Will in den Schalker Aufsichtsrat: Schalkes Ex-Finanzchef Peter Peters. © dpa

Bewerber im Blickpunkt: Der Kandidat aus der Ski-Abteilung

Ab Donnerstag „durchleuchtet“ der Wahlausschuss die Kandidaten für den Schalker Aufsichtsrat. Die wohl spannendste Frage: Wird Peter Peters zur Wahl bei der Mitgliederversammlung zugelassen?

Er kam auf den letzten Drücker und sorgte für viele überraschte Gesichter. Als am 12. April um 18 Uhr die Sportbeiratssitzung des FC Schalke 04 begann, war auch Peter Peters mit dabei.

Das war aus zwei Gründen ungewöhnlich. Einerseits waren die zehn Abteilungsleiter dieses Gremiums vollzählig erschienen, andererseits fragte man sich natürlich sofort, warum der Multi-Funktionär Peters, der er nach seinem Ausscheiden als Schalker Finanzchef weiter in der Deutschen Fußball-Liga, im Deutschen Fußball-Bund und nun sogar im FIFA-Rat des Weltfußballverbandes mitmischt, bei solch einem Termin anwesend ist.

Werbung in eigener Sache?

Wer Peters kennt, weiß, dass ihm Schalke am Herzen liegt. Anderseits ist der 58-Jährige jemand, der nichts dem Zufall überlässt. War sein Erscheinen womöglich der Tatsache geschuldet, dass er im Sportbeirat Werbung in eigener Sache hinsichtlich seiner Kandidatur für den Aufsichtsrat machen wollte? Diese Vermutung liegt auf der Hand, denn Peters gilt als exzellenter Strippenzieher im Hintergrund, der alle taktischen Winkelzüge des Profifußballs aus dem Eff-Eff beherrscht.

Teilnehmer der Sitzung, bei der auch Schalkes Aufsichtsrats-Chef Dr. Jens Buchta und Finanzchefin Christina Rühl-Hamers anwesend waren, dementieren jedoch solch eine Überlegung. Die Kandidatur von Peters für den Aufsichtsrat sei in dieser Sitzung kein Thema gewesen.

Aber erklären konnten die Beiratsmitglieder das Erscheinen des 58-Jährigen, der Kassierer der Schalker Ski-Abteilung ist, auch nicht. Fakt ist indes, dass der Sportbeirat ein Mitglied in den Aufsichtsrat entsendet. Bisher war das Dr. Buchta, dessen Mandat noch bis 2022 läuft.

Auf die Zukunft gewettet

Vereinsinsider bezweifeln jedoch schon länger, ob Buchta so lange bleiben wird. Seine Stellung als Aufsichtsrats-Chef steht auf wackeligen Füßen, vor allem dann, wenn sich auf der Mitgliederversammlung die Machtverhältnisse in diesem Kontrollgremium verändern sollten. Wirft Buchta vorzeitig hin, wäre ein Platz im Aufsichtsrat frei, über den der Sportbeirat entscheidet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Mindestens fünf Aufsichtsräte werden auf der (digitalen) Mitgliederversammlung am 13. Juni gewählt. Auch bei den kooptierten Mitgliedern könnte es Veränderungen geben. Wer dann den Vorsitz im neuen Aufsichtsrat übernimmt, ist noch offen. Dies bestimmt das Kontrollorgan meistens unmittelbar nach der Mitgliederversammlung in seiner ersten konstituierenden Sitzung.

Zehn Kandidaten zugelassen

Am Donnerstag beginnt der achtköpfige Wahlausschuss, zehn Kandidaten für die Wahl zuzulassen. Bis Sonntag soll das undurchsichtige Prozedere abgeschlossen sein. Denn der Wahlausschuss braucht seine Entscheidungen pro oder contra der einzelnen Kandidaten nicht zu begründen. Das wirkt wie „Hinterzimmer-Politik“, transparent ist es jedenfalls nicht. Über 20 Bewerber haben ihren Hut in den Ring geworfen, darunter auch Peters, über dessen Motive selbst langjährige Weggefährten rätseln.

Lässt der Wahlausschuss den ehemaligen Finanzchef zur Wahl zu, wäre dies für viele Fans ein fatales Signal, denn Peters hat bei allen Verdiensten während seiner 27-jährigen Amtszeit als Finanzchef die Schalker Krise mitzuverantworten. Sein Standardsatz bei Bilanz-Pressekonferenzen „Wir fahren auf Sicht“ hat offensichtlich zumindest nicht ganz der Wahrheit entsprochen und war mit großen Risiken behaftet, die erst nach Ausbruch der Corona-Pandemie offen zu Tage traten. Nach Peters‘ Rücktritt im Juni 2020 nannte Schalkes Chefetage, später auch seine Nachfolgerin Christina Rühl-Hamers, das bisherige Finanzgebaren als „Wetten auf die Zukunft“.

„Flankengott“ fiel 2018 durch

Die Auswirkung dieser am Ende verlorenen Wette werden dem Verein noch lange zu schaffen machen. An dieser Entwicklung trägt Peters eine Mitschuld. Ob solch ein Funktionär dafür geeignet ist, eine Kontrollfunktion im Schalker Aufsichtsrat einzunehmen, muss jetzt der Wahlausschuss entscheiden.

Der hat übrigens keine Angst vor großen Namen: Als „Flankengott“ Rüdiger Abramczik 2018 zum „Verhör“ musste, war die Zulassung zur Wahl für ihn persönlich reine Formsache. Doch „Abi“ fiel durch, durfte nicht kandidieren.

Peter Peters wird auch das nicht irritieren. Sein Whatsapp-Profilfoto zeigt einen Schalke-Schal mit der Aufschrift: „Siegen“.

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