschiedlichsten Rottönen eingefärbt. Jeder Landkreis konnte zeitweise einen dreistelligen Wert bei der Sieben-Tage-Inzidenz aufweisen. Einige lagen dabei sogar über der Grenze von 200, bei der erneut verschärfte Maßnahmen greifen sollen.

Inzwischen hat sich das Bild jedoch stark verändert: Erst näherten sich die Kreise in Nordrhein-Westfalen der 100er-Grenze an, inzwischen liegen viele sogar deutlich darunter. Münster (32,7), der Kreis Coesfeld (36,3) und der Kreis Steinfurt (48,6) lagen am Dienstag (2. Februar), und auch zum Teil schon in den Tagen zuvor, unter der Grenze von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner.

Während sich die Corona-Lage im Münsterland zu entspannen scheint, sieht es in Teilen des Ruhrgebietes ganz anders aus. Hier liegen die Inzidenz-Werte in einigen Kreisen und Städten noch knapp über 100. Doch auch hier lässt sich zumindest ein positiver Trend feststellen.

Inzidenzwert in Hagen deutlich höher als in den Nachbarstädten

Nur die Stadt Hagen sticht hier mit einer Inzidenz von 204 besonders hervor. Vor allem, wenn man sich die direkte Umgebung anschaut: Dortmund (76,8), Unna (88,9), der Ennepe-Ruhr-Kreis (75,6) und der Märkische Kreis (103,8) liegen deutlich unter dem Wert, den Hagen aufweist. Wie kann es regional zu so starken Unterschieden kommen, wenn doch landesweit die selben Maßnahmen gelten?

Zum einen spielen die regionalen Begebenheiten eine Rolle. Während das Münsterland sehr ländlich geprägt ist und die Städte weiter auseinander liegen, kann sich ein Virus in einem Ballungszentrum wie dem Ruhrgebiet natürlich schneller ausbreiten.

Außerdem spielen neben dem Umland auch Faktoren wie die Größe der Haushalte oder die Arbeitsstrukturen eine Rolle. In einer Universitätsstadt wie Münster, in die Menschen eher mit dem Auto als mit der Bahn pendeln, oder aufgrund vieler Büroarbeiten eher im Homeoffice arbeiten können, fallen in der Regel weniger Kontakte an, was wiederum Ansteckungen verhindert.

Das alleine kann aber nicht den Ausschlag für so enorme Unterschiede geben. Auch wäre es falsch, eine niedrige Inzidenz auf eine bessere Umsetzung der Corona-Maßnahmen in der Bevölkerung zu schließen. Vielmehr können lokale Ausbrüche einen Inzidenzwert in die Höhe schnellen lassen.

Vermehrt Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen in Hagen

In Hagen ist genau das der Fall. Seit mehreren Tagen und Wochen kämpft die Stadt gegen Corona-Ausbrüche vor allem in Alten- und Pflegeheimen an. Einen akuten Ausbruch gab es vor knapp einer Woche im Helmut-Turck-Zentrum der AWO mit 17 positiven Fällen. In der Seniorenresidenz „Curanum“ wurden insgesamt 14 Personen positiv getestet. In neun weiteren Alten- und Pflegeheimen gibt es laut Angaben der Stadt insgesamt rund 90 Infektionen.

Auch das Infektionsgeschehen in Wohneinrichtungen trägt zu einem hohen Inzidenzwert bei, wie es von Seiten der Stadt heißt. In einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung wurden zuletzt bei einer Reihentestung mehrere positive Corona-Fälle bekannt. Auch eine Einrichtung im Ennepe-Ruhr-Kreis hat einen größeren Corona-Ausbruch verzeichnet, dessen Beschäftigte zu einem Großteil in Hagen in einer Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung leben.

Testungen durch das Gesundheitsamt Hagen erweitert

Die Vermischung der Gruppen am Arbeitsplatz, in den Wohneinrichtungen oder auf der Fahrt zu den Arbeitsstätten sorge dafür, dass sich die Infektionen schnell ausbreiten konnten, so die Stadt Hagen. Aktuell seien insgesamt fünf Wohneinrichtungen bekannt, die von Infektionen betroffen sind.

Weitere Gründe für den hohen Inzidenzwert in Hagen könnten die vermehrten Fälle in Krankenhäusern sein (aktuell 53 Infektionen). Außerdem weist die Stadt darauf hin, dass die Testungen durch das Gesundheitsamt erweitert worden sind. So werden alle direkten Kontaktpersonen eines infizierten Menschen zweimal getestet.

Die regionalen Unterschiede in NRW zeigen vor allem, dass trotz positiven Trends einzelne lokale Ausbrüche die Inzidenzwerte wieder in die Höhe treiben können. Außerdem sind die täglichen Werte des Robert-Koch-Instituts immer nur eine Momentaufnahme.

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