Mambo Kurt wird bei einem seiner Auftritte von seinen Fans auf Händen getragen. © Mambo Kurt

Mambo Kurt: „King of Heimorgel“ arbeitet als Impfarzt in ganz NRW – und schreibt Ratgeber

Mambo Kurt ist als „King of Heimorgel“ längst Legende. Doch der Bochumer ist auch studierter Mediziner und jetzt als Herr Doktor in ganz NRW unterwegs. Treffen kann man ihn ganz überraschend.

Er ist eine feste Bank bei Bochum Total, beim Zeltfestival Ruhr und selbst beim Metal-Festival Wacken: Mambo Kurt. Der Bochumer und selbsternannte „King of Heimorgel“ heißt im richtigen Leben Dr. Rainer Limpinsel. Eigentlich arbeitet der studierte Mediziner aber gar nicht mehr als Arzt, trotzdem kann man ihn in diesen Tagen in Impfzentren in NRW treffen. Im Interview spricht er darüber, warum das so ist, womit er sonst noch Geld verdient warum er früher wieder auf der Bühne stehen wird als Rammstein.

Die Corona-Pandemie bringt die gesamte Unterhaltungsbranche zum Erliegen. Wie sehr vermissen Sie es, auf der Bühne zu stehen?

In meiner Wohnung ist ein kleines Tonstudio eingerichtet. Und ich bin der aktivste Hobbytrommler momentan. Ganz ohne Musik bin ich also nicht. Aber ohne Bühne bin ich. Ich bin seit 22 Jahren hauptberuflich als Mambo Kurt unterwegs. Da kann ich diese coronabedingte Zwangspause genießen. Ich mache gerade sozusagen ein aufgezwungenes Sabbatical. Ich werde nicht depressiv, weil mir das Publikum fehlt. Mental geht es mir damit gut. Aber finanziell ist das natürlich schwierig.

Deshalb arbeiten Sie momentan auch als Impfarzt…

Genau. Als studierter Mediziner bin ich wieder in meinen alten Job zurückgekehrt.

Wo sind Sie jetzt im Einsatz?

Ich bin flexibel und habe mich für das ganze Gebiet der Ärztekammer Westfalen-Lippe eingetragen. Der Computer teilt uns Impfärzte dann ein, wo sie uns wann brauchen. Ich könnte mehr arbeiten, das schwankt von Woche zu Woche. Ich erfahre am Mittwoch für die kommende Woche meine Einsätze. Ich war schon in Dortmund, Hagen, Herne, Lüdenscheid und in Bochum.

Sind Sie denn auch schon geimpft?

Ja klar: erste Schicht im Impfzentrum, erste Impfung.

Wurden Sie bei der Arbeit als Dr. Rainer Limpinsel schon als Mambo Kurt erkannt?

Ja. Hagen ist meine Heimatstadt, da habe ich auch schon im Impfzentrum gearbeitet. Ich sehe wie ein ganz normaler Arzt aus, mit spießiger Lesebrille und Arztklamotten. Ich genieße die Anonymität dieses normalen Jobs, wurde aber schon ein paar Mal erkannt, weil natürlich auch viele Medien jetzt über mich berichten.

Zur Person

Dr. Rainer Limpinsel alias Mambo Kurt

Dr. Rainer Limpinsel (54) ist Mambo Kurt. Er ist in Hagen geboren und hat nach dem Abitur Medizin studiert. als „King of Heimorgel“ tritt er in ganz Deutschland auf. www.mambokurt.de

Als Dr. Rainer Limpinsel hat er mehrere Bücher geschrieben, vor allem zu Medizin- und Ernährungsthemen. www.dr-rainer-limpinsel.de

Das Leben als Impfarzt ist ja viel strukturierter, als das eines Musikers….

Ach, das glauben die Leute immer. Professionelle Musiker wissen 1 1/2 Jahre im Voraus, wann und wo sie spielen und wie viel Geld sie verdienen. Einmal im Jahr mache ich mit meinen Kumpels einen Fahrradurlaub. Die sind immer überrascht, dass ich den Urlaub zwei Jahre im Voraus planen kann. Da sind Geschäftsführer dabei, die können das nicht. Das Leben des Musikers ist von den Ankerpunkten der Shows extrem festgezurrt. Es ist sehr organisiert und strukturiert.

Also ist das eine große Umstellung, als Impfarzt tätig zu sein?

Impfarzt ist ein ziemlich anstrengender Job. Da gibt es keine Pause. Das ist richtig Arbeiten im Akkord. Also ist Mambo momentan richtig ausgelastet. Ich bin wie Gerhard Schröder: „Ich bin immer im Dienst“. Als Selbstständiger ist man das ja aber sowieso immer. Und gestern hat die WHO ja eine Studie herausgegeben, dass jährlich über 700.000 Menschen sterben, weil sie überarbeitet sind. Das will ich auf keinen Fall, da muss ich aufpassen.

E

s gibt also keine langfristige Rückkehr in den Arzt-Job?

Nein. Auch wenn das gerade eine sehr befriedigende Aufgabe ist. Denn wir alle wollen diese Pandemie ja unbedingt beenden. Ich merke aber, wenn ich das länger als ein halbes Jahr machen würde, würde ich wieder Mambo Kurt werden. Ich bin schon Künstler.

Langeweile haben Sie aber auch ohne die Arbeit als Impfarzt nicht, oder?

Nein. Ich bin zwar nicht in Aktionismus verfallen, bevor ich Impfarzt wurde, aber Langeweile hatte ich auch nicht. Ich habe eine Heimorgel stagefertig gemacht und mir ein paar neue Songs draufgesattelt und auch mal den Müßiggang genossen. Im vergangenen Sommer habe ich als Mambo Kurt auch noch ganz normal gearbeitet. Kleine Sachen mit 150 Leuten waren da kein Problem. Bei Wacken spiele ich fünf Konzerte pro Jahr, bei den Wacken-Ausfall-Partys habe ich zehnmal gespielt. Richtig offline ist Mambo Kurz erst seit dem Lockdown im November.

Warum haben Sie nach dem Medizin-Studium den Job schnell an den Nagel gehängt?

Ich wollte Unfallchirurg werden, kann aber kein Blut sehen. Das wollte ich mir als junger Mann nicht eingestehen. Ich hatte auch ein Freizeitverhalten, das nicht zu dem eines Unfallchirurgen passte. Dann rief RTL an und hat mich zu Verona Feldbusch in die Sendung „Veronas Welt“ geholt. Ich bekam einen Major-Label-Vertrag bei der Plattenfirma Virgin und so fing alles an mit Mambo Kurt, den ich als Kunstfigur erschaffen hatte.

Wie lange arbeiten Sie noch als Impfarzt?

Der Schichtkalender geht bis zum 31.12.2021, in den Impfzentren pfeifen es die Spatzen aber von den Dächern, dass die Impfzentren Ende September wieder aufhören. Natürlich nur, wenn jeder dann schon ein Impfangebot bekommen hat. Aber wer weiß, wenn man die Impfung jedes Jahr auffrischen muss, gibt es danach vielleicht ein Amt für Corona-Impfung. Die Hausärzte haben ja so schon genug zu tun. Wenn sie dann noch jedes Jahr alle Deutschen impfen müssen, wird es eng. Klar, die impfen auch jedes Jahr gegen Grippe, aber das macht ja nur ein Bruchteil der Deutschen.

Wann wird Mambo Kurt wieder auftreten?

Ich schätze, dass im August wieder kleinere Auftritte möglich sind. Spätestens im November wird es dann wieder Clubauftritte geben. Meine Konzerte sind ja häufig mit etwa 150 Personen und in bestuhlten Sälen. Das wird schnell wieder möglich sein. Mambo Kurt wird auftreten, wie es für Rammstein aussieht, weiß ich aber nicht. Die werden sich wohl noch eine Weile gedulden müssen, bevor sie wieder auf Tour gehen können. Mambo Kurz sieht auf jeden Fall positiv in die Zukunft.

Sie haben mehrere Bücher geschrieben, vor allem zu Medizin- und Ernährungsthemen. Sie kommen also doch nicht ganz weg von der Medizin….

Das stimmt. Die Medizin habe ich nie ganz weggelegt. Mit der Arbeit im Krankenhaus habe ich aber abgeschlossen. Ich sehe das als gut bezahltes Hobby. Das hat mich gut durch die Corona-Zeit gebracht. Sich auf ein Standbein alleine zu verlassen, ist zu gefährlich. Und die Themen Ernährung und Diabetes liegen mir sehr am Herzen.

Weil Sie selbst vor Jahren an Diabetes erkrankt sind?

Ja. Mit 40 habe ich die Diagnose Diabetes bekommen. Ich hatte ganz schlimme Werte und musste Insulin spritzen. Mit 41 war ich Diabetes los, weil ich meine Ernährung komplett umgestellt habe. Es gibt zwei Millionen Menschen in Deutschland, die Diabetes haben und es nicht wissen. Das ist sehr gefährlich. Für die wird es irgendwann das ganz große Wachen geben. Denn Diabetes ist eine heimtückische Krankheit, die man aber gut in den Griff bekommen kann – auch ohne Insulin.

Warum machen das so wenige Leute? Weil sie es nicht wissen?

Die Krankenkasse bezahlt den Patienten Tabletten und Insulin. Damit funktioniert es super und sie können weiter Kuchen essen. Nach der Ernährungsumstellung ist Kuchen tabu. Denn Fakt ist: Die, die Diabetes kriegen, sind zu dick. Das ist keine schöne Wahrheit. Ich wollte damals auch nicht wahrhaben, dass ich zu dick bin. Ich musste mich fragen: Wie nimmt man dauerhaft ab? Diese Frage beantworte ich in meinen Büchern. Durch die habe ich mehr Diabetiker geheilt, als eine normale deutsche Hausarztpraxis es kann. Denn das braucht Zeit.

Ist denn schon ein neues Buch in der Pipeline?

Ich habe ein neues Buch geschrieben, weiß aber noch nicht, ob es auch herausgegeben wird. Es ist wieder ein Ernährungsbuch, diesmal aber von Mambo Kurt geschrieben und nicht von Dr. Rainer Limpinsel.