Verlassen Schalke nach einem halben Jahr wieder: Klaas-Jan Huntelaar (l.) und Sead Kolasinac. © dpa

Alternativlose Entscheidung: Schalke zahlt jetzt seine Wettschulden

Mit Kolasinac und Huntelaar in die Zweite Liga - das wäre was gewesen. Dass daraus nun nichts wird, ist der Preis für Fehler, die Schalke schon vor ein paar Jahren gemacht hat.

Wettschulden sind Ehrenschulden, weiß der Volksmund, insofern konnte die Nachricht, dass Klaas-Jan Huntelaar und Sead Kolasinac den FC Schalke 04 nun doch wieder verlassen werden, nicht mehr wirklich überraschen. Denn im Prinzip bezahlt Schalke damit die Wettschulden der Vergangenheit. Die Entscheidung ist also tatsächlich alternativlos.

Schalke hat jahrelang im großen Stil Geld ausgegeben, das man hoffte, irgendwann auch wieder einzunehmen. Das ging gut, solange der Klub europäisch spielte. Als die Europa-Einnahmen ausblieben, geriet das Kartenhaus schon ins Wanken, der Brandbeschleuniger Corona ließ es dann völlig in sich zusammenfallen. Schalke hatte die Wetten auf die Zukunft verloren – mit der Konsequenz, dass sich der Verein Spieler wie Huntelaar und Kolasinac selbst dann nicht mehr leisten kann, wenn diese bereit sind, auf die ganz üppigen Gehälter zu verzichten.

Zwei Beispiele des Wahnsinns

Wobei man da natürlich relativieren muss: Während Huntelaars Verbleib auf Schalke gar nicht mal als völlig unrealistisch erschien, muss bei Kolasinac die besondere Vertragskonstellation berücksichtigt werden. Er ist von Arsenal London nur ausgeliehen, kann dort in seinem nächsten Vertragsjahr angeblich bis zu neun Millionen Euro verdienen. Da müsste er – bei aller Liebe zum FC Schalke 04 – schon in dieser Branche höchst ungewöhnliche Abstriche machen. Kolasinac soll schon bei seiner Rückkehr nach Schalke auf viel Geld verzichtet haben, das ihm im Prinzip zugestanden hätte – da spielt es überhaupt keine Rolle, ob solche Gehälter überhaupt noch etwas mit der realen Welt außerhalb der Blase Profi-Fußball zu tun haben.

In welchen Dimensionen Schalke jahrelang auf eine sportlich erfolgreiche Zukunft gezockt hat, legte nun der „Kicker“ offen. Nur zwei Beispiele, man könnte noch mehr aufzählen: Mark Uth soll bei seinem Wechsel von Hoffenheim nach Schalke im Jahr 2018 ein Handgeld von sechs Millionen Euro bekommen haben, sein Berater immerhin noch drei Millionen Euro. Die Wechsel-Vokabel „ablösefrei“ relativiert sich so deutlich. Und Matija Nastasic soll – natürlich noch zusätzlich zu seinem kolportierten Jahresgehalt in Höhe von 3,5 Millionen Euro – eine Punktprämie (!) von 30.000 Euro in seinem Vertrag stehen haben.

Vorstand ist zur Vernunft gezwungen

Wo der Wahnsinn regiert, wird der Zwang zur Vernunft am Ende immer größer. Zu dieser Vernunft ist Schalkes amtierender Vorstand um Sportchef Peter Knäbel und Finanzchefin Christina Rühl-Hamers nun gezwungen. Mit einer bemerkenswerten Offenheit begründete Knäbel die Entscheidung der Trennung von Huntelaar und Kolasinac damit, dass Schalke sich die beiden Spieler schlichtweg nicht leisten kann.

Nun haben zwar auch Kolasinac und der lange verletzte Huntelaar im Abstiegskampf keine Bäume mehr ausreißen können, aber eine Zweitliga-Saison mit Spielern dieser Kategorie hätte trotzdem ihren ganz besondere Charme gehabt, nicht nur aus nostalgischen Gründen (dafür ist nun wirklich kein Geld mehr da…). Es wäre auch ein unmissverständliches Signal gewesen, dass es für Schalke im Unterhaus nur eine Richtung geben kann: Nach oben – und zwar sofort. Nun müssen das andere Spieler richten. Spieler, die sich Schalke trotz der hohen Wettschulden noch leisten kann.

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