Im Freudentaumel: Die Schalker Spieler bejubeln das Tor zum 3:2. © dpa
Schalke 04

Schalke-Trainer Grammozis ist stolz auf seine „jungen Wilden“

„Junge Wilde“ der Königsblauen entzaubern die Frankfurter Eintracht - und helfen ausgerechnet dem ungeliebten Nachbarn auf dem Weg in die Champions League. Furioses Spiel des Absteigers.

Dimitrios Grammozis strahlte nach dem überraschenden 4:3-Erfolg gegen die Hessen. „Kompliment an die Mannschaft. Sie hat gegen einen starken Gegner alles reingehauen“, freute sich der Schalker Trainer, der Sieg den eigenen Fans widmete.

Bei den Frankfurtern war die „Enttäuschung unglaublich groß“, wie Trainer Adi Hütter feststellte. Seitdem der Österreicher seinen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach ab der neuen Saison bekannt gegeben hatte, läuft es bei der Eintracht nicht mehr.

Rode reagiert drastisch

Mittefeldspieler Sebastian Rode äußerste sich drastisch bei „Sky“. Mannschaft und Trainer hätten versagt. Das wollte Hütter nicht so deutlich sagen, Er führte die bittere Niederlage auf das schwache Defensivverhalten seiner Mannschaft zurück. Hütter: „Vier Gegentore gegen Schalke. Das geht, bei allem Respekt, nicht“.

Da half es den Frankfurtern auch nicht, dass ihr ehemaliger Kapitän David Abraham extra eingeflogen war, um seine ehemaligen Mannschaftskameraden im Saisonfinale zu unterstützen. Denn Schalke zeigte eine seiner besten Leistungen in dieser so enttäuschenden Spielzeit. Das hatten die wenigsten Anhänger erwartet.

Am Vormittag hatten Schalker Fans an der Glückauf-Kampfbahn ein großes Transparent aufgehangen und einem der legendären Zitate von Rudi Assauer gedacht. Schalkes großer Manager hatte einst orakelt: „Wenn der Schnee geschmolzen ist, sieht man, wo die Kacke ist.“ Auf dem Transparent stand nun: „Lieber Rudi, der Schnee ist jetzt geschmolzen.“

Es war die treffende Zusammenfassung einer absurd schlechten Schalker Saison, die am Nachmittag dann allerdings einen völlig unerwarteten Höhepunkt beim vorläufig letzten Erstliga-Spiel in der Arena hatte. Dabei war nicht nur erstaunlich, dass die Mannschaft von Trainer Dimitrios Grammozis einen „Dreier“ in einem Spiel holte, in dem der Gegner ein Eckball-Verhältnis von 13:1 hatte – bei Ecken ist Schalke schließlich besonders anfällig. Nach wie vor…

Aydin stoppt Kostic

Aber der Reihe nach: Schalke ging durch Klaas-Jan Huntelaar in Führung – der Routinier hatte einen Foulelfmeter im Nachschuss verwandelt (Trapp hatte zunächst gehalten) – das war nach einer Viertelstunde, und schon da war zu sehen, dass Schalke in einer sehr disziplinierten defensiven Grundordnung (5-3-2) mit Abwehrchef Salif Sané im Zentrum den Frankfurtern das Leben schwer machen würde. Vor allem der junge Mehmet Can Aydin zog sich gegen Frankfurts linken Flügelflitzer Filip Kostic hervorragend aus der Affäre.

Aber irgendeiner patzt auf Schalke in dieser Saison halt immer, diesmal war es Ralf Fährmann: Schalkes Keeper segelte nach einer knappen halben Stunde unter eine scheinbar harmlose Flanke von Amin Younes, Silva köpfte ein zum 1:1-Ausgleich. Nun schienen die Dinge ihren gewohnten Lauf zu nehmen….

Tolle Viertelstunde

Vor allem, nachdem Frankfurt nach einem Eckball in der 51. Minute das 2:1 erzielte – Salif Sané und Evan Obite Ndicka waren hier zu in etwa gleichen Teilen beteiligt, es war allerdings wohl eher ein Eigentor. Die beste Gelegenheit also für Schalke, nun wieder einzuknicken. Aber es ereignete sich Unerwartetes.

Schalke legte die wohl beste Viertelstunde dieser Saison hin, Frankfurt war völlig überrumpelt. Vorarbeit Huntelaar (verletzte sich dabei) auf Idrizi – 2:2 (53.). Vorarbeit Matthew Hoppe auf Florian Flick – 3:2 (60.). Solo Hoppe fast ab der Mittellinie – 4:2 (64.). Schalke, es war tatsächlich so, zauberte, obwohl es im zweiten Durchgang in Strömen regnete. Auch der Himmel weinte offenbar angesichts der Abschiedsvorstellung als Erst-Bundesligist in der Veltins-Arena.

Doch erst hieß es wieder zittern: Silva traf noch zum 4:3 (73.), Frankfurt drängte auf den Ausgleich, Becker verpasste das 5:3, als er kurz vor Schluss zu lange zögerte. Nach 04 Minuten Nachspielzeit stand endlich fest: Das Erstliga-Abschiedsspiel der Arena endete mit dem dritten Schalker Saisonsieg.

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