Schalke-Fans in der Arena. © Tim Rehbein/RHR-FOTO
Schalke-Kolumne

„Bella Ciao“ – Sturzbesoffen für dich singen

Ein Lied aus Champions-League-Tagen ist der Soundtrack von Schalkes Zweitligasaison. Über Gesänge von Porto bis nach Paderborn.

In dieser Woche startete die Champions League in ihre neue Saison – und der FC Schalke war nicht dabei. Das hat plausible Gründe, weil selten Zweitligisten an den Start gehen. Aber es gab mal eine Zeit, in der die königsblauen Anhänger nach der Auslosung fast schon seufzten: „Oh man, schon wieder Chelsea.“

Schalke war häufig Gast in der Königsklasse. Was wie ein Satz aus längst vergangenen Zeiten klingt, ist gerade einmal drei Jahre her. Damals spielte der S04 in der Gruppenphase gegen Istanbul, Moskau und Porto. Vor der Partie in Portugal spielten Straßenmusiker den Bonnie Tyler-Hit „It’s a heartache“ und beseelte Fans sangen dazu: „Wir sind Schalker, asoziale Schalker.“

Am Abend, in der Discostraße von Porto, hörte ich erstmals einen Gesang, der noch heute in der zweiten Liga eine besondere Note besitzt. Im Prinzip kam in Porto der Soundtrack zur diesjährigen Schalker Saison auf.

Bei „Bella ciao“ singt plötzlich der halbe Club

In einer Disco spielte der DJ den Klassiker der italienischen Partisanenbewegung im Zweiten Weltkrieg, der durch die Serie „Haus des Geldes“ jüngst wieder populär wurde: „Bella Ciao“. Die Besucher tanzten und klatschten, bis der Refrain einsetzte, Dutzende Arme in die Höhe flogen und gut die Hälfte des Clubs anstimmte: „Der FC Schalke wird Deutscher Meister – und wir holen den Pokal“.

Die Einheimischen wunderten sich, wie viele Deutsche die Tanzfläche bevölkerten und was diese da von sich gaben. Die Prophezeiung des Doubles war herrlich ironisch-übertrieben. Allein der DJ fand nicht viel Gefallen daran, weigerte er sich doch in der Folge, noch einmal „Bella Ciao“ oder „It’s a heartache“ aufzulegen. Verwunderlich, warum in einem hippen Laden in Porto plötzlich nicht mehr Bonnie Tyler aus den Boxen dröhnen durfte.

Beim folgenden Champions-League-Auswärtsspiel der Schalker in Manchester setzte es eine deftige 0:7-Klatsche. Schalke spielte mittlerweile gegen den Abstieg und eine Gruppe von jungen Fans stimmte auf den Treppenabgängen eine neue Version des Gesangs an: „Der FC Schalke wird Deutscher Meister – und nächstes Jahr in Liga zwei“. Dazu sangen sie in den Strophen: „Wir fahren nach Dresden, wir fahren nach Bochum und in Kiel werden wir in die Ostsee springen. Und auf St. Pauli im Rotlichtviertel sturzbesoffen für dich singen.“

„Das nenne ich mal geilen Humor“

Ein Video davon kursierte im Netz; seinerzeit zeigte es mir in Berlin selbst ein eingefleischter Hertha-Fan mit den Worten: „Das nenne ich mal geilen Humor.“

Huub Stevens‘ Team wendete damals mit einem Derbysieg den Abstieg ab. Nach dem Klassenerhalt 2019 folgten ein Zwischenhoch unter Trainer David Wagner und dann der komplette Zusammenbruch. Schalke fährt nun nach Dresden, konnte schon in Kiel in die Ostsee springen und im Dezember auf St. Pauli singen. Aus Spaß wurde ernst. Doch dieser Gesang reiht sich wunderbar in die Riege selbstironischer Lieder wie „Keine Kohle auf der Bank, Manuel Neuer weggerannt – scheißegal, wir ham Raul“.

Und am Sonntag nach dem 1:0 in Paderborn sang der Gästeblock: „Der FC Schalke wird Deutscher Meister – und wir holen den Pokal.“ Meister kann man schließlich auch in der Zweiten Liga werden und im Pokal ist Schalke noch dabei.

Über den Autor
Freier Journalist
Wuchs im Ruhrgebiet auf, studierte in Münster und arbeitete dann in Berlin zehn Jahre beim „Tagesspiegel“ und für „11Freunde“. Sein größtes berufliches Ziel bleibt ein ausführliches Interview mit Jiri Nemec. Hier schreibt der freie Journalist wöchentlich über Schalke 04.
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Ron Ulrich

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