Corona-Test sind seit dem 11. Oktober für die allermeisten Menschen kostenpflichtig. Bisher hat diese Änderung allerdings nicht zu einer höheren Impfbereitschaft geführt. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. © Foto: unplash/ Alexandra Koch
Corona-Wochenbilanz

Neue Daten: 722 komplett geimpfte Corona-Tote und Kostenpflicht bei Tests verfehlt Wirkung

Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss sich jetzt für vieles auf eigene Kosten testen lassen. Ziel war es, Zaudernde zur Impfung zu bewegen. Neue Zahlen zeigen: Der Plan ist gescheitert.

Seit dem 11. Oktober müssen alle, die sich impfen lassen könnten, es aber nicht tun, Corona-Tests selbst bezahlen. Für Schwangere sowie 12- bis 17-Jährige gibt es noch bis zum Jahresende eine Übergangsregelung, da es für sie erst seit Kurzem eine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt. Wenn Ungeimpfte am öffentlichen Leben teilnehmen wollen, ist das ohne Corona-Test kaum noch möglich.

Es gab zwei Hauptargumente, mit denen die generelle Kostenübernahme der Corona-Tests gestoppt wurde. Zum einen die Kosten: Bisher hat der Staat rund 5,3 Milliarden Euro für die Corona-Tests ausgegeben. Eine gigantische Summe. Da Tests aber nur für nicht-immunisierte Menschen notwendig sind, lautet das Argument: Wer sich nicht impfen lassen will, obwohl er es könnte, soll Tests selbst bezahlen und nicht die Allgemeinheit belasten.

Zweitens lautete das Argument: Der Kostendruck werde viele Unentschlossene dazu bringen, sich doch für eine Impfung zu entscheiden. Unsere Wochenbilanz zeigt, dass diese Strategie zumindest bisher nicht aufgegangen ist. Auch wenn das Robert-Koch-Institut (RKI) vor einigen Tagen seine Impfquoten deutlich nach oben korrigiert hat, zeigen die Daten der täglich verabreichten Impfdosen, dass die Impfkampagne nur noch auf absoluter Sparflamme vor sich hindümpelt.

Noch nie gab es weniger Impfungen an einem Tag

Am vergangenen Sonntag (10. Oktober) wurden in Deutschland gerade noch 15.339 Corona-Schutzimpfungen verabreicht. Zusammen mit dem Wert des vorangegangenen Sonntags (3.10.: 13.201), sind das mit großem Abstand die niedrigsten Tageszahlen seit dem Beginn der Impfungen am 27. Dezember 2020.

Auch ein Vergleich der wöchentlichen Daten bestätigt das. Ihre Zahl sinkt seit vielen Wochen immer weiter. Wurden beispielsweise in der ersten Augustwoche noch 2.597.649 Impfungen in Deutschland gezählt, waren es in der Woche vom 27. September bis 3. Oktober nur noch 1.033.587 Impfungen. In der Woche vom 4. bis 10. Oktober waren es gerade noch 901.316 Impfungen, ein neuer Tiefpunkt.

Die aktuellen Daten belegen eine Stagnation

Ganz offensichtlich lassen sich nach wie vor viele Menschen weder durch hohe Kosten noch dadurch, dass die Zahl der Testmöglichkeiten stark gesunken und ein Test dadurch umständlicher geworden ist, zu einer Impfung bewegen. Dabei, auch das machen die Zahlen im Wochenvergleich deutlich, ist die Pandemie noch nicht vorbei.

So stieg in der Woche zwischen dem 4. und 11. Oktober die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus wieder leicht auf 57.996 Fälle an. Das sind allerdings noch immer rund 15.000 Fälle weniger als in der bisherigen Spitze der vierten Welle vor rund vier Wochen. Insgesamt verharrt die Zahl der neuen Fälle derzeit etwa auf demselben Niveau.

Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei den Todesfällen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion zu beobachten. In der Woche zwischen dem 4. und 11. Oktober starben nach Angaben des RKI 416 Menschen an oder mit einer Coronainfektion, eine Woche zuvor waren es 390.

Nach wie vor ist es so, dass mit zunehmendem Alter die Gefahr seigt, schwer an Corona zu erkranken oder auch zu sterben. Von den inzwischen 94.209 Corona-Toten in Deutschland waren 80.583 Betroffene 70 Jahre und älter. Das sind 86 Prozent aller Corona-Toten, obwohl der Anteil dieser Altersgruppe an allen Covid-19-Fällen lediglich bei zwölf Prozent liegt.

19 Corona-Tote jünger als 20 Jahre

Übrigens: Bisher sind, so berichtet das RKI, 19 Menschen an Corona gestorben, die jünger als 20 Jahre waren. 18 der Gestorbenen hatten Vorerkrankungen.

722 Menschen starben im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion, obwohl sie vollständig geimpft waren. Allerdings muss man diese Zahl ins Verhältnis setzen zur Gesamtzahl der vollständig Geimpften. Die liegt inzwischen bei rund 51 Millionen Menschen. Das heißt: Die Corona-Todesrate bei vollständig Geimpften liegt bei 0,0014 Prozent. Hinzu kommt: 543 oder 75 Prozent der mit Impfdurchbruch an oder mit einer Coronainfektion Gestorbenen waren 80 Jahre und älter.

Die Lage in den Krankenhäusern stagniert, die Zahlen steigen nicht weiter. Die Hospitalisierungs-Inzidenz schwankt um den Wert von 1,5 (Neuaufnahmen von Covid-Kranken in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner). Auch auf den Intensivstationen hat sich die Zahl der Covid-19-Patientinnen und Patienten auf einem Niveau von gut 1.300 Corona-Kranken, von denen rund 750 beatmet werden, eingependelt. Rund 6,1 Prozent der Intensivbetten sind mit Covid-Kranken belegt.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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