Rolf Haselhorst bewirbt sich für den Aufsichtsrat. © Schalke 04

Bergmann, Manager, Student und bald Schalker Aufsichtsrat?

Am 13. Juni gibt es eine Premiere mit der ersten digitalen Schalker Mitgliederversammlung. Fünf Aufsichtsräte werden neu gewählt. Mit Rolf Haselhorst kandidiert auch ein gelernter Bergmann.

Das Interesse war gewaltig: Nicht weniger als 28 Herren hatten sich für den Schalker Aufsichtsrat beworben, der am 13. Juni auf der ersten digitalen Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 ein neues Gesicht erhält. Fünf Aufsichtsräte müssen neu gewählt. Einer von zehn Kandidaten, der vom Schalker Wahlausschuss für gut befunden wurde, ist Rolf Haselhorst.

Nach welchen Kriterien der Wahlausschuss den Daumen hebt oder senkt, bleibt immer ein großes Geheimnis. Bei Rolf Haselhorst liegt die Vermutung nahe, dass sein Lebenslauf das Gremium durchaus beeindruckt haben könnte. Denn darin spiegeln sich viele Bausteine, die gerade auf Schalke ihre Bedeutung haben, um in den Aufsichtsrat gewählt zu werden.

Aufgewachsen an einer Kultstätte

Da ist zum einen die Herkunft des gebürtigen Gelsenkircheners, der in der Nähe der Glückauf-Kampfbahn aufwuchs, wo sein Onkel auf der heutigen Schalker Meile eine Gaststätte betrieb. Damit war für Haselhorst früh vorgezeichnet, dass „sein“ Verein nur der FC Schalke 04 sein konnte.

Dann die erste berufliche Orientierung als Bergmann und das Studium des Bergbaus. Wer solche Wurzeln vorweisen kann, wird auf Schalke meistens schnell respektiert. Dass die Historie bei diesem Bundesligisten eine besondere Rolle spielt, das zeigt das Vorprogramm vor jedem Schalker Heimspiel vor der Corona-Pandemie. „Ich weiß, wie die Menschen in Gelsenkirchen ticken und wie sie gelitten haben durch den Abstieg“, sagt der 62-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung.

Manager bei der BASF

Gewiss nicht schaden können bei einem Sitz im Aufsichtsrat gewisse Management-Fähigkeiten und Finanzkenntnisse, zumal in der aktuell prekären wirtschaftlichen Situation der Königsblauen. In dieser Hinsicht war Haselhorst zuletzt Leiter des Standortmanagements der Standorte der BASF in Europa.

Nach seinem Ausscheiden hat er die freie Zeit genutzt, um noch einmal zu studieren. Und auch dabei spielt der FC Schalke 04 eine Rolle. Der Aufsichtsrats-Kandidat studiert in St. Gallen Sportmanagement und beendet bald seine Abschlussarbeit zum Thema: „Markenentwicklung des FC Schalke 04“ .

Fan-Beirat eine Notwendigkeit

Schalke lässt den Mann also nicht los. Im Hintergrund hat er für seinen Herzensclub bereits beratend gearbeitet. Aktuell hat er einen Kreis von Fachleuten aus der Industrie gebildet, der Schalke bei der Aufstellung eines Nachthaltigkeitskonzeptes – insbesondere für soziale und ökologische Maßnahme – Hilfe bietet. Dies ist erforderlich, weil die Deutsche Fußball-Liga zukünftig Nachhaltigkeitsmaßnahmen als Voraussetzung der Lizenzerteilung fordert.

Sollte Haselhorst von den Mitgliedern gewählt werden, sind für ihn zwei Dinge sehr wichtig. Da sind zum einen die Schalker Fans. Nach seiner Meinung reicht der bisherige Meinungsaustausch zwischen Entscheidungsträgern des Vereins und den Anhängern nicht aus.

„Gelebte Mitbestimmung“

Sein Vorschlag: Die Gründung eines Fan-Beirats, der auch als einheitliches Sprachrohr der Fanszene gegenüber dem Verein auftritt und sich regelmäßig mit Vorstand und Aufsichtsrat austauscht. Haselhorst: „Schalke braucht gelebte Mitbestimmung. Wir brauchen mehr Kommunikation, die Transparenz schafft und gegenseitiges Verständnis“.

Keine Notwendigkeit sieht der 62-Jährige aktuell in Sachen Ausgliederung. „Sämtliche bestehenden Rechtsformen der Ausgliederungen von Lizenzspielerorganisationen im deutschen Profifussball passen aus meiner Sicht nicht zu uns. Schalke 04 charakterisiert sich über seine Mitglieder und Anhänger wie kein anderer Verein. Der Club gehört seinen Mitgliedern zu 100 Prozent und das muß auch so bleiben. Eine Einbeziehung von Kapitalgebern durch Ausgliederung verschafft kurzfristiges Kapital, aber aber langfristige Abhängigkeiten. Unabhängigkeit ist ein wesentlicher Grundsatz unserer Vereinstradition“, so Haselhorst. Am 13. Juni wird sich zeigen, ob solche Vorstellungen mehrheitsfähig sind.

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