Gesundheitssystem

Krankenhäuser in NRW warnen vor Infarkt des Systems: Geld fehlt

Den Kliniken in NRW droht ein Infarkt, falls dringend nötige Gelder für Modernisierungen weiterhin spärlich bleiben. Sie haben der Landesregierung eine lange Bestellliste vorgelegt.
Eine Pflegekraft geht auf einer Intensivstation über den Flur.
Für die neue Krankenhausplanung sind dringend konkrete Finanzierungszusagen nötig. © Fabian Strauch/dpa/Symbolbild

Der Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW), Ingo Morell, warnt vor einem „riskanten Qualitätsverlust“ im Gesundheitssystem. Wegen Unterfinanzierung lebten die Krankenhäuser in NRW „schon seit vielen Jahren auf Kosten der eigenen Substanz“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

„Die Folgen einer solchen Entwicklung bekommen wir gerade beim Zustand baufälliger Autobahnbrücken zu spüren, die Verkehrsadern zum Infarkt bringen.“ Damit es in den Krankenhäusern nicht so weit kommt, müsse sich die neue Landesregierung ihrer Verantwortung stellen. In ihrem Koalitionsvertrag versprechen CDU und Grüne: „Wir werden in den kommenden fünf Jahren erhebliche finanzielle Anstrengungen unternehmen, damit in allen Krankenhäusern die notwendigen Investitionen für Personal und Ausstattung erfolgen können.“

Das vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und dem Institute für Health Care Business in Essen erstellte jüngste Investitionsbarometer NRW hatte den Investitionsstau in den Kliniken des bevölkerungsreichsten Bundeslandes auf 13,8 Milliarden Euro beziffert.

Mehrere Themen drängen

Die neue Regierung hat aus Sicht der KGNW mit ihrem ersten Haushalt für 2023 gleich vier drängende Themen gleichzeitig anzugehen: die Umsetzung der neuen Krankenhausplanung, die Erhöhung der Investitionsförderung sowie Digitalisierung und Klimaschutz. Morell begrüßte den im Koalitionsvertrag avisierten Klimaschutzfonds, weil die Kliniken bei den notwendigen Anpassungsmaßnahmen „aus eigener Kraft nicht weit kämen“. Der Sozialverband VdK hatte in dieser Woche gefordert, auch die Pflegeheime einzubeziehen.

Laut einem Gutachten des Wuppertal Instituts für die KGNW liegt der deutsche Gesundheitssektor mit einem Anteil von 5,2 Prozent am bundesweiten CO2-Ausstoß nur wenig hinter der Stahlindustrie (fast sechs Prozent). Einen großen Teil davon verursachen demnach Krankenhäuser.

Das Institute for Health Care Business hatte errechnet, dass allein in den NRW-Kliniken Investitionen von 7,1 Milliarden Euro – verteilt auf sieben Jahre – nötig wären, um bis 2030 Klimaneutralität zu erreichen. Allein 6,3 Milliarden seien für die energetische Sanierung von Fassaden, Fenstern und Dächern erforderlich.

Rund 2 Milliarden Euro bis 2027 benötigt

Für die neue Krankenhausplanung würden jetzt dringend konkrete Finanzierungszusagen benötigt, betonte Morell. „Nur mit einem belastbaren und ausreichenden Budget können die Kliniken sich auf die erforderlichen Strukturveränderungen einlassen.“ Überall dort, wo Eingriffe in bestehende Strukturen zusätzliche Kosten verursachten, müsse das Land als Urheber des Plans dafür geradestehen. Die KGNW geht davon aus, dass dafür allein in dieser Legislaturperiode bis 2027 rund zwei Milliarden Euro notwendig sein werden.

Darüber hinaus muss die Bundesregierung aus Sicht der Krankenhausgesellschaft gesetzliche Rahmenbedingungen für eine bessere Verzahnung von ambulantem Angebot und stationärer Versorgung schaffen, um „einen echten Mehrwert für die Patientenversorgung“ zu heben. Zur nachhaltigen Finanzierung der Digitalisierung in den Kliniken schlägt die KGNW einen zweiprozentigen Aufschlag auf Krankenhausrechnungen vor.

„Eine führende Rolle“ nehme NRW bereits mit dem „virtuellen Krankenhaus“ ein. Inzwischen gehören dem Netzwerk, das über Telemedizin seit gut zwei Jahren einen Austausch von Expertenwissen ermöglicht, nach Angaben der KGNW mehr als 150 Krankenhäuser in NRW an.

dpa

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