Das Foto zeigt den Angeklagten neben seinem Verteidiger Heinz-Hermann Mues. © Jörn Hartwich
Prozess

Schuss gelöst: Sportschütze nach Todesdrama verurteilt

Ein zweifacher Vater stirbt – getroffen von einer Kugel, die seine Lunge durchschlägt. Jetzt ist einer seiner besten Freunde verurteilt worden: ein Sportschütze aus Recklinghausen.

Nach dem tragischen Tod eines zweifachen Vaters aus Recklinghausen ist ein Sportschütze am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 59-Jährige hatte in die Waffe seines Freundes gegriffen. Dabei hatte sich ein Schuss gelöst.

Tatort war eine Garage in Recklinghausen. Der Angeklagte hatte sich dort eine Art Hobbyraum eingerichtet – mit Fernseher, Kühlschrank, Sesseln. Es lief gerade ein Tatort, als das spätere Opfer auftauchte.

Beide Männer waren im Schießverein

Die beiden Männer kannten sich aus dem Schießverein, der 47-Jährige war allerdings erst kurz dabei. „Ich habe ihn auf die Sachkundeprüfung vorbereitet“, sagte der Angeklagte den Richtern am Amtsgericht Recklinghausen.

Was dann passierte, kann nur als Albtraum bezeichnet werden. Laut Urteil holte das spätere Opfer eine entsicherte Pistole aus einem Beutel, hielt sie in Richtung des Angeklagten. Der blickte direkt in den Lauf. „Ich war in Panik“, hieß es in einer von Verteidiger Heinz-Hermann Mues verlesenen Erklärung. „Ich habe die Waffe reflexartig genommen, wollte sie in eine sichere Richtung drehen.“ Doch dann habe sich plötzlich ein Schuss gelöst.

Der 47-Jährige erlitt einen Durchschuss der Lunge

Der Angeklagte erlitt einen Durchschuss der linken Hand, der 47-Jährige einen Durchschuss der Lunge. Außerdem wurde die Brustschlagader getroffen. „Ich habe ihn auf den Rücken gelegt, er sah mich mit weit aufgerissenen Augen an“, so der 59-Jährige. „Diesen Anblick werde ich nie vergessen.“ Manchmal denke er sogar, dass es besser gewesen wäre, wenn er selbst getroffen worden wäre. „Die Bilder gehen mir nicht mehr aus dem Kopf, ich habe ständig Albträume.“

Die Tatwaffe entspricht einem Modell, dass auch von der Polizei benutzt worden ist. Die Herkunft ließ sich nicht mehr ermitteln. Die Seriennummer war entfernt worden. Es war auch nicht die einzige illegale Waffe, die der 47-Jährige bei sich gehabt haben soll. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung wurde auch eine Flinte samt Munition gefunden.

Kinder ohne Vater

Die Richter warfen dem Angeklagten vor, nicht besonnen genug reagiert zu haben. Laut Urteil hätte er das spätere Opfer auffordern müssen, die Waffe auf den Boden zu legen, statt hineinzugreifen.

Nach der Tat hatte der Angeklagte sofort Kontakt zu der Familie des 47-Jährigen aufgenommen und auch sofort 2000 Euro bezahlt – für die Beerdigung. Die Kinder (drei und sechs Jahre alt), die im Prozess von Anwalt Thomas Schwieren vertreten wurden, sind wohl über die Haftpflichtversicherung des Angeklagten abgesichert.

Der 59-Jährige hatte gehofft, nicht verurteilt zu werden, weil nicht klar sei, wer überhaupt an den Abzug gekommen sei. Dem folgten die Richter jedoch nicht.

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