Schalke 04 wird in 17 Minuten von Hoffenheim vorgeführt

2:0 geführt, 2:4 verloren - nach dem in Bielefeld besiegelten Abstieg begann auch Schalkes Abschieds-Tournee aus der Bundesliga in Sinsheim bei der TSG Hoffenheim mit einer Niederlage.
Gegensätze: TSG-Spieler Christoph Baumgartner (l.) jubelt, Schalke-Debütant Florian Flick ist enttäuscht. © dpa

Fast schien es so, als würden die Kraichgauer auch im Rückspiel zum absoluten Schalker Saison-Lieblingsgegner mutieren, bis sie dann doch kurzen Prozess mit den Gästen machten. Denn Schalke führte zur Pause mit 2:0 – und hatte ja auch schon das Hinspiel mit 4:0 gewonnen.

Mit drei erzielten Toren hatte Matthew Hoppe damals seine persönliche Sternstunde, trotzdem saß der Stürmer nun zunächst nur auf der Bank – obwohl Grammozis sein letztes Aufgebot ins Rennen schicken musste. Neun Spieler fehlten entweder verletzt oder waren gesperrt. So kam der 21-jährige Florian Flick (Spitzname laut Grammozis – na klar – Hansi) zu seinem Startelf-Debüt. In der Offensive durfte Mark Uth mal wieder von Beginn an ran, sein Nebenmann war Klaas-Jan Huntelaar.

Mark Uth als Lichtblick

Uths Aufstellung sollte sich gegen seinen Ex-Klub schon schnell auszahlen: In der zwölften Minute erzielte er nach einer schönen Schalker Kombination über die rechte Seite nach Vorarbeit von Suat Serdar das 1:0 für Schalke – Hoffenheim war damit völlig auf dem falschen Fuß erwischt, offenbar hatte man den Gästen, die ja immer noch die Krawall-Nacht im Anschluss an das verlorene Spiel in Bielefeld in den Köpfen haben, solche Aktionen nicht zugetraut.

Da nutzte es den Gastgebern, bei denen der von Schalke ausgeliehene Sebastian Rudy nur auf der Bank saß und erst spät eingewechselt wurde, nichts, dass sie die erste Torchance des Spiels hatten: Christoph Baumgartner scheiterte in der achten Minute an Ralf Fährmann, genau so wie Robert Skov mit einem Freistoß in der 18. Minute. Hoffenheim kombinierte zwar recht gefällig, ließ weitestgehend aber den Zug zum Tor vermissen. Und wenn es mal brenzlig wurde, war meistens Shkodran Mustafi zur Stelle.

Mustafi trifft per Kopf

Der Verteidiger konnte aber auch in der Offensive Akzente setzen. Nach einem Eckball von Bastian Oczipka setzte sich Mustafi sehr schön durch und erzielte per Kopf das 2:0 für Schalke. Das Tor fiel in einer Art und Weise, wie man es sonst nur von Schalker Gegentoren kennt – die Hoffenheim wirkten so, als hätten sie Schalke etwas unterschätzt.

Eher wütenden Reaktionen der Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß, die ihren Höhepunkt in einer Chance durch Andrej Kramaric hatten (43.), folgte sogar noch eine Schalker Großchance durch Harit (44.), der allerdings am Tor vorbeischoss.

„Die erste Halbzeit war ein Sinnbild der gesamten Saison. Wir hatten Vorteile, doch der Gegner macht aus dem Nichts zwei Tore“, bilanzierte Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen, der Schalkes Abstieg aus der Bundesliga „extrem schade“ findet.

Vier Gegentore in 17 Minuten

Mit breiter Brust gingen die Königsblauen in die Kabine. Es sah alles ganz gut aus. Was dann folgte, war allerdings der Beleg dafür, dass diese Saison zumindest aus Schalker Sicht nun wirklich langsam zu Ende gehen sollte.

Denn nun war es ein komplett anderes Spiel, innerhalb von 17 Minuten konnte Hoffenheim das Blatt komplett drehen. Zunächst traf Kamaric mit einem herrlichen Freistoß zum 1:2 – da waren 47 Minuten gespielt. Vier Minuten später traf Kevin Akpoguma mit einem komplizierten, ebenfalls wohl unhaltbaren Kopfball nach einer Ecke zum Ausgleich.

Abwehr ist überfordert

Schalke wackelte nun bedenklich, versuchte irgendwie, auf den Beinen zu bleiben, fiel aber trotzdem. Der nächste Doppelschlag begann in der 60. Minute: Wieder ein Kopfball-Gegentor, diesmal durch Baumgartner. Dem 3:2 folgte vier Minuten später das 4:2 – diesmal war Schalke nach einer schnellen Hoffenheimer Kombination, die Ihlas Bebou abschloss, hoffnungslos überfordert.

Mustafi schiimpfte wie ein Rohrspatz, Team-Manager Gerald Asamoah schlug auf der Bank resigniert erst die Hände über den Kopf zusammen und dann gegen einen Sitz, der als Frust-Ventil dienen musste. Schalke war wieder mal am Boden, jetzt konnte es nur noch um Schadensbegrenzung gehen, zumindest das gelang – es blieb beim 4:2 für Hoffenheim. Schalke wartet nun schon seit November 2019 (2:1 in Bremen) auf einen Auswärtssieg.

Grammozis vermisst Griffigkeit

Schalke-Trainer Dimitrios Grammozis fasste die 90 Minuten so zusammen: „In der ersten Halbzeit ist unser Plan aufgegangen. Die Tore waren sehr schön herausgespielt. Nach dem Seitenwechsel war von der Leistung der ersten Hälfte nicht mehr viel zu sehen. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass wir die nötige Griffigkeit hatten“.

Da schwang wieder einmal viel Enttäuschung in den Worten des 42-Jährigen mit. Am Mittwoch kommt Hertha BSC Berlin in die Arena, am Samstag Eintracht Frankfurt, dann muss Schalke noch nach Köln. Dann ist diese fürchterliche Saison endlich vorbei. Gut so.

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