Landgericht Essen

Schweigen vor Gericht: Brutaler Raubüberfall gibt Rätsel auf

Ein Mann wird auf eine Kreuzung gejagt, brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt. Die Täter flüchten. Ob jetzt die richtigen Männer vor Gericht stehen, ist allerdings unklar.
Zwei Männer sind wegen eines schweren Raubüberfalls angeklagt worden. Die Hintergründe der Tat sind unklar.
Zwei Männer sind wegen eines schweren Raubüberfalls angeklagt worden. Die Hintergründe der Tat sind unklar. © Jörn Hartwich

Die Polizei war den Tätern schon auf den Fersen, musste die Verfolgungsfahrt dann aber doch abbrechen. Die Beamten hatten den Fluchtwagen in der Innenstadt von Bottrop aus den Augen verloren. Ob jetzt die richtigen Männer vor Gericht stehen, ist unklar. Was ihnen vorgeworfen wird, hat es allerdings in sich: Es geht um einen brutalen Raubüberfall auf offener Straße – mit einem Teleskopschlagstock und mit Reizgas.

Die Tat geht zurück auf den 2. März letzten Jahres. Die Staatsanwaltschaft hat keinen Zweifel, dass die beiden 25-Jährigen damals einen Gleichaltrigen in Bottrop auf eine Kreuzung gejagt, geschlagen und ausgeraubt haben. Beute laut Anklage: eine Goldkette und eine Handtasche. Mit Geständnissen ist im Prozess am Essener Landgericht allerdings nicht zu rechnen. Einer der Angeklagten schweigt komplett, der andere ließ seine Verteidigerin am Freitag erklären, dass er damals gar nicht vor Ort war. „Er kommt als Täter nicht in Betracht“, so die Anwältin.

Gesicht genau eingeprägt

Einer der 25-Jährigen wird allerdings schwer belastet. Ein Augenzeuge hatte die Prügelszenen damals aus seinem Auto heraus beobachtet. Der Mann war sogar ausgestiegen, um einen der bereits flüchtenden Täter zur Rede zu stellen. Was allerdings fehlschlug. Das Gesicht des Mannes will er sich damals allerdings genau eingeprägt haben.

Bei der Polizei hat er einen der Angeklagten auf einem Foto dann auch zu 95 Prozent identifiziert. Unsicher war er nur, weil es auch noch ein anderes Bild gab, das einen ziemlich ähnlichen Mann zeigte – mit einem etwas anderen Haarschnitt. Dieses Bild war allerdings am Computer entstanden und zeigte keine reale Person. Auch im Prozess war sich der Zeuge sicher. „Der Stabilere der beiden wars“, sagte er den Richter, um dann noch hinterherzuschieben: „Ich kann mir Gesichter gut merken.“

Flucht über rote Ampeln

Genau wie die Polizei war auch er dem Fluchtwagen hinterhergefahren, in den mindestens einer der Täter eingestiegen war. Was offenbar ziemlich halsbrecherisch war. Die Fahrt ging über rote Ampeln und die Gegenfahrbahn. Auch der 33-Jährige hatte den Wagen damals allerdings kurz aus den Augen verloren. „Ich bin eine Seitenstraße zu spät abgebogen.“ Als er das Auto wieder vor sich hatte, saß nur noch der Fahrer drin.

Die Ermittlungen hatten die Polizei damals offenbar auch in die Drogenszene geführt. In der Wohnung des nicht angeklagten Fahrers war eine größere Menge Bargeld und weißes Pulver gefunden worden. „Nach einem Schnelltest war das Kokain“, so einer der Beamten im Prozess.

Opfer nicht erschienen

Das Opfer hatte damals eine Platzwunde am Kopf und Schürfwunden erlitten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Außerdem waren die Augen extrem gereizt. Interesse am Prozess hat der Mann aber wohl nicht. Statt vor Gericht zu erscheinen, hatte er den Richtern eine kurze Nachricht geschickt: Er sei auf Reisen.

Die Hintergründe der Tat sind völlig unklar. Den Raub hat offenbar auch niemand beobachtet. Nur die Schläge.

Der Prozess wird fortgesetzt. Mit den Urteilen ist voraussichtlich in der zweiten Maihälfte zu rechnen.

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