Auf und davon: Lucas Cueto (r.) vom Karlsruher SC entwischt Thomas Ouwejan (l.) und Florian Flick - Schalke muss den Rückschlag gegen den KSC nun erst einmal verarbeiten. © dpa
Schalke 04

Nach dem Rückschlag: Schalke ist weiter auf Standortsuche

Wo steht Schalke in der Zweiten Liga? Aktuell im grauen Tabellen-Mittelfeld, der Zug nach oben ist aber längst nicht abgefahren. Zu erreichen ist der nur mit mehr Reife als sie Palsson zeigte.

Dimitrios Grammozis unternahm einen Ausflug in die Welt der Mathematik, dabei scheute sich Schalkes Trainer nicht vor Kleinteiligem: „In der Zweiten Liga kannst du nur bestehen, wenn du von Anfang an 100 Prozent auf den Platz bringst. 99,5 oder 99,7 Prozent reichen nicht aus.“

Wie viel Prozent es auch immer waren, die Schalkes Spieler gegen den Karlsruher SC auf den Platz gebracht hatten, es können eben keine 100 Prozent gewesen sein, weil es weder am Anfang noch am Ende gereicht hatte. Statt des erhofften dritten Sieges in Folge gab es die dritte Saison-Niederlage (1:2). Mit zehn Punkten nach sieben Spielen steckt der Erstliga-Absteiger derzeit im Tabellen-Mittelfeld fest und sucht weiter nach Orientierung. Bei dieser Suche war das Spiel gegen den KSC ein empfindlicher Rückschlag.

Tugenden kaum zu sehen

Schließlich glaubten die Königsblauen, durch den Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf, vor allem aber durch die zwar nicht überragende, aber reife Leistung beim 1:0-Sieg in Paderborn die nächste Entwicklungsstufe der neu zusammengestellten Mannschaft gezündet zu haben.

Gegen Karlsruhe war von den Tugenden, die Grammozis zuletzt gelobt hatte – beispielsweise Konzentration und Geduld – kaum noch etwas zu sehen. Alles andere als konzentriert war Schalke schon in der ersten Minute, als der KSC nach einem Eckball in Führung ging – die komplette Defensiv-Abteilung hielt ein Nickerchen, inklusive Torhüter Ralf Fährmann, der den Schuss von Kyoung-Rok Choi recht unbedarft passieren ließ.

Den Frust anmerken lassen

Ein früher Rückstand ist für Schalke in dieser Saison nicht unbedingt das Problem – die Mannschaft bewies, auch unterstützt vom Publikum, erneut Nehmerqualitäten und kam durch Simon Terodde nach einer Viertelstunde tatsächlich zum Ausgleich.

Doch dann fehlte die Reife oder die Qualität – wahrscheinlich beides – um das Spiel komplett zu drehen. Als ein Kopfballtor von Marcin Kaminski in der 50. Minute wegen Abseits durch den Video-Assistenten aberkannt wurde, kam so etwas wie Frust in der Schalker Mannschaft auf. Menschlich durchaus verständlich – aber auf dem Platz sollte sich eine ja gezielt mit erfahrenen Spielern verstärkte Mannschaft den nicht so anmerken lassen wie es Victor Palsson tat…

Völlig falsches Signal

Der Mittelfeld-Routinier, der das Schalker Spiel im defensiven Mittelfeld ordnen soll, sendete nämlich genau das falsche Signal aus. Den ihm entwischten Marvin Wanitzek grätschte er von hinten so humorlos um, dass Schiedsrichter Christof Günsch im Prinzip überhaupt keine andere Wahl blieb, als glatt „Rot“ zu zeigen – Schalke sollte und wird sich bei der Analyse nicht davon verführen lassen, dass es unmittelbar vorher offenbar ein nicht geahndetes Foul an Marius Bülter gegeben hatte.

Sondern es gilt klipp und klar anzusprechen, was Grammozis eben nicht mit der „fehlenden Galligkeit“ meinte, die er nach dem KSC-Spiel ansprach. Palsson hat seiner Mannschaft gleich einen zweifachen Bärendienst erwiesen: In Unterzahl konnte es gegen spielstarke Karlsruher nun nur noch darum gehen, den Punkt 20 Minuten lang über die Zeit zu retten (was nicht gelang), außerdem wird dieser so wichtige Spieler Schalke nun erst einmal fehlen – Palsson war bislang „gesetzt“, ihn zu ersetzen wird eine Herausforderung.

Hilft die Ostsee-Luft erneut?

Die nächste Schalker Standortbestimmung ist in Rostock. Noch ist der Anschluss an die Spitzengruppe der Tabelle keine Utopie, alles ist noch recht dicht beieinander. Aber Schalke muss sich jetzt erst einmal wieder finden, darf nicht erneut die Kontrolle verlieren. Vielleicht hilft die Ostsee-Luft: Den ersten Saisonsieg gab es in Kiel – direkt nach einer Heimniederlage.

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