Ein negativer Coronatest ist in zahlreichen Städten inzwischen eine Voraussetzung, um in den Genuss von Vorteilen etwa beim Einkauf zu kommen. Jetzt taucht immer öfter die Frage auf: Reicht es nicht, geimpft zu sein? Ersetzt die Impfung den Test? © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Coronavirus

Reicht ein Impfnachweis statt eines negativen Coronatests? Ministerium beantwortet heikle Frage

Müssen sich Menschen, die bereits gegen Corona geimpft wurden, trotzdem testen lassen, um die Vorteile für Menschen mit einem negativen Test genießen zu können? Die Frage ist heikel.

Wenn in einem Landkreis oder in einer kreisfreien Stadt in Nordrhein-Westfalen die 7-Tages-Inzidenz drei Tage hintereinander über 100 liegt, greift die Notbremse. Dann können sich die Kommunen entscheiden: Entweder ein Lockdown, bei dem die seit dem 8. März geltenden Lockerungen wieder rückgängig gemacht werden, oder die „Testoption“.

„Testoption“ bedeutet: Die Lockerungen bleiben bestehen, allerdings nur für Kunden, Besucher oder Nutzer, die einen tagesaktuellen negativen Coronatest vorweisen können. In dem Fall können dann Menschen beispielsweise Museen besuchen oder Termine zum Einkaufen vereinbaren.

Mit dem Fortschreiten der Impfungen stellt sich für immer mehr Menschen die Frage: Müssen Geimpfte auch noch einen Schnelltest vorweisen oder reicht ein Impfnachweis, um in den Genuss solcher Lockerungen zu kommen? Wir haben diese Frage dem Gesundheitsministerium in Düsseldorf gestellt.

Von dort erhielten wir folgende Antwort: „Die Aussagen und Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Schutzwirkung einer vollständigen Impfung für mögliche Kontaktpersonen der Geimpften sind durchaus komplex und nicht frei von Klärungsbedarf. Da es sich um eine sehr grundsätzliche Frage mit weitreichenden Folgen für die kommenden Monate handelt, dauert die Prüfung noch an, in welcher Weise schon jetzt Änderungen in der geltenden Coronaschutzverordnung aufgenommen werden.“

Das bedeutet im Klartext: Derzeit brauchen auch Geimpfte noch einen negativen Schnelltest, um die Vorteile für Getestete genießen zu können. Ein Impfnachweis, einerlei ob über die erste oder zweite Impfung reicht aktuell noch nicht aus.

Allerdings lässt sich aus der Antwort der Landesregierung auch ablesen, dass hinter den Kulissen offenbar intensiv darüber nachgedacht wird, welche Vorteile Geimpfte außer dem Schutz vor einer eigenen Erkrankung noch haben sollen. Hier geht es dann letztlich nicht nur um die Frage des Testens, sondern um sehr viel grundsätzlichere Themen.

Darf man Freiheitsrechte einschränken, wenn keine Gefahr mehr besteht?

Da steht auf der einen Seite die Frage: Darf man die im Grundgesetz garantierten Freiheitsrechte von Geimpften weiter einschränken, wenn von ihnen keine oder nur noch eine sehr geringe Gefährdung der Allgemeinheit ausgeht?

Auf der anderen Seite lautet die Frage: Darf der Staat meine Freiheitsrechte – anders als bei Geimpften – weiterhin einschränken, ohne dass er mir aufgrund seiner Priorisierungsstrategie auch nur die Chance gibt, mich selbst impfen zu lassen?

Muss der Staat also aus Gründen der Gleichbehandlung mit der Privilegierung von Geimpften warten, bis alle zumindest eine Impf-Chance haben? Oder muss er die Beschränkung der Freiheitsrechte von Geimpften sofort aufheben, eben weil es um eklatante Eingriffe in die Grundrechte eines jeden geht. Man darf gespannt sein, wie die Richter in dieser Frage entscheiden werden.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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