Da war die Welt noch in Ordnung: Omar Mascarell freut sich über sein erstes Bundesligator für Schalke 04. © dpa
Schalke 04

Schalke 04: Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel

Mit dem 1:1 in Bremen verpasst Schalke 04 den Befreiungsschlag. Neun Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Sportvorstand Jochen Schneider will noch einen Spieler holen.

Ob viele Anhänger des FC Schalke 04 überhaupt noch Interesse an den Ergebnissen der Konkurrenz im Abstiegskampf haben, lässt sich schwer beurteilen. Auf jeden Fall hielt der Sonntagnachmittag die nächste Enttäuschung für die Schalker Fans parat. Der 1. FC Köln bezwang im Kellerduell Arminia Bielefeld mit 3:1. Damit beträgt der Schalker Rückstand auf den Relegationsplatz nun satte neun Punkte.

Vor diesem Hintergrund war das 1:1 (1:0) in Bremen nicht der ersehnte Befreiungsschlag, sondern eher die Bestätigung, dass Schalke seinen letzten Tabellenplatz ziemlich fest zementiert hat. Die Punkteteilung war zum Leben zu wenig, aber zum Sterben zu viel. Noch zu viel, könnte man sagen, weil rein rechnerisch der Klassenerhalt weiter möglich ist, aber mit solchen Leistungen wie in Bremen wohl nicht zu schaffen sein wird.

Tabelle besser ignorieren

Vor allem im zweiten Durchgang enttäuschten die Gäste, die kurzfristig auf die erkälteten Suat Serdar und Benito Raman verzichten mussten, restlos. Sie gaben keinen einzigen Torschuss mehr ab, obwohl ihnen doch die Halbzeitführung durch das erste Bundesligator von Omar Mascarell für Schalke Selbstvertrauen gegeben haben sollte.

Sportvorstand Jochen Schneider vermutete, dass der Faktor Angst in den Köpfen der Spieler eine wesentliche Rolle gespielt habe. Die lange Negativserie zehre an den Nerven. Deshalb empfahl der 50-Jährige, „nicht jeden Tag auf die Tabelle zu schauen“.

Amine Harit war wütend

Trainer Christian Gross beharrte darauf, dass „dieser Punktgewinn uns absolut nach vorne bringt. Es ist kein Zweckoptimismus, wenn ich sage: Wir glauben daran, dass wir es noch schaffen können.“

Doch der Glaube an eine Wende konterkarierte der 66-Jährige durch seine Auswechslungen, die eher das Signal sendeten, die knappe Führung zu verwalten. Dass Kreativspieler Amine Harit frühzeitig raus musste und nicht der enttäuschende Mark Uth, löste bei vielen Schalke-Fans Kopfschütteln aus, zumal Gross gebetsmühlenartig in den letzten Wochen betont hatte, dass er Schalke offensiver aufstellen würde.

Comeback von Huntelaar

Davon war in Bremen nichts zu sehen. Auch die zu späte Einwechslung von Klaas-Jan Huntelaar brachte keine Belebung im Schalker Spiel nach vorn. Wohl auch deshalb ist Schneider bemüht, am letzten Tag vor Schließung des Transferfensters noch einen weiteren Spieler nach Sead Kolasinac, Huntelaar und William, der ein unspektakuläres 20-Minuten-Debüt in Bremen feierte, zu verpflichten.

Am Ende konnte Schalke sogar froh sein, wenigstens einen Punkt zu holen. Als der Bremer Maxi Eggestein in der Nachspielzeit den Ball ins Schalker Tor bugsierte, fühlte man sich sofort an die königsblauen Auftritte in Augsburg oder gegen Köln erinnert, wo Schalke durch Gegentore wertvolle Punkte verschlampte. Ist das mangelnde Konzentration? Oder fehlende Fitness? Oder wissen die Spieler nicht, wie sie sich auf dem Platz verhalten sollen?

Fast noch verloren

Der Satz von Huntelaar: „Wir haben uns nicht mehr getraut, Fußball zu spielen“, deutet in diese Richtung. Auf jeden Fall ist dies ein Muster, dass für eine Mannschaft im Tabellenkeller nicht unüblich ist. Doch zum Glück für die Blau-Weißen stand in Bremen Vorbereiter Theodor Gebre Selassie zuvor im Abseits, der Siegtreffer wurde vom Videoassistenten annulliert.

Wenigstens eine gute Nachricht für Schalke an einem sportlich gesehen ansonsten erneut tristen Wochenende.

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