BVB-Trainer Marco Rose muss im Trainingslager in Bad Ragaz personell improvisieren. © Inderlied / Kirchner-Media
Borussia Dortmund

Jugend forscht beim BVB: Marco Rose will aus der Not eine Tugend machen

Zum Start des BVB-Trainingslagers in Bad Ragaz muss Marco Rose personell improvisieren. Jugend forscht bei Borussia Dortmund. Der Trainer will aus der Not eine Tugend machen.

Es gib Regeln im Fußball, die gelten eben nicht nur im Amateurbereich, sondern auch im Profigeschäft. Eine davon: Die jungen Spieler kümmern sich um das Equipment, sie sammeln die Bälle ein, sie tragen die Tore. So ist das auch beim BVB. Schon immer. Nur so viele Hände wie aktuell haben wohl noch nie mit angepackt, wenn es um diese Aufgaben geht.

Sechs Jugendspieler verstärken den BVB-Kader in Bad Ragaz

Am Freitag ist der BVB im Trainingslager in Bad Ragaz angekommen. Dort, wo Borussia Dortmund sich zum elften Mal auf eine Saison vorbereitet. Und dennoch ist es für viele, die bei der Ankunft am Mannschaftshotel „Grand Resort Bad Ragaz“ aus dem Bus aussteigen, das erste Mal hier. Der Kader des DFB-Pokalsiegers ist – aufgrund der noch im Urlaub weilenden EM-Spieler – aktuell noch gespickt mit vielen unbekannten Gesichtern.

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Bad Ragaz, Tag 1: Die erste BVB-Einheit in der Schweiz

Neben den angestammten Profis wie Kapitän Marco Reus, Julian Brandt oder Erling Haaland sind aus der U23 Albin Thaqi, Lennard Maloney und Antonios Papadopoulos mit dabei, aus der U19 hat BVB-Trainer Marco Rose neben Göktan Gürpüz, der seit Beginn der Vorbereitung zum Profi-Kader gehört, noch fünf weitere Jugendspieler nominiert: Jamie Bynoe-Gittens, Tom Rothe, Noah Mrosek, Colin Kleine-Bekel und Dennis Lütke-Frie. Und auf die wartet in der Schweiz viel Arbeit – nicht nur in Sachen Toretragen.

BVB-Trainer Marco Rose legt Wert auf Genauigkeit

Bei der ersten Trainingseinheit auf dem Sportplatz „Ri Au“, wunderbar gelegen inmitten des Schweizer Alpenpanoramas, sind die Jungs aber zunächst unter sich. Denn das, was beim lockeren Aufwärmen auf dem Platz zu sehen ist, ist wohl das Paradebeispiel für Grüppchenbildung. Dort die Profis, die den Ball durch die Reihen laufen lassen, da die U23, ganz vorne die Jugendspieler.

Auch in den ersten Spielformen das gleiche Bild. „Jugend forscht“ bleibt unter sich, die U23, verstärkt durch die ehemaligen Kollegen Ansgar Knauff und Steffen Tigges, dann die Profis rund um Mahmoud Dahoud, Nico Schulz, Giovanni Reyna und Co. Ein paar Passstafetten. Nichts Wildes. Marco Rose lässt es an diesem Nachmittag – vermutlich auch wegen der hohen Temperaturen – locker angehen. Wert auf Genauigkeit legt er trotzdem. Immer wieder mal unterbricht er, gibt Anregungen und Verbesserungen mit. Besonders den jungen Spielern.

Die neue Saison beginnt für den BVB in zwei Wochen im DFB-Pokal

Schließlich sollen sie in der Schweiz langsam und behutsam an die Profis herangeführt werden. Das dürfte neben der Entwicklung einer gewissen, ganz grundsätzlichen Spielidee die wohl größte Aufgabe für den neuen BVB-Trainer sein.

Denn der 44-Jährige wird sich bewusst sein, dass diese Spieler, zumindest einige von ihnen, in den kommenden Wochen durchaus wichtig werden könnten. Nicht nur mit Blick auf die Testspiele gegen Athletic Bilbao Samstag in St. Gallen (17 Uhr) und am kommenden Freitag im österreichischen Altach gegen den FC Bologna (17 Uhr) – sondern eben auch für die erste DFB-Pokalrunde am 7. August beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden.

Maloney und Papadopoulos machen beim BVB auf sich aufmerksam

Manuel Akanji und Emre Can stoßen erst im Laufe des Trainingslagers dazu, der Einsatz von Mats Hummels ist aufgrund der Patellasehnen-Reizung weiterhin fraglich und Nachwuchshoffnung Nnamdi Collins fällt verletzt aus. Heißt: In der Defensive ist Kreativität gefragt.

Zwei, die dafür beim Trainingsauftakt in der Schweiz ihren Hut in den Ring geworfen haben, sind Lennard Maloney und Antonios Papadopoulos. In der Abschlussspielform, in der dann die Mannschaften wild gemischt sind, schieben sie klug von links nach rechts, machen Wege dicht, schalten sich offensiv ein, halten sogar gegen die Urgewalt eines Erling Haalands gut dagegen und sind extrem lautstark.

Für die BVB-Spieler geht es mit dem Fahrrad zurück zum Hotel

Zumindest auf dem Rasen. Neben dem Platz ist vor allem der Grieche eher ein Mann der leisen Töne. „Hallo, ich bin der Papa“, sagt er fast schon schüchtern zu BVB-Stadionsprecher Nobby Dickel und reicht ihm die Hand. Der fängt nur an zu schmunzeln. „Das weiß ich doch“, sagt er. Den Namen hat er sich schließlich spätestens nach dem couragierten Auftritt des 23-Jährigen beim Test gegen den VfL Bochum gemerkt. Und das sollten die BVB-Fans vermutlich auch. Das Tor musste er – zusammen mit den vielen anderen jungen Spielern – am Ende trotzdem tragen.

Mit dem Fahrrad geht es für die Spieler zurück ins Hotel, vorbei an einigen Fans, die trotz der Bitte des Vereins, zuhause zu bleiben, extra nach Bad Ragaz gekommen sind. Zu groß ist offensichtlich die Sehnsucht nach dem BVB. Autogramme gibt es aus coronabedingten Gründen zwar nicht, dafür aber Bilder von radelnden Fußballprofis. Und von Gesichtern, die sie bislang vielleicht noch nicht kannten.

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