Das Landgericht Bochum ließ gegen den 24-jährigen Angeklagten Milde walten. © Werner von Braunschweig
Prozess

Rätselhafter Überfall: Rentnerin (79) litt Todesängste – Täter hatte „Filmriss“

Vor acht Monaten wird ein Rentnerpaar in der eigenen Wohnung überfallen. Kurz danach wird ein Verdächtiger festgenommen. Im Prozess sprach der 24-Jährige von einem Filmriss.

Nach einem rätselhaften Raubüberfall auf ein Rentner-Ehepaar in Herne ist der mutmaßliche Täter (24) am Bochumer Landgericht noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Die 13. Strafkammer verhängte 22 Monate Haft auf Bewährung. Der angeklagte Straßenbauer aus Bottrop hatte sich zu Prozessbeginn auf eine Art „Filmriss“ berufen – die Richter hatten aber keinerlei Zweifel an seiner Täterschaft.

Der 24-Jährige war kurz nach dem Überfall in Tatortnähe von der Polizei festgenommen worden, hatte aber schon da vehement bestritten, etwas mit dem Überfall auf das Ehepaar zu tun zu haben. Es war der 15. Oktober 2020 gegen 22.10 Uhr, als es bei dem Ehepaar an der Haustür geklingelt hatte.

Ehemann kam Rentnerin zu Hilfe

„Ich dachte, das ist bestimmt meine Tochter, bin vom Sofa aufgesprungen und habe die Tür aufgedrückt“, hatte sich die 79-jährige Rentnerin als Zeugin erinnert. Wider Erwarten habe aber ein ihr unbekannter Mann vor der Wohnungstür gestanden. Nach einem kurzen Dialog habe dieser sie dann urplötzlich zurückgestoßen und angebrüllt: „Geld her! Wo ist Geld?“

Auf die Hilferufe der Zeugin sei dann ihr Ehemann hinzugestoßen. „Diesen stieß der Angeklagte zu Boden und schlug ihm ins Gesicht“, heißt es in der Anklage. Als der Täter sich danach über den bäuchlings auf dem Boden liegenden Rentner gebeugt habe, holte sich die 79-Jährige nach eigenen Angaben aus der Küche ein Wetzeisen und schlug dem Täter „damit einen auf den Rücken“.

Daraufhin habe dieser die alte Dame gegen eine Türzarge geschubst und sei ohne Beute geflüchtet. Die 79-Jährige litt nach eigenen Angaben Todesangst. „Ich habe wirklich gedacht, jetzt ist es gleich aus mit Dir“, sagte sie den Richtern der 13. Strafkammer. Laut Anklage erlitt die Seniorin eine Rippenprellung, ihr Ehemann ein blaues Auge und Nasenbluten.

Angeklagter mit 2,3 Promille festgenommen

Der Angeklagte will am fraglichen Abend zwar in Herne gewesen sein, mehr gebe seine Erinnerung aber nicht her, hieß es. „Ich hatte mich ins Auto gesetzt und bin ohne Navi einfach ziellos losgefahren“, behauptete der 24-Jährige im Prozess. In Herne angekommen („Eigentlich dachte ich, ich bin in Oberhausen“), habe er „fünf bis sieben Bier“ und dazu Wodka in sich hineingeschüttet und sei dann spazieren gegangen. Dann sei er plötzlich von der Polizei festgenommen worden.

Mit Blick auf seine nachweisliche Alkoholisierung (2,3 Promille) ließen die Bochumer Richter am Ende Milde walten und gewährten eine Bewährungschance. Das Urteil lautet auf Raubversuch und Körperverletzung.

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