Schalke 04

Schalke-Neuzugang Reinhold Ranftl – ein „Landbub“ auf der Überholspur

Reinhold Ranftl hat sich mit dem Wechsel zum FC Schalke 04 einen Traum erfüllt. Der Rechtsverteidiger sprüht in jedem Training vor Energie.
Reinhold Ranftl freut sich sehr auf die Herausforderung Schalke 04. © Tim Rehbein/RHR-FOTO

Mit 29 Jahren sieht sich Reinhold Ranftl im besten Fußballalter. Im Interview mit dieser Zeitung auf Schloss Mittersill spricht der sechsfache österreichische Nationalspieler über die wichtigsten Stationen seiner Karriere.

Fühlen Sie sich hier in Mittersill ein bisschen wie zu Hause?

Ranftl: Absolut, ich bin ja Österreicher. Es ist schön, hier zu sein. Aber ich bin nicht zur Erholung in Mittersill, sondern um zu trainieren.

Waren Sie schon mal hier?

Nein. Ich war ganz in der Nähe mit meiner Freundin Viktoria im Urlaub, aber nicht direkt in Mittersill. Es ist wunderschön hier.

Bekommen Sie im Trainingslager Besuch aus Österreich?

Ja, mein Vater kommt am Samstag und sieht sich das Testspiel gegen Zenit Sankt Petersburg in Kufstein an. Darauf freue ich mich sehr – er sich natürlich auch, vor allem, weil wieder vor Zuschauern gespielt werden kann.

Kommen Sie aus einer fußballverrückten Familie?

Nein, das kann man nicht sagen. Mein Vater hat zwar auch gespielt, für eine Profikarriere hat es jedoch nicht gereicht. Aber er hat mich in meiner gesamten Karriere nicht nur begleitet, sondern immer auch sehr unterstützt. Ich habe noch eine Schwester, die in der Immobilienbranche tätig ist und weniger mit Fußball zu tun hat.

Haben Sie immer auf der rechten Seite gespielt?

Nein. In der Jugend habe ich sowohl links als auch rechts gespielt, später sogar im offensiven Mittelfeld. Danach hat der Grazer Trainer Markus Schopf den Verteidiger in mir geweckt.

In Ihrer Karriere gab es Höhen und Tiefen. Wie sehr hat Sie das geprägt?

Mein Vater hat mich als Spätstarter bezeichnet. Das trifft es ganz gut. Zu Beginn meiner Laufbahn war ich den anderen Spielern körperlich meist unterlegen. Mein Weg in den Profi-Fußball war eigentlich nicht vorgesehen und ist eher zufällig entstanden.

Aber Sie waren in Ihrer Jugend doch schon im Nationalteam.

Einmal war ich dabei. Aber ich habe nicht den typischen Weg des Profi-Fußballers in Österreich über die Akademie eingeschlagen. Da wurde ich nicht für gut befunden, weil ich mit 14 Jahren zu klein und schmächtig war. Mein damaliger Trainer Hubert Kulmer, eine Legende von Sturm Graz, hat mir dann bei Graz ein Probetraining vermittelt. Da bin ich ohne Erwartungen hingefahren. Was ich dort dann gesehen habe an Infrastruktur und Trainingsstätten für Fußballer, war komplett neu für mich. Ich bin ja ein Landbub (lacht).

Aber Sie wurden für gut befunden.

In Graz habe ich fünf Jahre gespielt. Meistens bei den Amateuren, aber auch teilweise bei den Profis.

Warum haben Sie Graz verlassen?

Ich habe für mich in Graz keine so guten Perspektiven gesehen. Als Fußballer willst du spielen. Das war in Graz nicht in der Häufigkeit möglich. Die Konkurrenz im Kader war erfahrener und körperlich stärker. Deshalb bin ich einen Schritt zurückgegangen, erst nach Hartberg, dann zu Neustadt. Und dann ging es nach Linz.

Dort hat Trainer Oliver Glasner Sie entscheidend geprägt.

Er hat mich von Anfang an sehr beeindruckt. Mit seiner Persönlichkeit und wie er mit Spielern umgeht. Von diesem Trainer habe ich das meiste gelernt. Er hat mich jeden Tag besser gemacht.

Also wundern Sie seine sportlichen Erfolge in Wolfsburg nicht?

Absolut nicht. Oliver Glasner fordert viel, aber wenn Du als Spieler mitziehst, stellt sich über kurz oder lang der Erfolg ein. Ich kann kein schlechtes Wort über ihn sagen.

Wann kam der Kontakt zu Schalke 04 zustande?

Das war nach dem letzten Spieltag der österreichischen Fußball-Liga. Da hat mir mein Berater gesagt, dass Schalke Interesse haben soll. Ich war sofort Feuer und Flamme und habe gedacht: Mit meinen 29 Jahren wäre dies jetzt der nächste Schritt in meiner Karriere. Es folgten Gespräche mit Sportdirektor Rouven Schröder und Trainer Dimitrios Grammozis. Danach war mir klar, dass ich das unbedingt machen will.

Wie hat Linz reagiert?

Ich habe dort sechs Jahre gespielt, aber ich wollte unbedingt nach Schalke wechseln. Sie haben mir daher keine Steine in den Weg gelegt, sondern hatten Verständnis. Wer weiß: Vielleicht kehre ich nach meiner Zeit in Gelsenkirchen ja noch einmal nach Linz zurück.

Haben Sie vor Ihrer Entscheidung mal mit ihren Landsleuten, den ehemaligen Schalker Spielern Alessandro Schöpf und Guido Burgstaller, gesprochen?

Nein, ich wollte mir ein eigenes Bild machen. Schalke ist ein großer Verein mit ganz anderen Dimensionen als in Linz. Um nur ein Beispiel zu nennen: In Linz gab es vielleicht fünf Personen, die sich um Mannschaftsbelange gekümmert haben, auf Schalke sind es deutlich mehr. Ich habe noch Schwierigkeiten, mir alle Namen zu merken. Aber alle Mitarbeiter sind sehr fürsorglich und kümmern sich sofort, wenn man ein Problem hat.

Wie sah es bisher bei Ihnen in puncto Verletzungen aus?

Bisher habe ich Glück gehabt. Es gab nichts Gravierendes. Ich hatte mal Probleme mit dem Sprunggelenk und eine Schambeinentzündung. Daraus habe ich meine Schlüsse gezogen.

Das heißt?

Der Körper ist das Kapital aller Profis. Ich mache vor und nach jeder Einheit bestimmte Koordinations- und Stabilitätsübungen, damit ich Verletzungen vorbeuge. Diese Zusatzschichten zahlen sich aus.

Welche Ziele haben Sie mit der Nationalmannschaft von Österreich?

Ich würde sehr gerne zurückkehren. Mit guten Leistungen beim FC Schalke 04 will ich mich wieder für die Nationalelf empfehlen.

Und was ist mit Schalke 04 in der neuen Saison möglich?

Die Mannschaft ist sehr motiviert. Die letzten zweieinhalb Trainingswochen waren so intensiv, wie ich es bisher nicht gekannt habe. Wir haben viel Qualität im Kader und wollen eine gute Saison spielen.

Wann wäre es für Sie eine gute Saison?

Meine Traumvorstellung? Mit Schalke den Aufstieg zu schaffen und alle 34 Zweitligaspiele zu machen. Nun aber im Ernst: Wichtig ist, dass wir unsere Leistung abrufen und am Ende vom Spielfeld gehen und sagen können, dass wir alles gegeben haben. Dann werden auch die Ergebnisse kommen.

Fotostrecke

Schalke im Trainingslager in Mittersil: Tag 4

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