Viel gelaufen, dann von Krämpfen geplagt, am Ende nur noch platt: Benito Raman nach dem Spiel gegen Mainz, in dem der S04-Angreifer sich voll verausgabt hat. © dpa
Kommentar

Ohne fitte Spieler nutzt die beste Rechtsform der Welt herzlich wenig

Bevor Schalke über die ganz großen Themen entscheidet, muss der Verein erst die Basis-Elemente in den Griff kriegen. Der Fitness-Zustand der Profis wäre bei diesem Prozess ein guter Ansatz.

Der Nächste, bitte: Kerim Calhanoglu feierte gegen Mainz seine Bundesliga-Premiere und war der 34. (!) Spieler, der in dieser Saison bei den Königsblauen zum Einsatz kam. Damit thront Schalke souverän an der Liga-Spitze.

In der „richtigen“ Tabelle steht Schalke genau so einsam am Ende, und der Zusammenhang dieser Konstellation ist offensichtlich. Denn dass so viele Spieler zum Einsatz kommen, mag für die Talente aus der Knappenschmiede eine unverhoffte Chance sein. Was die Profi-Truppe betrifft, lässt dieser Umstand allerdings tief blicken.

Maximal erschöpft

Am Freitagabend wurde Fußball-Deutschland Zeuge allergrößter Schalker Erschöpfung. Ungefähr ab Minute 70 wurden diverse S04-Profis von Krämpfen gequält, lagen am Boden, waren platt. Keine schönen Bilder. Wohlgemerkt: Das waren die Spieler, die immerhin einsatzfähig waren.

Ein großer Teil der vermeintlichen Stammspieler ist dagegen schon seit Wochen oder Monaten verletzt bzw. im Reha- oder Aufbautraining. Die Liste der Namen ist so lang, dass vor allem Trainer Christian Gross beim Vorlesen schon mal den einen oder anderen vergaß, zuletzt das Transfer-Rätsel Klaas-Jan Huntelaar.

Zu ergründen gilt es die vielen muskulären Verletzungen. Schalke hat keine Doppel- und schon gar keine Dreifach-Belastung. Volle Konzentration der Bundesliga. Am Freitag musste Amine Harit nach dem Aufwärmen passen. Muskuläre Probleme. Kein Einzelfall.

Wer kontrolliert wen und wie?

Man muss kein Fußball-Weiser oder anerkannter Mediziner sein, um zu erkennen, dass da irgendwas schief läuft im Schalke-Staat. Athletik-Guru Werner Leuthard wurde gefeuert, obwohl er ja eigentlich die Antwort auf die Versäumnisse der Vorsaison sein sollte. Die einen zu weich, Leuthard zu hart? Wie steht es um die Eigenverantwortung der Spieler? Wer überprüft, wer kontrolliert sie? Überprüft und kontrolliert sie überhaupt jemand?

Auf Schalke wird derzeit viel über Themen wie Ausgliederung, Änderung der Rechtsform und neue Strukturen diskutiert. Wichtige Themen. Aber wenn man der Theorie folgt, dass die Profi-Mannschaft in einem Verein wie Schalke das wichtigste Element ist, muss sich der neue Sportvorstand – ob nun Horst Heldt, Markus Krösche von RB Leipzig, der Ex-Mainzer Rouven Schröder (alle im Gespräch) oder Peter Knäbel selbst zunächst mal um dieses Basis-Thema kümmern. Ohne fitte Spieler nutzt die beste Rechtsform der Welt nichts.

Knäbels richtiger Schritt

Immerhin: Knäbels Gang nach dem Spiel führte ihn direkt zum Athletik-Trainer. Ursachenforschung. Ein erster richtiger Schritt. Ganz unverkrampft.

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