Raphael Brinkert, 44-jähriger Werbe-Manager aus Haltern am See, ist verantwortlich für die Werbekampage zur Bundestagswahl von SPD und Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Und abgeneigt, dem FC Schalke 04 aus seiner tiefen Krise zu helfen, ist er auch nicht. © Foto: Brinkert
Kampf ums Kanzleramt

Raphael Brinkert: Der Mann aus Haltern, der Olaf Scholz zum Bundeskanzler machen soll

Sollte Olaf Scholz Bundeskanzler werden, dürfte ein Mann aus Haltern mitverantwortlich sein: Raphael Brinkert. Der hat früher für Angela Merkel gearbeitet und ist glühender Schalke-04-Fan.

Im Frühjahr hätte man noch gesagt, das ist ein Projekt aus der Kategorie „Mission impossible“, ein hoffnungsloser Fall. Im Februar lag die CDU bei 36 Prozent, die Grünen erreichten 19 und die SPD kam grade mal auf 15 Prozent. Nur dritter Platz für die Genossen. Die Chance aufs Kanzleramt tendierte gegen Null.

Drei Monate später, Anfang Mai, dümpelte die SPD weiter mit 15 Prozent im tiefen Keller herum. Nur CDU (24) und Grüne (26) hatten die Plätze getauscht. Olaf Scholz im Kanzleramt? Selbst in der SPD hätten das seinerzeit nur hoffnungslose Optimisten für möglich gehalten.

Brinkert sagt: „Olaf Scholz wird Bundeskanzler“

Einer dieser Optimisten war und ist Raphael Brinkert (44). „Ich bin überzeugt: Olaf Scholz wird Bundeskanzler“, sagt der Mann, der aus Haltern kommt und dort bis heute tief verwurzelt ist, auch wenn er auf St. Pauli in Hamburg wohnt. Im vergangenen Jahr gewann er mit seiner Agentur die Ausschreibung für die Werbekampagne der SPD für die Bundestagswahl und die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz. Ausgerechnet Raphael Brinkert, der noch im Jahr 2019 exakt diese Aufgabe für Angela Merkel zur Europawahl durchaus erfolgreich gemeistert hatte und bereits 2017 an ihrer Wahlkampagne zur Bundestagswahl beteiligt war.

Damals war Brinkert noch Mitglied der CDU. Das änderte sich, als im Februar 2020 in Thüringen der FDP-Politiker Thomas Kemmerich von CDU und FDP, aber auch mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. „Nach dem Tabu-Bruch in Thüringen bin ich aus der CDU ausgetreten. Ich möchte mit der Werteunion oder mit Kandidierenden wie Hans-Georg Maaßen nichts zu tun haben. Nach dem Rücktritt von Angela Merkel als Parteivorsitzende gab es in der CDU einen Rechtsruck, den ich zutiefst bedauerlich finde“, sagt Brinkert im Gespräch mit unserer Redaktion.

Erst Mitglied der CDU, jetzt der SPD

Inzwischen ist Brinkert Mitglied der SPD und das durchaus als Überzeugung, denn: „Ich bin ein klassischer Mitte-Wähler, habe national Merkel, aber lokal in Hamburg Olaf Scholz gewählt. Bei der Sozialdemokratie gefällt mir der Gemeinwohl-Ansatz sehr gut. Wir alle profitieren davon, wenn es allen Menschen in unserem Land gut geht.“

Dass Brinkert und seine Agentur den Auftrag der SPD für die Werbekampagne erhalten haben, dürfte allerdings weniger mit seinem Parteiwechsel zu tun haben, als mit dem exzellenten Ruf seiner Agentur in der Branche. Begonnen hatte seine Agenturtätigkeit zusammen mit Christoph Metzelder, seinem Freund aus Haltern. Nach dem Beginn der Ermittlungen gegen sich war Metzelder aus der gemeinsamen Agentur ausgeschieden.

Die Agentur floriert ganz offensichtlich auf vielen Gebieten. „Neben klassischer Werbung für Sixt und Zalando haben mich immer Sportthemen und gesellschaftliche Kommunikation interessiert, so etwa für die DFB-Stiftungen, die Robert-Enke-Stiftung oder auch Kampagnen für die Menschenrechte oder gegen Rechts“, sagt Brinkert.

Noch immer besteht ein enger Kontakt nach Haltern

Dabei hat Brinkert immer den Kontakt zu seiner Heimatstadt Haltern aufrecht gehalten: „Ich bin oft hier in Haltern am See, sehr gerne übers Wochenende mit meinen Kindern. Meine Eltern und mein Bruder haben hier Bäckereien, ich habe viele Freunde hier. Beim TuS habe ich ja in allen Jugendmannschaften gespielt, der Kontakt zu Haltern am See ist nie abgerissen.“ Bis heute setzt er sich für seinen Stammverein ein: „Ich bin seit vielen Jahren der Strategie- und Marketing-Chef des TuS, der mit dem Bilbao-Konzept erst im letzten Jahr landesweit für Aufsehen gesorgt hat.“

Doch zurück zur SPD: Dass die Situation im Frühjahr nicht gerade Anlass zu Optimismus für die SPD gegeben hat, habe ihn nicht entmutigt. Der SPD stünden in diesem Jahr nur 15 Millionen Euro für den Wahlkampf zur Verfügung, 10 Millionen weniger als vor vier Jahren.

„Da wir das Geld nur einmal ausgeben können, war uns klar, dass sich alles auf die letzten 10 Wochen konzentrieren wird. Dieser Plan geht sehr gut auf“, sagt Brinkert, der den Auftrag seiner Agentur so umschreibt: „Wir sind die Kreativ-Agentur und kümmern uns neben der strategischen Beratung insbesondere um das ganzheitliche Erscheinungsbild, um klassische Werbung wie Plakate, Anzeigen, Werbefilme oder auch Social Media-Ideen.“

Mehrfach am Tag Kontakt mit Generalsekretär Lars Klingbeil

All das laufe in enger Abstimmung mit der Parteispitze: „Ich telefoniere oder simse eigentlich mehrfach am Tag mit Lars Klingbeil, dem Wahlkampfchef der SPD. Mit den beiden Vorsitzenden und Olaf Scholz haben wir regelmäßige Jour Fixes und diverse Veranstaltungen.“

Brinkerts erste Grundsatzentscheidung betraf die Farbe Rot. „Für uns ist es elementar, dass wir das klassische SPD-Rot wieder aus den Balkendiagrammen befreien und zurück ins Leben holen. Rot ist endlich wieder der Markenraum der SPD“, sagt Brinkert. Daher leuchtet bundesweit jetzt von jedem SPD-Plakat das knallige Rot.

Auch als die SPD und Scholz hoffnungslos im Hintertreffen gelegen hätten, sei er entspannt geblieben, sagt Brinkert. Er habe immer auf eine Wende gehofft, denn: „Erst seit die ersten Plakate hängen, wird den Menschen bewusst, dass sie Angela Merkel nicht mehr wählen können. Deshalb war es uns von Anfang an wichtig, Klarheit und Orientierung im Wahlkampf zu schaffen. Die alles entscheidende Frage lautet: Wer folgt auf Angela Merkel? Es ist nicht nur eine Parteien-, sondern insbesondere auch eine Persönlichkeitswahl. Und da geben wir mit Olaf Scholz die kompetenteste Antwort.“

Keine Entschuldigung für die Fehler der anderen

Dass die wachsende Stärke der SPD und ihres Kanzlerkandidaten auch mit der Schwäche der anderen zusammenhänge, kommentiert Brinkert ziemlich abgeklärt: „Für die Fehler, die andere Kandidaten machen, werden wir uns nicht entschuldigen.“ Er ist sicher, dass die SPD selbst aus ihren Fehlern, die sie 2017 gemacht habe, gelernt hat: „Olaf Scholz verkörpert Kompetenz, Erfahrung und Respekt. Außerdem demonstriert die SPD eine große Geschlossenheit.“

Wenn Olaf Scholz es tatsächlich bis ins Kanzleramt schaffen sollte, hätte Raphael Brinkert seinen Anteil daran. Aktuell stehen die Chancen nicht schlecht. Die SPD liegt bei 25, die CDU bei 22 Prozent und die Grünen stehen bei 16 Prozent.

Erst das Kanzleramt und dann Schalke 04?

Den Wahlabend wird Raphael Brinkert im Willy-Brandt-Haus in Berlin verbringen. Gut möglich, dass er sich nach der Wahl einem anderen Herzensthema widmen wird: seinem Lieblingsverein Schalke 04. Bei den Knappen ist er seit 2005 Mitglied. Einst gründete Brinkert die Facebook-Seite des FC Schalke 04 und übergab sie dann mit 300 Millionen Interaktionen an den Verein.

„Der Abstieg hat mich natürlich betroffen gemacht“, sagt Brinkert, „aber jetzt ist nicht die Zeit, den verlorenen Chancen hinterher zu trauern, sondern aus dem Abstieg die richtigen Schlüsse für eine wirtschaftlich solide und sportlich erfolgreiche Zukunft zu ziehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies dem Verein gelingt. Mit der Zukunftself standen wir dem Verein in dieser schwierigen Zeit zur Seite. Natürlich werden wir, werde ich, dies auch in Zukunft machen. Aber bis zum 26. September haben wir erst einmal noch eine nicht minder größere Aufgabe zu lösen.“

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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