Schalke 04 mit Video

Schalke 04 und die ungewohnte Höhenluft

50 Minuten dauerte das erste Schalker Training in Mittersill. Daheim wurde die eSports-Lizenz LEC für 26,5 Millionen Euro verkauft. Und auch noch ein bisher ausgeliehener Spieler.
Erste Einheit in Mittersill: Michael Langer, Marius Bülter, Simon Terodde, Marcin Kaminski und Yaroslav Mikhailov (vorne v.l.). © Tim Rehbein/RHR-FOTO

Höhenluft war für den FC Schalke 04 tabellarisch betrachtet in der vergangenen Saison ein Fremdwort. Vom ersten bis zum letzten Spieltag standen die Königsblauen auf einem direkten Abstiegsplatz.

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Schalke im Trainingslager in Mittersill: Tag 1

Dies soll jedoch kein Dauerzustand bleiben. Schon im Trainingslager in Mittersill in Österreich ist die Höhenluft ein ständiger Begleiter. Der kleine Ort Mittersill liegt auf 800 Metern Höhe. Im Schloss Mittersill, wo die Königsblauen bis zum 10. Juli ihr Trainingslager absolvieren, sind es sogar 1000 Meter.

Kurze Wege in Mittersill

Bereits zum fünften Mal bereitet sich der neue Zweitligist hier auf die Saison vor. Das Schloss Mittersill wurde um 1150 gebaut und beherbergte zwischen 1948 und 1968 einen exklusiven „Sport & Shooting-Club“. Adelige Europäer und reiche Amerikaner gaben sich hier die Klinke in die Hand.

Schalke braucht für seinen zwölftägigen Aufenthalt im Schloss Mittersill allerdings nichts zu bezahlen. Denn das Trainingslager gehört zur Partnerschaft mit der Ferienregion Naturpark Hohe Tauern.

Kein freier Tag vorgesehen

Diese beinhaltet nicht nur die Einladung nach Mittersill zum Trainieren, sondern angeblich auch noch eine halbe Million Euro pro Jahr für die Werbe-Partnerschaft mit den Österreichern.

Entscheidend sind für die Schalker Entscheidungsträger bei dieser seit 2016 bestehenden Kooperation jedoch die Rahmenbedingungen gewesen. Der Trainingsplatz liegt nur fünf Minuten entfernt. Hier nahm der Zweitligist am Dienstag ab 16 Uhr die Arbeit auf.

Jede Minute nutzen

Zuvor inspizierte das Schalker Trainerteam um Dimitrios Grammozis den Naturrasen, ehe Ralf Fährmann und Co. ein leichtes Training absolvierten. Dabei wird es jedoch keinesfalls bleiben. Nach Informationen dieser Zeitung soll es bis zur Abfahrt keinen einzigen freien Tag geben.

Grammozis will jede Minute nutzen, damit sich seine Mannschaft in technischer, spielerischer und konditioneller Hinsicht anders präsentiert als in der Abstiegssaison. Womöglich lässt der 42-Jährige aber mit dem einen oder anderen freien Vor- oder Nachmittag mit sich reden, wenn seine Mannschaft seine Vorgaben gut erfüllt.

Ohne Kutucu und Matondo

Neben Ozan Kabak (Urlaub wegen der Europameisterschafts-Teilnahme) und Matthew Hoppe (Gold-Cup) sind zwei Spieler außerplanmäßig nicht mitgeflogen: Ahmed Kutucu blieb mit Oberschenkelproblemen in Deutschland, Rabbi Matondo hat nach Klubangaben leichte Knieprobleme. Das Offensiv-Duo absolviert auf Schalke ein individuelles Programm und könnte im Verlauf des Trainingslagers nachreisen.

Verkaufskandidaten wie Amine Harit, Matija Nastasic und Omar Mascarell sind dagegen in Mittersill dabei. Harit scheint allerdings nicht beschwerdefrei zu sein, denn nach nur wenigen Minuten verließ er den Trainingsplatz schon wieder.

Tekpetey verkauft

Es bleibt ein zähes Ringen, ob es Schalke bis zum Ende des Transferfensters gelingt, diese Großverdiener von der Gehaltsliste zu bekommen. Weitere Transfererlöse sind dringend notwendig, um sich finanziell weiterhin Luft zu verschaffen.

Der nun in trockenen Tüchern befindliche Wechsel des bisher ausgeliehenen Bernard Tekpetey hilft nur ein kleines Stück weiter. Der Stürmer war im vergangenen Sommer für zwei Jahre an den bulgarischen Erstligisten Ludogorets Razgrad ausgeliehen worden, jetzt haben sich die Schalker mit dem bulgarischen Meister auf einen endgültigen Transfer des 23-Jährigen geeinigt. Tekpeteys Vertrag auf Schalke lief ursprünglich bis 2023.

Abschied vom eSport

„Für beide Seiten ergibt diese Entscheidung sehr viel Sinn“, sagt Schalkes Sportdirektor Rouven Schröder. Tekpetey habe „bei Ludogorets Razgrad sein sportliches Glück gefunden und direkt im ersten Jahr die nationale Meisterschaft feiern dürfen. Dass wir den endgültigen Wechsel schon jetzt vollziehen konnten, tut uns wiederum wirtschaftlich gut.“

Um ganz andere Summen als die knappe Million, die Schalke als Ablösesumme für Tekpetey kassiert, ging es wie erwartet beim Verkauf des Startplatzes in der europäischen League-of-Legends-Liga LEC an die eSport-Organisation „BDS“ aus der Schweiz.

Finanznot etwas gelindert

26,5 Millionen Euro kassierte Schalke, um seine Finanznot zu lindern. Marketing-Chef Alexander Jobst hatte auf der Mitgliederversammlung angekündigt, dass Schalke in dieser Hinsicht keine Wahl bleibt.

Mit dem Abstieg aus der Bundesliga geben die Schalker nun den wirtschaftlichen Aspekten den Vorzug und wenden sich vom zukunftsträchtigen und boomenden eSport ab. Eine Steigerung des Wertes von acht auf 26,5 Millionen zeigt das sehr deutlich.

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