Feierte mit Schalke bisher erst einen Sieg: Trainer Dimitrios Grammozis. © dpa
Schalke 04

Schalke-Trainer Grammozis: „Ordentlichen Auftritt hingelegt“

Am Ende war es wie fast immer. Der FC Schalke 04 verlor das Bundesliga-Nachholspiel mit 1:2 (1:1) gegen Hertha BSC Berlin – leistete aber immerhin tapfer Widerstand.

Sie flehten den Schiedsrichter an, schimpften, fluchten, zeigten ständig auf ihre Uhren – die Delegation von Hertha BSC Berlin, allen voran Trainer Pal Dardai, war mit den Nerven komplett am Ende. Erst nach mehr als fünf Minuten Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Markus Schmidt die Partie auf Schalke endlich ab – und Hertha hatte mit 2:1 gewonnen und sich damit einen ganz wichtigen „Dreier“ im Abstiegskampf gesichert.

Den hat Schalke bereits verloren, insofern mussten sich die Königsblauen dem Nerven-Stress ihrer Gäste nicht mehr aussetzen. Stressiger waren da schon die Stunden vor dem Spiel – denn die Nachholpartie des 31. Spieltages stand ganz offensichtlich auf der Kippe, weil sich bei den Tests am Dienstag noch ein dritter aktueller Corona-Fall beim FC Schalke 04 bestätigt hatte.

Drei Corona-Infizierte, dazu mussten vier Spieler der Kontaktgruppe eins in häusliche Isolation – dass das Gesundheitsamt Gelsenkirchen trotz dieser Bilanz die Austragung des Spiels genehmigte, war Wasser auf die Mühlen derjenigen, denen die für den Profi-Fußball gebratenen „Extrawürste“ in Zeiten der Pandemie ohnehin nicht schmecken.

Neue Rekorde aufgestellt

Wie auch immer: Die Partie wurde pünktlich angepfiffen, und natürlich war es zwangsläufig schon irgendwie das „letzte Aufgebot“, das sich in Schalker Diensten noch einmal aufrappeln musste – andererseits war die Berliner Ausfall-Liste ungefähr genauso lang, und mit Ralf Fährmann, Sead Kolasinac, Klaas-Jan Huntelaar, Bastian Oczipka, Amine Harit, Salif Sané und Shkodran Mustafi standen bei den Blau-Weißen immerhin auch noch genügend gestandene Profis auf dem Platz.

Neu in die Startelf rutschte Blendi Idrizi – der Spieler der zweiten Mannschaft ist der 40. in dieser Saison eingesetzte S04-Spieler. Damit hat Schalke den selbst aufgestellten Bundesliga-Rekord weiter ausgebaut.

Standard-Schwäche

Die „Wundertüte“, die Trainer Dimitrios Grammozis da aufs Rasen-Rechteck geschickt hatte, schlug sich gar nicht mal schlecht – und ging durch Amine Harit sogar in Führung (6.). Anga Dedryck Boyata glich in der 19. Minute nach einem Freistoß per Kopf aus – es war Schalkes 30. Standard- und das 20. Kopfball-Gegentor – auch das sind zwei Bundesliga-Rekorde seit der Datenaufzeichnung im Jahr 2004.

Trotz dieses frustrierenden Erlebnisses knickte Schalke aber nicht ein, leistete weiter Widerstand – der Vorwurf, die Mannschaft würde den Abstiegskampf durch eine zu laxe Herangehensweise „verwässern“, wäre nicht gerecht. Dass am Ende dann doch wieder alles so war wie (fast) immer in dieser Saison, lag daran, dass Hertha-„Joker“ Jessic Ngankam trotz der Bedrängnis von diversen Schalker Spielern zum 1:2 traf (73.), während Schalke in Überzahl (Dodi Lukebakio hatte Gelb-Rot gesehen) in der Nachspielzeit bei einer Doppel-Chance durch Shkodran Mustafi und Benito Raman zweimal den Pfosten traf. Szenen, die den Unterschied machten.

Schlechtester Absteiger?

Schalke droht, der schlechteste Absteiger seit Einführung der Drei-Punkte-Regel zu werden – bislang ist das der SC Freiburg (18 Punkte 2004/05, Schalke hat aktuell 13 Punkte). Dimitrios Grammozis war „einfach nur froh, dass die Mannschaft einen ordentlichen Auftritt hingelegt hat“. Seine Position wird das nicht großartig stärken: Im Schalker Umfeld wird längst fast schon mehr über mögliche Nachfolger von Grammozis als über den S04-Trainer selbst diskutiert.

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