Irgendwo zwischen „Dampfplauderer“ und „Rettungs-Schnäuzer“: Was spricht auf Schalke jetzt eigentlich noch gegen Peter Neururer? Schlechter kann’s ja schließlich nicht mehr werden... © dpa
Kommentar

Mal ganz im Ernst: Was spricht jetzt noch gegen den Rettungs-Schnäuzer?

Auch Christian Gross ist gescheitert. Schalke sucht wieder einen Trainer, vorerst bis zum Saisonende. Schlimmer kann‘s nicht werden: Da muss auch die Frage nach Peter Neururer erlaubt sein.

Dass Christian Gross kurz vor seinem Aus auf Schalke stand, deutete sich schon nach dem Revier-Derby an – und das nicht mal wegen der 0:4-Niederlage. Sondern: Ganze acht Sekunden hatte Schalkes Trainer gebraucht, um auf die Frage zu antworten, was ihm im Kampf um den Klassenerhalt denn jetzt noch Hoffnung machen würde. Acht Sekunden. In den sozialen Netzwerken wurde das vielfach als Bankrotterklärung gewertet. Im Zeitalter des „Hauptsache-Schnell-Drauf-Losplapperns“ sind acht Sekunden Bedenkzeit schließlich eine halbe Ewigkeit.

Woran Gross gescheitert ist

Am Sonntag wurde Gross nun entlassen, und natürlich war sein gründliches Überlegen im Anschluss an die erwähnte Frage nicht der Grund dafür. Der Schweizer, der mit Unaufgeregtheit, Gelassenheit und Erfahrung versuchte, Schalkes Karren aus dem Abstiegssumpf zu ziehen, ist gescheitert. Auch an eigenen Unzulänglichkeiten – irgendwie wirkte er oft fahrig, dass er Spielernamen verwechselte, wurde im Umfeld noch mit einem Schmunzeln registriert, die Mannschaft nahm es ihm offenbar übel. Dass sie ihm auch taktische Defizite vorgeworfen haben soll, ist indes bemerkenswert: Wer sich nach Eckbällen chronisch weigert, den vor ihm her trudelnden Ball aus dem Strafraum zu befördern, sollte das nicht auf die Trainer-Taktik schieben.

Wie auch immer: Gross hat in zehn Bundesliga-Spielen mit Schalke fünf Punkte geholt, diese Bilanz ist salopp formuliert Schweizer Käse. Auch Gross war von dieser Mannschaft überfordert, und es ist nachzuvollziehen, dass ein Mike Büskens noch wenig begeistert von der Idee sein soll, nun erneut als Interimslösung einzuspringen. Büskens und auch Tomasz Waldoch werden am häufigsten genannt, wenn es um interne Trainer-Lösungen geht, um die Saison noch anständig über die Bühne zu bringen.

Büskens oder Waldoch als „Interne“?

Sollte Schalke keine interne Lösung finden, muss eine Frage erlaubt sein, die Kopfschütteln provozieren wird. Denn der Mann polarisiert halt. Für die einen ist er ein „Dampfplauderer“, für die anderen Schalkes letzter Rettungs-Schnäuzer. Aber mal ganz im Ernst: Was spricht jetzt eigentlich noch gegen Peter Neururer?

Er könnte alleine durch seine Art so etwas wie eine finale Aufbruchstimmung erzeugen und seiner oft genug geäußerten harschen Kritik an Schalke nun selbst Taten folgen lassen. Sein großer Vorteil wäre: Es kann ja nicht mehr schlimmer werden. Vielleicht hätte Neururer eine Chance sogar verdient: Schließlich hat er, was viele vergessen haben, Schalke schon einmal gerettet – 1989 vor dem Abstieg in die dritte Liga.

Eines kann Neururer ohnehin garantieren: Er braucht für eine Antwort keine acht Sekunden. Die Frage dafür müsste erst noch erfunden werden.

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