Schalkes Trainer Dimitrios Grammozis, hier mit Suat Serdar (l.) und Timo Becker: „Man kann sich vorstellen, dass die Jungs nach den Geschehnissen sehr aufgewühlt waren.“ © dpa
Schalke 04

Freiwillige vor: Schalkes erstes Spiel nach der Krawall-Nacht

Am Samstag beginnt in Sinsheim für Schalke definitiv die Abschiedstournee von der Erstliga-Bühne. Auch Trainer Grammozis musste die Erlebnisse der Abstiegs-Nacht erst einmal verarbeiten.

An dieser Tatsache gibt es nun mal nichts zu rütteln: Absteiger Schalke 04 geht ab Samstag auf Abschiedstournee. Die beginnt in Sinsheim, wo die TSG Hoffenheim ihre Heimspiele austrägt, und die Besetzungs-Liste, mit der sich die Königsblauen vorerst von der Erstliga-Bühne verabschieden, wurde erstellt unter der im Profi-Geschäft ungewöhnlichen Vorgabe: Freiwillige vor!

Denn es ist das erste Spiel nach der Abstiegs-Nacht vom 20. auf den 21. April, die nach der Ankunft an der Veltins-Arena zur Krawall-Nacht ausartete und bundesweit für Entsetzen sorgte.

„Alle sind motiviert“

Schalkes Sportvorstand Peter Knäbel hatte den Spielern danach freigestellt, ob sie überhaupt noch einmal für Schalke auflaufen wollen. Das Angebot, die letzten vier Spiele als Privatier ausklingen zu lassen, hat laut S04-Trainer Dimitrios Grammozis allerdings kein Schalker Profi angenommen: „Ich kann zu 100 Prozent bestätigen, dass keiner zu uns gekommen ist, um zu sagen, dass er nicht spielen möchte. Alle sind motiviert, alle geben Vollgas.“

Was nun nicht bedeuten soll, dass Schalkes Lizenzspieler und der Trainer- und Betreuer-Stab die schlimmen Ereignisse einfach so aus den Kleidern geschüttelt haben.

„Sehr aufgewühlt“

Ungefähr eine Woche, so Grammozis, habe es gedauert, bis man nach vielen Gesprächen den Fokus wieder auf den Fußball und die eigentliche Trainingsarbeit habe richten können: „Man kann sich vorstellen, dass die Jungs nach den Geschehnissen sehr aufgewühlt waren. Wir konnten nicht direkt zur Tagesordnung übergehen. Jeder hat seine Zeit gebraucht, um die Geschehnisse zu verarbeiten. Jetzt sind wir aber an einem Punkt, an dem wir nach vorne schauen möchten. Die Mannschaft konzentriert sich auf die nächste Partie.“

Bittere Erfahrung

Auch Grammozis selbst musste in seiner noch relativ jungen Trainer-Laufbahn eine neue, bittere Erfahrung machen, für deren Bewältigung es so wahrscheinlich in keinem Trainer-Handbuch einen verlässlichen Baukasten gibt. Schalkes Trainer schöpft seine Kraft vor allem aus den Reaktionen vieler Schalker Fans, die die Krawalle aufs Schärfste verurteilen: „Ich möchte mich bei allen Fans für die vielen Nachrichten bedanken, die mir mitgeteilt haben, dass sie das, was passiert ist, schlecht fanden. Das hat mir Kraft gegeben, um die Geschehnisse abzuschließen und wieder nach vorne zu schauen.“

Grammozis selbst hatte während der Jagd-Szenen „auch etwas abbekommen. Aber ich nehme das nicht persönlich. Die Leute, die da waren, stehen nicht stellvertretend für Schalke 04“.

Kraft aus Fan-Reaktionen

Standen die bisherigen Schalker Auftritte noch immer unter dem Zeichen der klitzekleinen Hoffnung auf den Klassenerhalt, geht es nun nur noch um die Frage, wie die Königsblauen ihre Rolle bei der Abschieds-Tournee interpretieren.

Grammozis kennt den Richtungs-Streit: „Die einen sagen, man solle diejenigen spielen lassen, die wohl auch in der kommenden Saison dabei sind. Andere raten dazu, die anderen spielen zu lassen, damit die sich für andere Vereine empfehlen können.“ Grammozis hat einen eigenen Ansatz: „Es wird die Mannschaft spielen, von der wir der Meinung sind, dass sie das Spiel gewinnen kann.“

Das ist Schalke in dieser Saison bislang nur zweimal gelungen. Einmal übrigens gegen Hoffenheim. 4:0. Da lebte die Hoffnung noch.

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