Peter Knäbel auf der Schalker Mitgliederversammlung. © Schalke 04
S04-Kommentar

Schalke 04 braucht schnellen Erfolg, um die Risse zu kitten

Wer bei der Aussprache der abgebrochenen Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 genau zuhörte, dem wurde ganz schnell deutlich: Die Schalker Vereinsfamilie ist bei vielen Themen gespalten.

Dass die Schalker Fans für viele kritische Wortbeiträge im Rahmen der Mitgliederversammlung sorgen würden, war keine Überraschung. Alles andere hätte nach dem Schalker Abstieg auch sehr verwundert.

Bedenklicher für die Entwicklung des FC Schalke 04 sind jedoch die tiefen Gräben, die sich in den Beiträgen der Anhänger artikulierten. Wo war die vielbeschworene Transparenz, wenn sich Aufsichtsratsmitglied Peter Lange beharrlich weigerte, darüber Auskunft zu geben, warum Clemens Tönnies in diesem Gremium fast zwei Jahrzehnte allein die Richtung vorgeben konnte?

Dohm ist in großer Sorge

Wo war die Selbstkritik des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Dr. Jens Buchta, der nur lapidar erklärte: „Ich kann meine Leistung, die ich erbracht und die ich nicht erbrachte habe, sehr gut einschätzen.“

Besonders nachdenklich stimmte jedoch, dass es auch zwischen den einzelnen Gremien in der Vergangenheit nicht stimmte. Der Ehrenrats-Vorsitzende Jochen Dohm beklagte sich über den Aufsichtsrat und die eigene Kommunikations-Abteilung des Vereins und richtete einen flehendlichen Appell an die Vereinsfamilie, zu einen normalen Miteinander zurückzukehren.

Knäbel und Schröder sind gefordert

Dohm wörtlich: „Wir können Fehler machen – aber nicht zu unserem Vorteil den anderen vernichten. Ich bitte alle: Helft mit, dass wir in der großen Familie wieder zusammenfinden, dass wir uns mit Respekt in die Augen sehen können.“

Solche Sätze müssen als Alarmsignale gewertet werden. In dieser Gemengelage ist es für Schalke fast schon ein glücklicher Umstand, dass das Thema Ausgliederung bei dieser Mitgliederversammlung noch kein Thema war. Denn damit wäre der nächste Reizpunkt gesetzt, der eine drohende Spaltung des FC Schalke 04 befördern könnte.

Was hilft in dieser für Schalke so schwierigen Situation? Ganz einfach: Sportlicher Erfolg, und zwar so schnell wie möglich. Die Fans sehnen sich nach Fußball, mit dem sie sich endlich wieder identifizieren können. Schalke hat sich in ihren Augen lange genug zum Gespött von ganz Fußball-Deutschland gemacht.

Umso mehr ruhen deshalb die Hoffnungen nun auf Sportvorstand Peter Knäbel und Sportdirektor Rouven Schröder, die mit guten Transfers eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen müssen. Ob das gelingt, davon wird im wesentlichen Schalkes Zukunft abhängen. Und nicht davon, welche Personen zukünftig im Aufsichtsrat sitzen werden.

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