Fassungslos: Schalke-Trainer Dimitrios Grammozis im Gespräch mit Schiedsrichter Tobias Stieler. © Tim Rehbein/RHR-FOTO
Schalke 04

Nach dem Elfmeter-Ärger in Bremen: Sogar der DFB stimmt Schalke zu

Die Königsblauen fühlen sich durch den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Tobias Stieler beim 1:1 in Bremen betrogen. Simon Terodde kann sich deshalb über sein Rekord-Tor nicht freuen.

Das Spiel in Bremen war nach 99 Minuten gerade vorbei, als Simon Terodde im Stile von Sprint-Legende Usain Bolt zu einem Antritt über den ganzen Platz ansetzte, der alle Beobachter verblüffte. Am schnellsten erkannte sein Schalker Vereinskamerad Marcin Kaminski den Ernst der Lage.

Mit „todesmutiger“ Entschlossenheit stellte er sich vor Terodde, der im letzten Moment erkannt hatte, dass es überhaupt nichts bringen würde, seinem „Objekt der Begierde“ die Meinung zu sagen. Er stoppte ab und verschwand so schnell wie möglich in der Kabine.

„Eine Frechheit“

Bevor es soweit war, gönnte sich der Torjäger aber noch einen kurzen Blick auf die in Bremen im Kabinentrakt aufgehängten Monitore. Dort lief noch einmal die Szene, die alle Schalker in helle Aufregung versetzt und Terodde veranlasst hatte, auf Schiedsrichter Tobias Stieler loszustürmen.

Was war passiert? Der eingewechselte Bremer Roger Assalé fiel nach einem Zweikampf im Strafraum mit dem Schalker Henning Matriciani theatralisch. Stieler ließ zunächst weiterspielen, entschied sich aber nach Intervention von Video-Assistent Christian Dingert und eigenem TV-Studium auf Elfmeter, den Niclas Füllkrug zum 1:1-Endstand in der neunten Minute der Nachspielzeit nutzte.

Knäbel fühlt sich betrogen

Schalkes Sportdirektor Rouven Schröder sprach von „einer der krassesten Fehlentscheidungen, die ich je gesehen habe“. Trainer Dimitrios Grammozis nannte die Entscheidung „eine Frechheit“ und empfahl Stieler, den Schiedsrichter-Schein neu zu erwerben. Co-Trainer Mike Büskens schrieb bei Instagram, „mindestens ein junger Mann“ im grünen Shirt würde vor Lachen nicht in den Schlaf finden. Und selbst ein sonst so besonnener Mensch wie Schalke-Sportvorstand Peter Knäbel fühlte „sich betrogen“.

Warum der „Kölner Keller“, wo die Video-Assistenten sitzen, sich überhaupt einmischte, blieb rätselhaft. Dies soll regeltechnisch nur passieren, wenn sie der Meinung sind, dass eine krasse Fehlentscheidung vorliegt. Davon konnte jedoch nicht die Rede sein.

„Da fehlen mir die Worte“

„Pfiffikus“ Stieler begründete seine Entscheidung gegenüber Grammozis so: „Er hat mir gesagt, dass der Werder-Spieler am Fuß getroffen wurde und es für ihn ein klarer Elfmeter ist. Wenn man ein ganz klares Handspiel plus Schwalbe nicht erkennt… Stieler ist Fifa-Schiedsrichter, hat das Fifa-Wappen auf seinem Trikot. Wahnsinn, da fehlen mir die Worte.“

Dennoch wird Schalke keinen Einspruch gegen die Spielwertung vornehmen, weil die Erfolgsaussichten zu gering sind. Obwohl: Sogar der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat nach Kontaktaufnahme durch Schalke eingeräumt, dass der Video-Assistent in der betreffenden Szene nicht hätte eingreifen dürfen. In der Tat: So wie in Bremen macht der Video-Schiedsrichter keinen Sinn.

Nur kurze Freude

Tobias Stieler ist übrigens nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen. In der Saison 2017/2018 durfte er zum Beispiel an den letzten beiden Spieltagen nicht pfeifen, weil er die Aussage zu einer Gelb-Roten Karte für Nils Petersen vom SC Freiburg vor der DFB-Sportgerichtsbarkeit verweigert hatte.

Losgelöst von diesem Mega-Aufreger war die Punkteteilung in einem von viel Kampf und Krampf geprägten Spiel ein gerechtes Ergebnis. Ohne die unverständliche Stieler-Entscheidung wäre Simon Terodde der Mann des Spiels gewesen, denn mit seinem Führungstor ist er nun mit 154 Zweitligatoren alleiniger Rekordhalter in der 2. Liga. Doch die Freude darüber währte bei ihm nur bis zur neunten Minute der Nachspielzeit. Dann kam erst der Elfer- und dann der Schlusspfiff. Und Teroddes Sprint.

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